Als Lina zwölf war, bat sie ihren Vater Peter, er möge das mit seinem Lebensgefährten doch bitte nicht in ihrer Schule erzählen. Sie hatte Angst davor, wie ihre Klassenkameraden darauf reagieren würden, dass sie zwei Väter hat. Das könne er gut verstehen, sagt Bill heute, man müsse diesen Wunsch akzeptieren.
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"Die Kinder sollen schließlich nicht die Kämpfe ihrer Eltern ausfechten müssen." Lina hielt ihre Familienverhältnisse jedoch nicht besonders lange geheim. "Ein Jahr später lief sie bereits bei der Pride-Parade mit", sagt Bill mit dem ganzen Stolz eines Vaters. Die Pride-Parade ist der farbenfrohe Abschluss des jährlichen Schwulen- und Lesbenfestivals in Stockholm. Bill und Peter sind in der Schwulenszene aktiv und haben oft bei der Organisation des Festivals geholfen. Bei dem Umzug gehen traditionell auch heterosexuelle Angehörige mit, um ihre Unterstützung zu zeigen.
Lina hat ein gutes Verhältnis zu ihrem "Bonuspapa", wie die modernen Schweden Stiefväter nennen, weil "Stiefvater" auch in ihrer Sprache einen etwas negativen Klang hat. Als Lina neulich ihr Abitur feierte, da ging Bill hin, obwohl sein Mann, Linas leiblicher Vater, keine Zeit hatte. "Sie mag ihn ja sowieso viel lieber als mich", seufzt Peter. Er meint, das könnte daran liegen, dass Bill nicht besonders streng ist. Sein Lebensgefährte sei immer mehr so etwas wie ein Kumpel für Lina gewesen.
Die Veranda vor dem gelben Holzhaus ist mittlerweile voll besetzt. Peter steht in einem T-Shirt der Punkband Ramones am Grill und wendet das Fleisch. Das junge Pärchen, das auf der Insel das Lebensmittelgeschäft betreibt, ist mit seiner neugeborenen Tochter gekommen. Auch die vor kurzem eingezogene Familie aus dem Nachbarhaus ist da. Und eine alteingesessene Sippe ist ebenfalls zahlreich angerückt, von der Uroma bis zum Großenkel sitzen nun alle da und warten auf ihr Steak. Es ist nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, wer hier zu wem gehört. Aber das ist volkommen normal bei schwedischen Festen. Denn es gibt fast immer eine ganze Menge Bonuskinder, Bonusmütter, Bonusväter.
Schweden ist ein Land mit einer hohen Scheidungsrate. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1999 ergab, dass etwa ein Viertel aller 17-Jährigen die Trennung der Eltern miterlebt hat, fünf Prozent sind von Anfang an mit einem alleinerziehenden Elternteil aufgewachsen. Gleichzeitig ist die Geburtenrate im europäischen Vergleich relativ hoch, und die Ehe hat als gesellschaftliche Institution eine starke Stellung. Wer sich liebt, der heiratet meist auch irgendwann. Will man sich jedoch später wieder trennen, geht das unkompliziert und ohne Angabe von Gründen.
Die nahezu einzige Konstante in der bunten Vielfalt der schwedischen Beziehungen sind die Kinder. Egal ob lesbisch, schwul, geschieden oder Kernfamilie: Wenn es um den Nachwuchs geht, haben alle die gleichen Probleme und immer ein gemeinsames Gesprächsthema. Die Vater-Sorgen auf Runmarö werden zumindest am Tag nach der Gartenparty etwas gemildert, als das Telefon läutet. Peter hebt ab, Lina ist dran. "Wie, Spanien?" ruft er in den Hörer. "Ich dachte Türkei, du hast doch gesagt...Ach so." Peter schaut verdutzt zu Bill hinüber, schüttelt den Kopf und sagt: "Hast du das gewusst? Magaluf liegt gar nicht in der Türkei. Das ist auf Mallorca."
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(SZ vom 05.08.2008)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
nicht wundern über die roten Bewertungen ... wir sind hier schließlich in Bayern :)
Als ich in Berlin an einer Schule unterrichtete, erschien einmal eine mir noch nicht bekannte Frau zum Elternabend und begrüßt die Runde freundlich und offen mit den Worten "Hallo, ich bin die andere Mutter von ...". Das konnte sie tun, denn das Milieu war ein sehr tolarantes und absolut niemand nahm Anstoß daran, Sie wurde im Folgenden genau wie jedes andere Elternteil behandelt. Es gibt wirklich überhaupt keinen Grund, homosexuelle Partner aus Patchworkfamilien schlechter zu stellen. Einzig und allein ihre Beziehung zu den Kindern dürfte zählen.
Ich finde diesen Artikel so schön, dass ich jubeln möchte. Wie ich Vorurteile und Vorverurteilungen gleichgeschlechtlicher Paare hasse. Seit 15 Jahren lebe und arbeite ich in Moskau, da sind soclhe Vorurteile an der Tagesordnung, sogar der Oberbürgermeister macht da fleißig mit. Nur ungern fährt er zu Klaus Wowereit nach Berlin, hat wohl Berührungsängste. Alle, die immer so herumtönen, dass man die Schwulen... und so weiter, wünsche ich einen schwulen Sohn. Dann ändert sich das schlagartig!