sueddeutsche.de: Nun ändern manche Zugvögel ihr Verhalten aufgrund des Klimawandels. Welche Auswirkungen könnte das haben?
Malaria-Überträger Anopheles-Mücke (© Foto: dpa)
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Maier: Manche Vögel bleiben jetzt das ganze Jahr in Europa. Das Virus zirkuliert bei manchen Arten jedoch nur in der warmen Jahreszeit, im Winter bricht der Viruszyklus zusammen und erst Zugvögel brächten neue Viren aus Afrika mit. Dazu gehört auch das Westnil-Virus. Ziehen die Vögel nicht mehr, kommen keine neuen Viren aus Afrika mehr nach. Das wäre ein positiver Effekt des Klimawandels.
sueddeutsche.de: Kürzlich wurde in Aachen ein Fall von Leishmaniose bekannt, einer Krankheit, die von Sandmücken übertragen wird, die es in Deutschland eigentlich nicht geben sollte. (Die Krankheit wird von Einzellern ausgelöst, die innere Organe befallen. Unbehandelt führt sie bei immungeschwächten Patienten zum Tod)
Maier: Torsten Naucke vom der Universität Bonn hat nach dem Aachener Fall gezielt nach Sandmücken gesucht und gefunden, die Leishmaniose übertragen können.
Der betroffene Junge war vermutlich von einer solchen Mücke gestochen worden, die sich selbst an einem Hund infiziert hatte. Und der hatte die Parasiten aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt. Aber für Sandmücken gilt tatsächlich: Wenn sich das Klima verändert, können die Arten, die Leishmaniose übertragen, sich auch bei uns vermutlich ausbreiten.
Ein anderes Beispiel für eine Ausbreitung tropischer Krankheitserreger nach Norden ist das Blauzungenvirus. Das ist zwar für Menschen nicht gefährlich, aber für Nutztiere. Wir hatten letztes Jahr erstmals in etwa 2000 Viehwirtschaftsbetrieben in Holland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland Erkrankungsfälle. Bei uns waren 869 Betriebe betroffen.
Das Virus wird im Mittelmeerraum vor allem von einer eingewanderten afrikanischen Stechmücke, einer Gnitzen-Art, übertragen, in Deutschland aber nun überraschenderweise von einheimischen Mücken-Arten!.
Der Erreger selbst wurde vermutlich mit afrikanischen Tiere wie Zebras nach Europa importiert. Das Virus mag heiße Sommer wie im letzten Jahr. Wird es wärmer, müssen wir also mit einer erneuten Verbreitung der Viren durch diese Gnitzen rechnen. Ähnlich könnte es auch mit dem Rift-Valley-Virus geschehen, einem Erreger, der auch bei Menschen eine fieberhafte Erkrankung auslösen kann.
sueddeutsche.de: Manche Erreger leben auch in Nagetieren, etwa das Hantavirus. 2005 war die Zahl der infizierten Menschen deutlich angestiegen. Ein Jahr zuvor war eine Massenvermehrung von Rötelmäusen beobachtet worden, wichtigen Wirtstieren der Erreger. Ein Zusammenhang erscheint naheliegend.
Maier: Zum einen ist der Zusammenhang zwischen dem Klima und Nagetierpopulationen nicht so eindeutig, zum anderen werden die Viren, soweit wir wissen, nicht von Mücken oder anderen Tieren übertragen. #
Menschen infizieren sich demnach nur dort, wo sie direkt mit den Tieren und vor allem ihrem Kot in Kontakt geraten. Deshalb wird es vermutlich auch in Zukunft eher selten zu Hanta-Virus-Infektionen kommen.
sueddeutsche.de: Was sollte geschehen, um zu verhindern, dass der Klimawandel Deutschland in Zukunft häufigere Ausbrüche oder sogar Epidemien von Krankheiten beschert, die bislang keine große Bedeutung hatten?
Maier: Man muss im großen Stil die Vektor-Situation (Vektor = Überträger, d.R.) in Europa und Deutschland überprüfen. Unsere Studie reicht da nicht aus. Außerdem gibt es viel zu wenig medizinische Entomologen, also Insektenkundler, die sich mit Krankheitsüberträgern wie Zecken und Steckmücken beschäftigen. Die Stellen für solche Fachleute werden zur Zeit eher gestrichen, und die Forschungsgelder fließen in scheinbar aktuellere Bereiche!
Dabei bräuchte man Entomologen schon allein um zu überprüfen, ob zum Beispiel Renaturierungsmaßnahmen wie das Anlegen von neuen Feuchtbiotopen zur Ausbreitung von Mücken beitragen könnten. Naturschutz ist sehr wichtig. Aber die medizinische Seite wird meist völlig ignoriert.
sueddeutsche.de: Könnten solche Untersuchungen nicht von den Behörden in Auftrag gegeben werden?
Maier: Behörden wie Länderregierungen sehen die Notwendigkeit zu handeln erst, wenn bereits etwas passiert ist. Und die Zahl der Betroffenen ist in Deutschland derzeit eben noch sehr klein.
sueddeutsche.de: Nun reden alle vom Klimawandel - ist das nicht die Chance, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu setzen?
Maier: Die Öffentlichkeit und die Medien finden das Thema spannend. Aber in Deutschland beschäftigt man sich immer erst mit einem Erreger oder Überträger, wenn die Dramatik groß genug ist - so wie bei der Vogelgrippe.
Immerhin: Die EU und die WHO fordern inzwischen eine flächendeckende Kartierung aller Krankheitserreger und ihrer Überträger in Europa und da wird Handlungsbedarf auf die Behörden zukommen. Hoffen wir, dass dann auch noch genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen!
