Foodwatch-Chef Thilo Bode legt sich gern mit anderen an. Der frühere Umweltaktivist streitet für bessere Lebensmittel.
Die Zeiten, in denen Thilo Bode Koffer voller Geld bei afrikanischen Stammesfürsten ablieferte, liegen längst hinter ihm. Heute interessiert sich der frühere Entwicklungshelfer, Finanzberater und Umweltaktivist vor allem für zweifelhafte Inhalte von Tiefkühltruhen und Lebensmittelregalen.
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Thilo Bode (© Foto: Reuters)
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Der Gründer und Chef der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat der mächtigen Lebensmittelindustrie den Kampf angesagt, die Konsumenten seiner Ansicht nach systematisch täuscht und hintergeht.
Der 62-Jährige ist keiner, der für den diplomatischen Dienst in Frage kommt. Er liebt die Auseinandersetzung und sucht sie auch. Die sanfte Tour - Kritik hübsch anrichten und in kleinen Häppchen servieren - ist nicht sein Ding. Das zeigt auch der Blick auf die Homepage von Foodwatch. Dort werden beliebte Markenprodukte von Großkonzernen wie Nestlé, Danone, Unilever, Coca-Cola und McDonald's gleich reihenweise als Mogelpackungen entlarvt.
Beispiel dafür ist der Kinderriegel von Ferrero, der - so die Werbebotschaft - zum Naschen ohne schlechtes Gewissen animieren soll, dank einer "Extra-Portion-Milch" mit viel Kalzium. Das klingt gut, ist aber nach Recherchen der Lebensmitteldetektive von Foodwatch nur ein Teil der Wahrheit. Verschwiegen wird demnach, dass ein Kind täglich mindestens 13 Riegel "naschen" muss, um seinen Kalziumbedarf zu decken, einschließlich 48 Würfel Zucker, einem halben Paket Butter plus Aromen und Zusatzstoffen.
Dass man ihn als Verbraucherschützer bezeichnet, hört Bode nicht gern: "Das klingt, als ob der Konsument ein unmündiges schutzloses Wesen wäre". Dem sei bei weitem nicht so. An was es dem Verbraucher aber fehle, seien wichtige Informationen, um im Supermarkt die richtige Wahl treffen zu können.
Bode will Druck erzeugen. Das größte Problem sieht er darin, dass "Lebensmittel bislang kein politisches Thema sind. Doch Politiker legen sich nur mit der Industrie an, wenn sie spüren, dass die Wähler sauer werden".
Idealist und Weltverbesserer
Bode ist Berufsaktivist, Idealist und Weltverbesserer zugleich, ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Das zeigt sein Lebenslauf. In den siebziger Jahren studiert er Soziologie und Volkswirtschaftslehre und promoviert über die ökonomischen Probleme von Entwicklungsländern.
Zunächst arbeitet er für die Beratungsfirma Lahmeyer International und betreut Wasser- und Energieprojekte auf den Philippinen. 1978 wechselt er zur Kreditanstalt für Wiederaufbau. Stationen sind unter anderem Argentinien, Paraguay und China. Gelegentlich muss er als Kurier einfach nur Koffer voller Geld aushändigen.
So geschehen im afrikanischen Somalia, wo er Entwicklungshilfegelder an einen Stammesfürsten aushändigt, der weder schreiben noch lesen kann, also auch nicht den Vertrag, den er mit einem Kreuz unterzeichnet. Laut Bode trägt das Geld letztlich dazu bei, einen langjährigen Bürgerkrieg zu finanzieren.
Nach elf Jahren in der Entwicklungshilfe gibt er frustriert auf. Seine Bilanz fällt bitter aus: "Die staatliche Entwicklungshilfe, die seit mehr als 50 Jahren betrieben wird, ist weitgehend wirkungslos. Wenn sie nicht geschadet hat, kann man noch froh sein."
