sueddeutsche.de: Wie bewegt man sich denn richtig?
Hans Bloss rät von Sport ab, der zusätzlichen Stress und Leistungsdruck bedeutet (© Foto: privat)
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Bloss: Eine ausbalancierte Fitness setzt sich zusammen aus Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Wenn jemand nur joggt, trainiert er einseitig seine Ausdauer. Das lässt sich auch auf die bewusste Alltagsbewegung übertragen: Gehen Sie drei Mal die Woche zügig spazieren - das fördert Ihre Ausdauer. Mit Gartenarbeit trainieren Sie Kraft und Beweglichkeit, Fenster putzen regt den Kreislauf an und stärkt die Schultern, am PC tippen fördert immerhin die Koordination. Wenn Sie auf dem Heimweg eine Bahnstation früher aussteigen und die letzten zwei Kilometer zu Fuß gehen, haben Sie bereits etwas für Ihre Fitness getan.
sueddeutsche.de: Zu Fuß zum Briefkasten gehen, Treppen steigen - das klingt aber alles nicht neu ...
Bloss: Dennoch muss man die Wahrnehmung schärfen. Selbst in den großen Sportkaufhäusern finden Sie nur noch Rolltreppen, und in Hotels wird einem sofort der Weg zum Aufzug gewiesen. Suchen Sie mal eine Hoteltreppe - meist finden Sie die hinter dem dunklen Notausgang. Und dort trifft man bestenfalls das Personal an.
sueddeutsche.de: Kann man denn ohne Sport abnehmen?
Bloss: Selbstverständlich. Der Königsweg lautet: Etwas weniger essen und etwas mehr bewegen. Wenn Sie 30 Minuten flott spazierengehen, baut der Körper 150 bis 200 Kilokalorien ab. Zusätzlich essen Sie 200 Kalorien weniger am Tag. Das geht ganz leicht - ohne Selbstkasteiung! Auf diese Weise nehmen Sie innerhalb eines Jahres 15 Kilogramm ab - und zwar Kilos, die nicht wiederkommen. Diäten bringen nichts.
sueddeutsche.de: Würden Sie den Satz unterschreiben "Sport ist Mord"?
Bloss: Ja, wenn wir vom einseitigen beziehungsweise Leistungssport sprechen. Es gibt zwei Welten des Sports: Die des Leitungssports, der dem Geldverdienen gilt und mit Showkampf und Doping einhergeht. Es kommt immer wieder vor, dass sowohl Freizeitsportler als auch Profisportler beim Trainieren tot umkippen, weil das Herz-Kreislauf-System überlastet ist. Oder aber sie leiden im Alter garantiert unter kaputten Gelenken. Der Mensch ist für intensiven Sport nicht gebaut. Wir wollen den anderen, den sanften Gesundheitssport - es soll um die Freude an der Bewegung und das spielerische Moment gehen. Leider werden heute ja schon die fünfjährigen Jungs beim Fußballspielen auf Leistung getrimmt - und verlieren später die Motivation.
sueddeutsche.de: Aber Tennisspielen mit dem Freund und Fußballspielen im Team kann doch auch Spaß machen. Kommt die soziale komponente des Sports in ihrem Konzept nicht zu kurz?
Bloss: Die bewusste Alltagsbewegung kann auch soziale Spielformen haben - fordern Sie Ihre Kollegen nach dem Essen zu einem kleinen gemeinsamen Spaziergang auf. Die Hausfrau kann sich am Abend zum gemeinsamen Spazierengehen oder auch Walking verabreden. Die Bewegung kann durchaus in sanften Gesundheitssport überleiten. Wichtig ist nur: Die Bewegung muss uns ein Leben lang begleiten, so wie das tägliche Zähneputzen. Und eben das tut Sport häufig nicht: Viele setzen sich mit 50 oder 60 sportlich "zur Ruhe" - weil sie den Körper durch exzessives Training ruiniert haben.
Hans und Isabel Bloss: Fit ohne Sport - Ihr Alltag ist Training genug. Droemer Knaur Verlag, 14,90 Euro.
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(sueddeutsche.de/)
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Grundsätzlich hat Prof. Bloss mit seinem Anliegen recht, mehr Sport in den Alltag zu integrieren und statt dem Aufzug, die Treppe zu benutzen. Es wird auch nicht jeder im Fitnessstudio schwitzen, beim Sportverein trainieren oder mit 40 Marathonläufer werden wollen. Sport kann auch schaden, sofern Untrainierte oder Erkrankte versuchen, olympische Rekorde zu brechen. Wer bewusst Sport treibt, lässt sich periodisch vom Hausarzt oder Sportmediziner checken, trainiert regelmäßig unter Anleitung, wobei der Schwerpunkt auf Ausdauer (am Besten täglich 30 Minuten) und dann erst auf Kraft (2 3 mal wöchentlich) liegen sollte. Bewusst und gesund zu leben, heißt auch gesunde Ernährung (weniger gesättigtes Fett, Zucker, Alkohol und rotes Fleisch) sowie Entspannung (nach dem Sport mind. 10 Minuten dehnen, Sauna, Massage und ausreichend tief und fest schlafen).
