Von Marlies Michaelis

Die Liste mit Anklagepunkten gegen Feinstaub ist bereits lang. Nun legen deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler noch einmal nach - und fordern Taten.

Noch ist die Umweltzone in deutschen Innenstädten nicht in Sicht. Dafür gibt es fast im Wochentakt neue Meldungen über die Schädlichkeit des Feinstaubs. US-amerikanische Wissenschaftler berichten nun im Fachmagazin Genome Biology (doi:10.1186/gb-2007-8-7-r149), dass die Luftverschmutzung mit kleinen und kleinsten Partikeln bei Menschen mit hohem LDL-Cholesterinspiegel besonders gefährlich ist.

Vorsicht, Gesundheitsrisiko Feinstaub. (© Foto: ddp)

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Und gemäß dem Bericht von Joachim Heinrich vom GSF hat man nun auch Gewissheit, dass Feinstaub Asthma- und Heuschnupfengefahr bei Kindern erhöht.

Zahlreiche Studien haben schon belegt, dass eine starke Belastung mit Feinstaub Arterienverkalkung fördert. André Nel und seine Kollegen von der University of California haben nun einen der Mechanismen entdeckt, wie die feinen Partikel aus der eingeatmeten Luft eine Blockade der Versorgungswege fördert und diese Wirkung noch vom LDL-Cholesterin verstärkt wird.

Was die Arterien schädigt, sind freie Radikale, die vom Feinstaub in den Körper eingeschleppt werden und auch Produkt des Stoffwechsels vom LDL-Cholesterin in der Zelle sind. Die freien Radikale lösen dann Entzündungsprozesse in den Arterien aus, welche zu einer Verkalkung führen.

"Wir sahen, dass die Diesel-Partikel und oxidierten Fette als Tandem arbeiteten und die Gene aktivierten, welche Entzündungsprozesse auslösen - ein Hauptrisikofaktor für Arteriosklerose", so Jesus Araujo, einer der beteiligten Forscher.

Die Wissenschaftler verfolgten diesen Prozess bei Mäusen und wollen nun versuchen, mit den gewonnenen Erkenntnissen einen Biomarker zu entwickeln. "Wenn ein Biomarker entwickelt ist, benötigen wir nur noch eine Blutprobe um die spezielle Belastung einer Person zu ermitteln und um zu entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist", so Araujo.

Nicht nur negativ für die Lungenfunktion

Dass sich Feinstaub nicht nur negativ auf die Lungenfunktion von Kindern auswirkt sondern auch ihr Risiko, an Asthma und Heuschnupfen zu erkranken, erhöht, berichtete Joachim Heinrich vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) auf einer Fachtagung der GSF in Frankfurt am Main. Bisher sei die Evidenz für allergische Erkrankungen nicht sehr stark gewesen, so Heinrich. Doch dank neuerer Modelle habe man jetzt auch hier eine Bestätigung.

Die Liste mit Anklagepunkten gegen den Feinstaub ist lang: Denn die vom Feinstaub verstärkte Arterienverkalkung erhöht die Herzinfarkt- und Schlaganfall-Gefahr und führt so gerade bei älteren Menschen zu einer verkürzten Lebenserwartung. Bei den Neugeborenen, das hatte eine vor kurzem veröffentlichte Studie des GSF gezeigt, kann der feine Staub zu einem geringeren Geburtsgewicht führen.

Und bei Kindern begünstigt er Atemwegserkrankungen wie Mittelohrentzündungen und gemäß neueren Ergebnissen auch Allergien der Atemwege. Zudem schränkt eine hohe Feinstaubbelastung das Lungenwachstum von Kindern ein.

Eindeutig ist daher auch das Urteil der Wissenschaftler: "Wenn sich die Luft verbessert, dann verbessert sich die Funktion der Atemwege und der Lunge bei Kindern", so Heinrich vom GSF. Und Ke Wie Gong von der University of California meint: "Unsere Ergebnisse betonen die Bedeutung der Kontrolle von Luftverschmutzung als ein wichtiges Instrument um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen."

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(Quelle: www.medical-tribune.de)