Nach einem kurzen Ausflug in die Führungsetage eines deutschen Mittelständlers geht er 1989 in die Umweltpolitik, wird zunächst Deutschland-Chef von Greenpeace und steht gut fünf Jahre später an der Spitze der internationalen Organisation. Wegbegleiter bescheinigen ihm, dass er Greenpeace von Grund auf reformiert und professionalisiert hat. Vor allem aber lernt er, Kampagnen medienwirksam zu inszenieren - und wie man damit Politik macht.
Als Greenpeace-Aktivisten 1995 die Ölplattform Brent Spar kapern, die der Ölmulti Shell in der Nordsee versenken will, formiert sich in Europa Widerstand. Shell gibt seinen Plan schließlich auf. Die Wirkung der Kampagne ist nachhaltig: Drei Jahre später vereinbart eine Gemeinschaft von 15 Staaten ein generelles Versenkungsverbot für Ölplattformen im Nordatlantik.
Im Jahr 2000, nach elf Jahren bei Greenpeace, erklärt Bode seinen Rücktritt; er arbeitet an einem eigenen Projekt. Mit der Gründung von Foodwatch stößt Bode 2002 in eine Lücke im Verbraucherschutz. Den Anstoß für die Gründung gibt die Rinderseuche BSE.
Unzureichende Aufarbeitung
Der Fleischskandal, der Ende der neunziger Jahre publik wird, ist laut Bode bis heute unzureichend aufgearbeitet. Die Tierseuche steht im Verdacht, bei Menschen die gefährliche Creutzfeld-Jacob Krankheit auszulösen.
Zielscheibe von Bodes Angriffen sind Unternehmen, Industrieverbände und die Politik, allen voran der frühere Verbraucherminister Horst Seehofer und seine Nachfolgerin Ilse Aigner, beide CSU. Seine Attacken verschonen selbst jene nicht, die ihn fest an ihrer Seite glauben, wie Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, früher selbst Verbraucherministerin.
Sie ist nicht mehr so gut auf ihn zu sprechen, seit er im vergangenen Jahr eine Kampagne gegen die Ökobranche startete und deren Umweltfreundlichkeit und Beitrag zum Klimaschutz in Frage stellt.
Die Liste seiner Gegner und Widersacher ist lang. Einige sehen in ihm den kompromisslosen Verfechter von Verbraucherrechten, andere einfach nur den streitsüchtigen Querulanten mit Hang zum Skandalisieren.
Doch Anfeindungen scheinen an Bode abzuperlen. Der Erfolg gibt ihm wohl recht. Hersteller reagieren auf die Kritik von Foodwatch, indem sie etwa ihre Rezepturen ändern oder beanstandete Produkte ganz vom Markt nehmen - wie Bauer den Kinderjoghurt Biene Maja, dessen Zuckergehalt sogar noch den von Coca-Cola übertraf.
Kampf für die Ampel
Für Bode sind dies allenfalls Schritte in die richtige Richtung. Am Ziel sieht er sich noch lange nicht. Priorität hat derzeit für ihn die Durchsetzung der Ampel, eine leicht verständliche Kennzeichnungsform für Lebensmittel. Sie sei das "trojanische Pferd der Verbraucherrechte", weil sie die Industrie zwinge, ihre Rezepturen so zu ändern, dass sie weniger Zucker, Salz oder Fett enthalten. Für die Hersteller würde dies empfindliche Umsatzeinbußen bedeuten, meint er.
Doch die Aussicht, dass sich die Ampel auf EU-Ebene gegen den Widerstand der Hersteller durchsetzen lässt, sind denkbar schlecht. "Verbrauchertäuschung findet nicht nur auf Industrieseite, sondern auch in der Politik statt", wettert Bode. Die Industrie habe alle Geschütze aufgefahren, um die Ampel zu verhindern.
