Familien-Studie Arme Mütter

Jedes fünfte Kind wächst bei nur einem Elternteil auf - in neun von zehn Fällen bei der Mutter. Viele von ihnen arbeiten hart, dennoch muss jede Dritte mit weniger als 1100 Euro im Monat auskommen.

Von Daniela Kuhr

Fast jede dritte alleinerziehende Mutter muss monatlich mit weniger als 1100 Euro zurechtkommen. Das geht aus einer Studie des Statistischen Bundesamts zur Situation Alleinerziehender in Deutschland hervor. Sie beruht auf dem Mikrozensus 2009 und wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Bei dem Betrag handelt es sich um das Familien-Nettoeinkommen. Gehalt, Unterhaltszahlungen, Hartz-IV-Leistungen oder auch Kindergeld sind darin bereits mit enthalten.

"Die angespannte finanzielle Situation der Alleinerziehenden führt dazu, dass sie sich oft Dinge nicht leisten können, die für andere selbstverständlich sind", sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamt, bei der Vorstellung der Studie.

730.000 Menschen hatten die Statistiker im Mikrozensus 2009 befragt. Das Ergebnis: Alleine ein Kind zu erziehen, ist nach wie vor "Frauensache". In neun von zehn Fällen sei der alleinerziehende Elternteil die Mutter. Nur in jeder zehnten Ein-Eltern-Familie betreute der Vater das Kind oder die Kinder. Die finanzielle Situation der Väter unterscheidet sich dabei deutlich von der der Mütter. So muss nicht einmal jeder sechste alleinerziehende Vater - nämlich knapp 17 Prozent - mit weniger als 1100 Euro auskommen.

Auch in höheren Einkommensbereichen sieht es bei Vätern besser aus als bei Müttern. Über mehr als 2600 Euro monatlich verfügen gerade mal sieben Prozent der alleinerziehenden Mütter, aber 22 Prozent der alleinerziehenden Väter. Das Einkommen stehe in direktem Zusammenhang mit der Erwerbsbeteiligung der Betroffenen, stellte Egeler fest. Alleinerziehende Väter sind häufiger berufstätig, was wohl auch damit zusammenhängt, dass sie nur selten Kleinkinder betreuen, sondern meist für die Älteren verantwortlich sind. 36 Prozent der alleinerziehenden Väter betreuen Kinder im Alter zwischen 15 und 17 Jahren.

Bei den alleinerziehenden Müttern dagegen gestaltet sich die Situation schwieriger. Bei 31 Prozent von ihnen leben Kinder, die noch keine sechs Jahre alt sind. Je kleiner aber die Kinder, umso seltener gehen die Mütter arbeiten. Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter drei Jahren sind berufstätig. Sind die Kinder zwischen 15 und 17 Jahre alt, arbeiten dagegen bereits drei von vier alleinerziehenden Müttern (73 Prozent).

Insgesamt finanziert sich mehr als die Hälfte der alleinerziehenden Mütter, nämlich 58 Prozent, überwiegend aus der eigenen Erwerbstätigkeit. Für fast jede Dritte waren Leistungen aus Hartz IV oder Sozialhilfe die Haupteinkommensquelle. Unterhaltszahlungen von Angehörigen oder dem Vater der Kinder spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Keine vollen Stellen für Alleinerziehende

Vergleicht man die bloße Berufstätigkeit, so gehen fast genauso viele alleinerziehende Mütter arbeiten (nämlich 60 Prozent) wie Mütter, die in Paarbeziehungen leben (58 Prozent). Betrachtet man allerdings den Umfang der Berufstätigkeit, so zeigen sich deutliche Unterschiede: 42 Prozent der Alleinerziehenden arbeiten Vollzeit, während nur 27 Prozent der Mütter in Paarbeziehungen voll berufstätig sind. Es würden gern noch mehr Alleinerziehende in Vollzeit arbeiten: Jede fünfte gab an, sie sei nur deshalb in Teilzeit beschäftigt, weil sie keine volle Stelle finden konnte. Das traf nur auf neun Prozent der Mütter in Paarfamilien zu.

Insgesamt haben die Statistiker 1,6 Millionen Alleinerziehende in Deutschland gezählt. Das bedeutet: In jeder fünften Familie wachsen die Kinder mittlerweile mit nur einem Elternteil auf. 1996 - so weit reichen die Daten zurück - war nur jede siebte Familie alleinerziehend. Die Gründe, warum jemand seine Kinder allein erzieht, sind unterschiedlich. Im Westen Deutschlands sind knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden geschieden oder haben sich von ihrem Ehepartner getrennt. In Ostdeutschland dagegen ist mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden ledig.

Generell ist der Anteil der Ein-Eltern-Familien im Osten größer als im Westen. Die Statistiker beschränkten sich darauf, die Daten zu erheben und auszuwerten. Die Ursachen für die Entwicklung müssten Soziologen erklären, sagte Egeler. Er stellte jedoch fest: Das Familienbild habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. "Alleinerziehende gehören heute zum normalen Bild unserer Gesellschaft."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wies darauf hin, dass fast die Hälfte aller Ein-Eltern-Familien Leistungen aus Hartz IV beziehe, um über die Runden zu kommen. "Das Armutsrisiko bleibt somit für Alleinerziehende besonders groß", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Viele der arbeitslosen Alleinerziehenden würden gern arbeiten. Doch dafür müsse einiges getan werden. "Insbesondere in den westdeutschen Bundesländern mangelt es an ausreichenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten." Zudem fehlten existenzsichernde Jobs - besonders in Ostdeutschland.

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