Ob aber nach Lektüre des Buches bei der Zielgruppe der Nichtsportler ein kollektiver Bewusstseinswandel eintritt, darf an Hand des Interviews bereits bezweifelt werden. Den Bierkasten jetzt die Treppe hochzutragen reicht eben nicht aus. Dazu gehört auch ihn hochzuheben und wieder abzusetzen und das rückengerecht. D.h. auch der bisherige Nichtsportler sollte regelmäßig zu mindestens ein Präventionsprogramm besuchen, wo er lernt Sport in seinen so stressigen Alltag einzubauen. Aber dies wäre lt. Herrn Bloss schon wieder etwas für Privilegierte oder?
Der Autor (ich) ist 40 Jahre, Vater von 3 Kindern, hat eine 40 Stunden Woche, 2 Ehrenämter, fährt regelmäßig mit der Rad zur Arbeit (18 km am Tag inkl. Bergwertung), trainiert 2 mal wöchentlich im Fitnessstudio, kleingärtnert und lernt Klavier. Dafür beschränkt sich sein Fernsehkonsum meist nur auf die Tagesschau. Er liest dann eher ein gutes Buch und versucht sich gesund zu ernähren.
Dies geht natürlich nur mit etwas Disziplin und Überwindung des gerade abendlich auftauchenden Schweinehundes. Ich empfinde dabei keinen zusätzlichen Stress oder Leistungsdruck. Vielmehr freue ich mich auf das gute Gefühl nach dem Sport, wenn mein Gehirn mich Endorphinen belohnt. (Alltags)sport ist nicht Mord, sofern und hier gebe ich wieder Prof. Bloss recht man den oben beschriebenen Trias aus regelmäßiger, bewusster Bewegung, gesunder Ernährung und tiefer Entspannung beachtet. Es ist wirklich einfach und die mit 40 + anstehenden Leiden und Zipperlein auch Zivilisationskrankheiten genannt, bleiben zu mindestens bisher aus.
@DigiFan
"Das geht bei einfachen Dingen wie der Frage los, ob ich zum Metzger 500m weiter unbedingt mit dem Auto fahren muss."
Na ja, der Metzger liegt in einer Einkaufsstraße. Die Geschäfte an solchen Straßen liegen in der Regel zu beiden Seiten einer pausen- und lückenlos sich dahinwälzenden Reihe von Blechcontainern, die auf 4 Rädern montiert sind und nicht nur Lärm machen, sonder hinten auch noch so ein Loch haben, aus dem sie den Dreck ausstoßen, den sie beim Vorwärtsrollen produzieren.
In diese Schlange kann ich mich einreihen, Fenster schließen, Lüftung abstellen, Radio an, und dann bin ich in meiner ganz eigenen Welt. "Eigenraum", nennen das die Soziologen, und stufen es als zivilisatorischen Luxus ein. Die unablässigen Fürze, die mein Auspuff dabei hinter sich lässt, interessieren mich nicht.
Der Metzger hat sicher auch noch Kundenparkplätze hinter dem Haus, und abgesehen von einigen Momenten an der Ladentheke, komme ich mir hinterher so vor, als wäre ich beinahe gar nicht aus dem Haus gegangen. Alles paletti.
Gehe ich den Kilometer Hin- und Rückweg durch die Einkaufsstraße zu Fuß, habe ich hinterher das Gefühl, als hätte ich eine halbe Schachtel Zigaretten geraucht.
Ich kann mir also aussuchen, ob ich etwas für meine Gelenke, oder für meine Lunge tun möchte.
Aber das ist vermutlich auch ein zivilisatorischer Luxus.
http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_549_sport-sch-tzt-vor-arthrose.html
lesen - und sich ne zweite meinung einholen...
aus eigener erfahrung.. bloss redet in mienen augen unsinn.. ohen sport - knieprobleme - nahc gezeiletem aufbau ist auch ein marathon problemlos möglich...
und dank pilates auch nach einem schweren bandscheibenvorfall keine weiteren probleme im rücken... dafür aber gezielt gestärkte tiefe muskulatur, die alles schön stabilisiert -
ist auch Sport. Da purtzeln nur so die Pfunde!
Wie schon gesagt, wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe. Natürlich gibt es nicht den ultimativen Vorschlag, der für alle gilt. Wer 80km pendelt, kann beispielsweise kaum mit dem Rad in die Arbeit fahren.
Ich bin ja auch kein Freund von Leistungssport. Aber etwas mehr Bewegung würde den meisten gut tun. Dabei geht es eben nicht darum, dreimal die Woche zwei Stunden zum Fitness zu verschwinden, jeden Abend 90 Minuten zu joggen usw.
Es geht einfach darum, dass man anfängt, sich zu überlegen, wie man selbst etwas mehr Bewegung in das Leben einbauen kann. Das geht bei einfachen Dingen wie der Frage los, ob ich zum Metzger 500m weiter unbedingt mit dem Auto fahren muss. Lassen sich kleine Besorgungen zu Fuß oder mit dem Rad erledigen? Gehe ich von mir aus einmal pro Woche schwimmen? Usw. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Es geht einfach darum, zu beginnen.
Wenn es etwas Zeit erfordert, dann werden die meisten auch diese Zeit haben, wenn man will. Für Dinge wie Shopping, Fernsehen, Ausgehen ist ja auch bei vielen mehr als genügend Zeit vorhanden.
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