Verloren gibt er den Kampf aber nicht. Bodes Vision ist eine große unabhängige Verbraucherschutzorganisation, die ihren Einfluss auf die europäische Politik geltend machen kann. Der Weg dahin ist bereitet: In den nächsten Monaten wird Foodwatch ein Büro in Brüssel eröffnen, ein Ableger in den Niederlanden befindet sich im Aufbau.
Zweimal ist er in Deutschland dem Tod entkommen: in Bergen-Belsen und in München. Der Geher Schaul Ladany gehörte 1972 zu Israels Olympiateam. Das ist jetzt 40 Jahre her, doch die Erinnerung folgt ihm auf Schritt und Tritt. Seite Drei. Jetzt lesen ...
(SZ vom 20.07.2009/bilu)
Verkehrssünderdatei in Flensburg
Zu wenige lesen doch wirklich, was drin ist und lassen sich dann auch noch von irgendwelchen Phantasie-Referenzwerten blenden, die oft noch unter der Portionsempfehlung des jeweiligen Herstellers liegen.
Außerdem würde doch nichts gegen eine Kombination sprechen. Dann könnten die schnellen Käufer zumindest schon mal einen Hinweis bekommen. Und diejenigen, welche genauer schauen wollen, haben ihre Möglichkeit. Wichtig wäre dann allerdings eben auch, die Angabe der Werte für die vorgeschlagene Portionsgröße.
Lange Zeit gab's doch diese kombinierten Informationen, die evtl. sogar aus USA kamen, wonach zunächst auf 100g und parallel dazu auf die Portion die jeweiligen Mengen ausgewiesen wurden.
Nährwerte mal auf 10 g, mal auf 50 g oder vielleicht noch krummere Werte überreißt doch kaum jemand, weder beim Einkauf, noch zu Hause.
Die Ampel wäre insbesondere für Kinder ein besserer Anhalt, als die Zahlen.
Lieber rotrivo,
sehen Sie einem Maiskolben oder einer frischen Tomate auf dem Markt an, ob sie Genverändert ist? dann herzlichen Glückwunsch. Ich nicht und deshalb muß endlich eine lückenlose, wie auch immer geartete klare Kennzeichnungspflicht her. Bei Fertiggerichten könnte es mir gleichgültig sein, die kaufe ich ohnehin nicht.
Jeder der wenigstens versucht sich gesund zu Ernähren braucht keine Ampel, da man sowieso weiss, was man Essen soll und was eher nicht. Wichtiger finde ich, daß in den Schulen dieses Thema wirklich aufgegriffen wird und die Kinder dazu erzogen werden
sich gesünder zu ernähren ( Kochunterricht (gabs früher:-) , Spätfolgen usw.)
Aber nichts desto Trotz, darf man auch mal zu MACDonalds gehen....
Noch eine Anmerkung: Ich finde es sehr bemerkenswert, wie wenig Menschen sich zum Thema "gesunde/ungesunde Ernährung" äußern und wie die Foren geradezu explodieren, wenn es um Michael Jackson oder Porsche geht.
Wichtig wäre, dass auf *allen* Verpackungen zumindest der Fettgehalt, der Zuckergehalt und der Brennwert pro 100 gr. und gern auch für die ganze Verpackungsgröße angegeben wird.
Die Ampel berücksichtigt z.B. überhaupt nicht, ob das Lebensmittel Vitamine hat oder nicht. Halbfett-Margarine würde ich wegen der ganzen Zusatzstoffe auch nicht für gesünder halten als eine Vollfett-Reform-Margarine.
Wer sich mit Cola und Chips vollstopfen will, weiss auch heute schon, dass das nicht unbedingt gesund ist und dem wird die Ampel auch nicht helfen. Vermutlich werden sich einige dann extra die "roten" Lebensmittel kaufen, weil die grünen der gleichen Art ja nicht richtig schmecken.
Weiterhin werden Lebensmittel dann, wie ein Vorposter schon sagte, an die Grenzen heran designt.. Der Wichtigtuer Bode mit seinem ständigen Alarmismus nervt.
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