Familienreport 2012 Mehr Akademikerinnen bekommen wieder Kinder

Kinderlose Uni-Absolventinnen waren ein Sinnbild des demografischen Wandels. Jetzt bekommen diese Frauen wieder Kinder - so steht es zumindest im Familienreport 2012. Zudem löst sich die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau weiter auf. Die Ergebnisse des Berichts im Überblick.

Einer der größten Trends in der deutschen Familienpolitik war die kinderlose Akademikerin. Doch diese Tendenz scheint sich umzukehren: Frauen mit Universitätsabschlüssen bekommen wieder Kinder - so steht es zumindest im Familienreport 2012. Der ist jetzt in Berlin von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorgestellt worden. Demnach holen immer häufiger Akademikerinnen ihren für die Karriere aufgeschobenen Kinderwunsch im Alter von über 30 Jahren nach.

Der Familienreport wird jährlich vom Bundesfamilienministerium herausgegeben und gibt auf 134 Seiten Auskunft über die Lage von Familien in Deutschland. Seit Jahren dokumentiert der Bericht, dass die traditionelle Rollenverteilung von Vätern und Müttern auf dem Rückzug ist und junge Familien heute eines ihrer Hauptprobleme darin sehen, Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren.

Die zentralen Punkte des Familienreports 2012 im Überblick:

  • Akademikerinnen bekommen wieder Kinder: Junge Frauen und Männer wünschen sich heute mindestens zwei Kinder. Nur jeder Vierte sieht Kinder noch als Hindernis für die eigene berufliche Entwicklung. Frauen, die nach 1970 geboren wurden, bekommen wieder mehr Kinder als die Frauen vor ihnen. Damit ist auch der jahrelange Anstieg der Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen gestoppt.
  • Geburtenrate: Die Geburtenrate wird sich voraussichtlich positiv entwickeln. Sie liegt aktuell bei 1,36 Kinder pro Frau. Beim zuletzt ausgewerteten Jahrgang bei den Frauen, die 1966 geboren sind, liegt sie mit 1,52 Kindern pro Frau schon etwas höher. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2011 662.685 Geburten. Das sind etwa 15.200 Geburten weniger als im Jahr 2010 und entspricht einer Abnahme von etwa 2,2 Prozent. Die Zahl der Lebendgeborenen nahm von 2010 auf 2011 um 2,2 Prozent ab - gleichzeitig sank die Zahl potenzieller Mütter um 1,6 Prozent. Von den 662.685 Neugeborenen 2011 waren knapp 50 Prozent Erstgeborene, 34 Prozent Zweitgeborene und 16 Prozent dritte und weitere Kinder. Dabei waren Mütter bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt 29,1 Jahre alt. In den alten Bundesländern waren Mütter mit 29,3 Jahren etwas älter als Mütter in den neuen Bundesländern mit 27,7 Jahren.
  • Ehe: Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland ist stabil, aber weiter rückläufig. Zudem bleiben die Paare länger zusammen als noch vor zehn Jahren. 2011 ließen sich demnach etwa 378 000 Paare trauen. Das war ein leichter Rückgang von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für zwei Drittel der Neugetrauten war es die erste Ehe. 16 Prozent waren vorher schon mindestens einmal verheiratet. Wegen der demografischen Entwicklung gibt es immer häufiger Ehen, die länger als 50 Jahre halten. Die Zahl der Ehescheidungen sind seit etwa 15 Jahren nahezu konstant. Auch nach Trennungen halten die meisten Menschen an den Werten des Familienzusammenhaltes fest.
  • Nichteheliche Kinder: 62 Prozent der in Ostdeutschland geborenen Kinder stammen aus einer Beziehung unverheirateter Eltern. Damit gehören die neuen Länder bei den nichtehelichen Geburten im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern. Nur in Island liegt die Zahl mit 65 Prozent noch höher.
  • Abtreibung in Deutschland: Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nimmt weiterhin ab. 108.860 Abtreibungen wurden im Jahr 2011 gemeldet, im Jahr zuvor waren es 1,4 Prozent mehr gewesen. Vor allem bei verheirateten Frauen sinkt laut Familienreport 2012 die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche seit 2000 deutlich.
  • Familienstrukturen: Fast die Hälfte der Kinder hat eine Schwester oder einen Bruder, jedes fünfte Kind hat zwei Geschwister. Nur ein Viertel der Kinder sind Einzelkinder. Der Anteil der Mehrkindfamilien in Deutschland ist seit der Wiedervereinigung nahezu unverändert geblieben.
  • Arbeitende Mütter: Immer mehr Mütter mit Kindern zwischen einem und drei Jahren gehen einem regelmäßigen Job nach. Die Erwerbstätigkeitszahlen der Mütter mit Kindern unter einem Jahr sind hingegen konstant niedrig.
  • Nachfrage nach Kita-Plätzen: Die Bundesregierung rechnet weiterhin mit einer geringeren Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kleinkinder als die Städte und Gemeinden. Dem Bericht zufolge suchen 40 Prozent der Eltern in Ballungsräumen einen Platz für ihr ein- oder zweijähriges Kind. Auf dem Land sind es 32 Prozent. Die Städte und Gemeinden rechnen demgegenüber damit, dass in den Ballungsgebieten 50 bis 60 Prozent der Eltern einen Platz brauchen.
  • Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz: Von August diesen Jahres an haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kleinkind. Dem Familienreport zufolge nehmen viele Eltern einen Ganztagsplatz für ihr Kleinkind in Anspruch, obwohl sie ihn nicht voll ausnutzen. Insgesamt hat jedes zweite der Kleinkinder, die überhaupt in eine Kita gehen, einen Ganztagsplatz. Nur elf Prozent der Eltern dieser Kinder nutzen aber die 35 Stunden Betreuungszeit voll aus. Der Bericht sieht den Hauptgrund für diesen Umstand darin, dass die Angebote nicht so flexibel sind wie die Eltern sie benötigen. Insgesamt beantragen ein Drittel der Eltern in Westdeutschland und drei Viertel der Eltern im Osten einen Ganztagsplatz, sofern sie ihr Kleinkind in Betreuung geben.
  • Unterstützung von Familien durch die Bundesregierung: Im Jahr 2010 - akutellere Zahlen liegen nicht vor - flossen 200,3 Milliarden Euro öffentliche Mittel zur Unterstützung von Familien. Die Summe umfasst Steuervorteile wie das Ehegattensplitting, Zahlungen wie das Kindergeld oder die Infrastruktur wie die Kinderbetreuung. Die familienbezogenen Leistungen machen dabei 125,5 Milliarden Euro aus, von denen 55,4 Milliarden Euro als Familienförderung im engeren Sinne und etwa 52,9 Milliarden Euro als weitgehend verfassungsrechtlich gebotener Familienlastenausgleich zu verstehen sind.