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Um als Betroffener mal etwas sagen zu dürfen: "Sie sind schon da..." - zumindest teilweise. Seit zwei Jahren wird an meiner Erkrankung geforscht und rumgedoktert. Ich bin halbwegs wiederhergestellt, nach grob 180 Behandlungs- und Arztterminen, fast einem Kilogramm Antibiotika in insgesamt 11 Monaten.
Fakt ist (im eigenen Wohnort kurz vor Garmisch - bestätigt von unabhängigen Labors):
unbekannte Borrelienarten, Rickettsien (sog. Mittelmeerfleckfieber), Babesien, Leishmanien und ähnliche Erreger sind schon da. Übertragen durch Zecken UND Bremsen. Sie haben die Alpen inzwischen überquert und werden sich auch weiter ausbreiten.
Es geht bei der Erregerfrage nicht darum ob oder wann sie sich ausbreiten, sondern wie schnell und wohin.
Die wichtigste Frage ist allerdings, was kann man dagegen tun, wie sind die Heilungsaussichten und wie lange wartet man damit die Bevölkerung aufzuklären!
DAS vermisse ich an diesem Artikel. Leider begnügt man sich nach wie vor damit Bildchen eines Impfstoffherstellers für FSME-Impfstoffe zu zeigen und vor der ach so gefährlichen FSME zu warnen (450 Kranke mit 4 Todesfällen pro Jahr). Leider gibt es noch keinen Impfstoffhersteller für Borreliose (60-100.000 Kranke mit mehr als 16 Todesfällen). Und andere Krankheiten werden als "sehr selten" oder "selten" eingestuft und ignoriert. Dabei ist es den Betroffenen vollkommen piepegal ob sie eine seltene oder eine häufige Krankheit haben.
"Selten" ist eine Krankheit die nur einen von 2.000 Menschen trifft. Das klingt schon nach SEHR selten. Fakt ist: 82 Mio / 2000 = 41.000 Kranke. Das ist in meinen Augen nicht mehr selten. Aber FSME mit 450 Kranken ständig (auf Kosten anderer Krankheiten) durch die Medien zerren. DAS sollte man mal bedenken...
Man wird den Eindruck nicht los, dass die Intension des Interviewers darin liegen, von Prof. Maier eine Bestätigung zu erhalten, dass bei Erwärmung in Europa die Gefahr von Krankheiten erheblich zunehmen wird. Nur, Prof. Maier kann eine solche Betätigung nicht geben, weil die Verbreitung z. B. von Malaria wenig mit hohen Temperaturen, dafür sehr viel mehr mit Hygiene zu tun hat.
Malaria in Europa ist, sogar vor allem, aufgetreten während der Kleinen Eiszeit. In einem Aufsatz : From Shakespeare to Dafoe : Malaria in England während der Kleinen Eiszeit : weist Prof. Reiter vom Pasteur Institut in Paria nach, dass die Verbreitung der sogenannten tropischen Infektionskrankheiten mehr eine Funktion von mangelnder öffentlicher Gesundheitsfürsorge als von wärmeren Temperaturen ist.
Neu am Aufsatz von Reiter ist die Feststellung, dass Malaria während der kältesten Periode des ausgehenden Mittelalters, der Kleinen Eiszeit, in Europa weit verbreitet war, in einer Zeit, als Gletscher wuchsen, die Winter kälter und länger waren und das Getreide nicht reifte.
Bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Malaria endemisch mit weiter Verbreitung bis über den Arktischen Wendekreis. Von 1564 bis zu den 1730iger Jahren, der kältesten Periode der Kleinen Eiszeit, war Malaria (ague) eine bedeutende Ursache für Krankheit und Tod in weiten Teilen Englands.
Und die Erfahrungen aus Afrika zeigen auch, dass Temperaturen nicht ursächlich mit der Verbreitung von Malaria zusammenhängen.
In einem Nature Artikel Climate Change and the Resurgence of Malaria in the East African Highlands' (v.415, 21 Feb, p.905) werden die Ergebnisse wie folgt beschrieben :
"
The authors, most of them closely connected with tropical medicine, investigated the possible link between climate change and recent resurgence of Malaria in the East African highlands. They took four mostly rural weather stations in the region (Kericho in western Kenya, Kabale in southwest Uganda, Gikonko in southern Rwanda, and Muhanga in northern Burundi) and analysed their meteorological data (temperature, rainfall and vapour pressure) from 1911 to 1995.
Their verdict was both clear and blunt - "..temperature, rainfall, vapour pressure and the number of months suitable for P. falciparum (malaria) transmission have not changed significantly during the past century or during the period of reported malaria resurgence. A high degree of temporal and spatial variation in the climate of East Africa suggests further that claimed associations between local malaria resurgences and regional changes in climate are overly simplistic."
Bei der abgebildeten Mücke handelt es sich nicht um eine Anophelesart, die Malaria übertragen kann, sondern um eine Art aus dem Aedes-Komplex. Wahrscheinlich ist es Aedes albopictus, u. a. ein Vektor vom West Nile Virus und anderen ARBO-Viren
@ Wettermann
a.) zum Thema Malariaprophylaxe siehe u.a. hier: www.malariaprophylaxe.net, den Seiten der Deutschen ärztekammer oder der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin!
....es gibt keine Impfung, das ist klar!
b.) ganz genau! Und darum empfinde ich den Artikel (oder vielmehr die Form des Interviews) als unangemessen, weil ein Infektionsrisiko geradezu herbeigeredet werden soll!
a) Es gibt keine Malaria-Prophylaxe
b) Mücken selbst müssen infiziert sein, um Malaria zu übertragen. Dazu müssen sie kurz vorher einen Malaria-Kranken gestochen haben - und den müssen sie bei uns erstmal finden! (steht übrigens so auch in dem Artikel)
Paging