Warner sieht sich selbst weder als Gourmet - sein Geschmackssinn sei ziemlich durchschnittlich - noch hatte er je vor, sich mit Essen zu beschäftigen. Auf der Kunsthochschule studierte er Illustration - und merkte dann, dass ihm die Fotografie mehr lag, weil sie schneller ist. Zu den Landschaftsbildern kam er, als ihm ein finnischer Butterhersteller bei einem Auftrag einmal sehr viel Freiheit ließ und er die Idee hatte, einen Wald aus Riesenchampignons zu schaffen; die Kampagne gewann Preise. Warner arbeitete damals noch mit mehreren Bildschichten und teurer Endretusche. Heute sei er deshalb jeden Tag dankbar, dass es Bearbeitungsprogramme wie Photoshop gibt, sagt er. Sein Perfektionismus mache ihm auch so genug Ärger.

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Bis vor zwei Jahren hat er die Landschaftsbilder eher nebenbei gemacht, als Hingucker für seine Präsentationsmappe. "Schön" hat man bei den Agenturen gesagt und die Fotos beiseite gelegt - bis ein Werber auf die Idee kam, sie an die Presse zu geben. Plötzlich fand Warner seine Fotos als Slideshows auf YouTube wieder - untermalt mit sanfter Musik. Nun baten Joghurtproduzenten aus dem Nahen Osten um Werbefilme mit Käsevulkanen. Und italienische Salamihersteller fragten nach Toskana-Impressionen aus luftgetrocknetem Schinken.

Heute kann er es sich leisten, selbst Großaufträge abzulehnen. Ein Gebäckgigant aus Italien wollte Pittabrot-Landschaften, Warner schlug venezianische Gondeln und das Kolosseum vor. Zu platt, fanden die Italiener. Werbung muss lustig sein, jeder muss sie verstehen können, fand Warner. Kolosseum oder gar nicht, blieb sein letztes Wort.

Bevor er ein Bild umsetzt, hat er es genau im Kopf, dann zeichnet er eine detailgenaue Skizze. Und er bildet nur Orte ab, die er selbst bereist hat. Die Lebensmittel, die er später einsetzt, müssen zum Motiv passen. Den Big Ben hat er aus grünem Spargel gebaut und die Rocky Mountains in Colorado aus rohem Fleisch - Rib Eye Steak für die Berge, Rib Eye Steak für den roten Himmel, Salami für die Telegraphenmasten und Toast für die Wohnmobile. Ohne kulturelle Bezüge, findet Warner, verliere ein Bild seine Glaubwürdigkeit.

Langweilig wird dem Foodfotografen so schnell nicht werden. Warner will sich demnächst Russland und Japan vornehmen; zudem liebt er die Märchenwelten von Tim Burton und den Brüdern Grimm. Alice im Wunderland, Charlie und die Schokoladenfabrik, das Hexenhaus aus Hänsel und Gretel - alles Projekte, die er sich vorstellen kann. Nur eines, so sagt Carl Warner, könne er bis heute nicht richtig verstehen: "Ich finde meine Bilder absolut nicht appetitlich."

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(SZ vom 10.09.2010/jado)