Schlacken? "Im Stoffwechsel des Menschen fallen keine Schlackenstoffe an. Der Organismus scheidet Endprodukte des Stoffwechsels über Niere, Darm, Lunge oder Haut aus'', teilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lapidar mit. Schlacken sind allenfalls im Bergbau zu finden. ,,Der Glaube an Entgiftung oder Entschlackung ist ein absolutes Steinzeitkonzept", sagt Martin Reincke, Chefarzt der Inneren Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Die einzige Entschlackung, die medizinisch zu empfehlen ist, müsste im Kopf stattfinden - das heißt, sich von dieser Vorstellung zu lösen."
Anzeige
Fasten? Obwohl es seit Jahrtausenden von vielen Religionen propagiert wird, um sich von Sünden zu reinigen oder auf den Tod vorzubereiten, ist das Fasten keinesfalls so harmlos, wie es klingt. Wenn während des Fastens weiterhin wichtige Nahrungsbestandteile zugeführt werden, sind die Risiken zwar ziemlich gering. Totales Fasten kann jedoch gefährlich werden: Die Nieren sind dann stärker belastet und Nierensteine bilden sich schneller. Es kann leichter zu Kreislaufstörungen, Herzrhythmusstörungen und Schwindel kommen.
Kreislaufstörungen und Schwindelgefühle
Wer zuvor schon erhöhte Harnsäurewerte im Blut aufweist, kann durch Fasten einen akuten Gichtanfall auslösen. Unterzuckerungen treten häufiger auf, die sich als Zittern, Schwitzen oder Unruhe zeigen. Muskelkrämpfe, Sehstörungen und ein Hexenschuss sind bei komplettem Nahrungsentzug ebenfalls häufiger. Bei hohen Eiweißverlusten während der ersten Fastentage ist sogar der Herzmuskel in Gefahr. Aus diesen Gründen kann totales Fasten von Medizinern nicht empfohlen werden. "Wenn zu lange gefastet wird oder Kinder, Kranke und Normalgewichtige fasten, kann der Angriff auf die Energiereserven gefährlich werden. Auch bei kurzzeitigem Fasten können Probleme auftreten", warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Mundgeruch ist da noch die geringste Nebenwirkung.
Auch zur Diät taugen Fastenkuren nicht, jedenfalls nicht auf Dauer - im Gegenteil. "Fasten ist nicht geeignet, um langfristig Gewicht zu verlieren", sagt Internist und Ernährungsexperte Reincke. "Es hat sogar eine ungünstige Wirkung, denn der Jojo-Effekt wird verstärkt. Die starke Gegenregulation des Körpers auf die plötzliche Nahrungskarenz führt dazu, dass die Kilos schneller wieder drauf sind." Evolutionär ist es schließlich sinnvoll, schnell wieder Energiereserven anzulegen, wenn nach langen Zeiten des Darbens endlich wieder Nahrung zur Verfügung steht. Wer abspecken will, sollte daher alles andere als fasten.
Was bleibt? Natürlich gibt es Menschen, die sich während oder nach einer Entgiftungs- oder Fastenkur leichter, reiner und befreiter fühlen. Das liegt dann aber vermutlich eher an den Heilserwartungen, die Fastenfreunde hegen. Wer sich besser fühlen will, fühlt sich oft auch besser. Womöglich sind auch profane medizinische Mechanismen die Ursache für den Endorphinkick: Die Überträgerstoffe, die gute Stimmung auslösen, zirkulieren länger im Gehirn, weil sich während des Fastens weniger Substanzen bilden, die sie abbauen. Womöglich kommt es durch die Radikalkur auch zu Kreislaufstörungen und Schwindelgefühlen. Eine eingeschränkte Gehirndurchblutung kann schon mal euphorische Gefühle auslösen.
Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3
- Thema
- Komplementärmedizin RSS
- Nahrung als Heilmittel Falsche Früchtchen 14.04.2011
- Schlaf-Irrtümer Lieber ein Idiot als übermüdet 16.04.2011
- Warum Entschlacken Unsinn ist Mythos Entgiften 02.01.2012
- Alternativmedizin Globulisierung des Kreißsaals 23.11.2011
(SZ vom 23./24./25. April 2011/woja)
Partyzone Flußufer
Hihi - Fasten führt also zu Hirnleiden...
werde diesen Beitrag ausdrucken und bei Gelegenheit einfach meinen Wellness-Gläubigen Freunden/Bekannten zur Lektüre vorlegen. Was haben wir schon gestritten, wenn es darum ging, ob oder ob nicht Schlacken im Körper eingelagert werden...Und selbst wenn, würde ich sie mit fasten ja wieder aus dem Körperfett gelöst und erneut im Organismus freigesetzt werden.
Witzigerweise führt man solche Diskussionen nicht selten mit Leuten, die es nicht ertragen können, dass man nach dem dritten Bierchen dankend ablehnt, weil man genug hat oder den Tequilla erst gänzlich verschmäht.