Von Verena Stehle

Die Fashion Week New York geht mit der Zeit - weniger Schauen, Gäste, Partys. Die Branche der reichen Designer und dünnen Mädchen speckt ab.

"Marc Jacobs Slashes Invitees": Diese kleine Schreckensmeldung huschte unlängst über Hunderte Blackberrys, verschickt vom amerikanischen Textilbranchenblatt WWD.

bryant park fashion week new york

Im Fashion-Week-Zelt am Bryant Park herrscht Katerstimmung (© Foto: Reuters)

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Marc Jacobs, der Modegott, kürzt also die Gästeliste seiner anstehenden Show; und es ist wohl eine Ironie des Schicksals, dass to slash übersetzt nicht nur "drastisch kürzen" heißt, sondern auch "aufschlitzen".

In der Tat nämlich richtet der Börsencrash seit einigen Wochen im New Yorker Mode-Mikrokosmos ein respektables Massaker an: Stellen werden gekürzt (bei Macy's 7000), Filialen geschlossen (Brooks Brothers auf der Fifth Avenue), bei ganzen Newcomerlabels die Rollläden runtergelassen (Obedient Sons & Daughters). Und dann sind da noch die Auswirkungen auf die Modewoche, die am unglücklichen Freitag, dem dreizehnten, startete und acht Tage dauert.

Vor zwei Wochen, bei den Schauen in Paris, hielt Karl Lagerfeld Reporter mit Rezessions-Tipps wie folgendem bei Laune: "Man muss das Geld aus dem Fenster werfen, damit es durch die Haustür wieder reinkommt." Lagerfelds Art der Krisenbewältigung werden nur wenige US-Designern beherzigen können.

Feiern mit billigen Promis

Die etablierten Häuser - Carolina Herrera, Diane von Furstenberg, Ralph Lauren, Michael Kors - zeigen ihre Herbst/Winter -Schauen 09/10 in den legendären Zelten im Manhattaner Bryant Park.

Aber eben nicht mehr alle: Donna Karan wird ihre Kollektion und die der jüngeren Linie DKNY im Atelier ihres verstorbenen Mannes, Stephen Weiss, präsentieren. Auch Brautmodenmacherin Vera Wang wird die Chose in ihren Laden in der Mercer Street umverlegen. Dem Blatt WWD erklärte Wang: "Das soll nicht ignorant wirken, aber die Intimität einer kleineren Modenschau erscheint mir passender für Zeiten wie diese."

Ihre Kollegin Carmen Marc Valvo brachte es auf den Punkt: Sie wolle einen billigeren Weg finden, als, wie üblich, 150.000 US-Dollar oder mehr für eine Show auszugeben, die im Normalfall nicht länger dauert als zwei Zigarettenlängen. Der Blog des New York Magazine hat mittlerweile für News, welche die Designerwanderung betreffen, eine eigene Rubrik angelegt: De-Tenting, "abzelten".

Marc Jacobs campt nicht im Bryant Park. Seine neue Kollektion wird er am 16. Februar im historischen 69th Regiment Armory präsentieren. Um die Jobs seiner Angestellten zu sichern, spart er an Glamour. Nicht nur 1300 Gäste weniger sind eingeladen, auch seine Front-Row-Darlings sind ihm gerade mehr teuer als lieb.

Laut seinem langjährigen Geschäftspartner Robert Duffy kommen vielleicht ein, zwei - wir schätzen mal, dass Winona Ryder billiger ist als Victoria Beckham. Außerdem hat er die Aftershow-Party abgesagt, wie Alexander Wang und Calvin Klein. Was gibt's auch schon zu feiern?

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