Finnische Babybox Kind in der Kiste

Die offizielle finnische Babybox, hier der Inhalt des aktuellen Modells mit Stilleinlagen, Fieberthermometer und Kondomen.

(Foto: Annika Söderblom)

Die Finnen und ihre Babybox - das ist eine ganz alte Liebe. Jetzt gibt es Imitate der Kiste auch im Ausland zu kaufen.

Von Martin Zips

Meint es ein Land ganz besonders gut mit seinen Familien, so schenkt es ihnen gern mal was. Das Elterngeld zum Beispiel oder das Betreuungsgeld oder eine mit der Kinderzahl verlässlich wachsende Eigenheimzulage. Oder einen Kita-Platz. Kinder sind die Zukunft, da darf man sich als Land nicht lumpen lassen.

Finnland hat sich vor vielen Jahren mal das hier ausgedacht: Jede Frau, deren Schwangerschaft mindestens 154 Tage andauert und die bis zur Vollendung ihres vierten Schwangerschaftsmonats bei der Vorsorgeuntersuchung war, bekommt etwas. Sie darf wählen zwischen einem eher kleinen Familienzuschuss von etwa 140 Euro - oder einer großen original finnischen Babybox, gepackt von Mitarbeitern der staatlichen Sozialversicherung Kela.

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Eine Box voller Unisex-Produkte

Die staatliche Babybox ist weltweit einzigartig. Verteilt wird sie bereits seit 1937, in den ersten Jahren war sie nur für sozial bedürftige Frauen und ihre Kinder gedacht. Seit 1949 aber hat jede werdende Mutter in Finnland Anspruch auf das Paket. Nicht nur Sozialdemokraten sind davon begeistert.

In der Box, die man auch als Babybett nutzen kann, finden sich allerlei ökologisch produzierte Unisex-Produkte, Stoffwindeln zum Beispiel oder Söckchen aus Bambusfaser. Vorgestellt wird die jährlich sich nur geringfügig verändernde Äitiyspakkaus (Babyausstattung) immer auf der Lapsimessut, der zentralen Messe für Kinderprodukte in Helsinki. 95 Prozent der Finnen entschieden sich beim ersten Kind für die Box und gegen den Zuschuss.

Das könnte einerseits damit zusammenhängen, dass der Inhalt des Kartons mehr wert ist als 140 Euro. Zugleich scheinen die Finnen, ihre Geburtenrate liegt im oberen europäischen Drittel, ihre Äitiyspakkaus tatsächlich sehr zu lieben. Zumindest mehr als deutsche Eltern das ihnen von übereifrigen Firmen unaufgefordert zugesandte Windelbreisalbenwerbemüllpaket, für das sie den Kreißsaal gleich mit der Abholschlange vor dem Postschalter tauschen dürfen.

In Finnland bekommen Eltern von neugeborenen Kindern vom Staat eine Mutterschaftskiste - ein Startset mit allem, was in den ersten Lebensmonaten des Kindes benötigt wird.

(Foto: Annika Söderblom/kela)

Kondome gegen Märchen

Viele Finnen haben ihre ersten Nächte auch schon im Babybox-Karton verbracht. Das verbindet. Und spricht es nicht für die Fürsorge eines Staates, wenn der Vater in der Pappe außer Fäustlingen, einem Overall (zur Hälfte aus Einwegflaschen-Polyester) und einem Badethermometer auch sechs Kondome findet? Damit räumt Finnland endlich auf mit dem lästigen Märchen, eine Frau könne während ihrer Stillzeit nicht schwanger werden.

Jedenfalls ist die Begeisterung für das gut 50-teilige Care-Paket, welches jährlich mehr als 40 000 Mal verteilt wird, auch im Ausland gewaltig. Immer wieder versuchen Finnland-Fans, übers Internet an gebrauchte Original-Boxen zu kommen, vielleicht mitsamt einem Rest Brustwarzen-Pflege-Creme, die dort natürlich auch enthalten ist. Die finnische Sozialversicherungsbehörde aber verkauft die Box nicht, sie verschenkt sie nur.

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600 Euro für die Luxus-Babybox

Genau das hat Herrn Okkonen, Herrn Tiittanen und Herrn Danielsen jetzt dazu bewegt, ihre eigene "Finnish-Baby-Box" zu vertreiben. Ihr Set, betonen sie, sei mit dem staatlichen Paket lediglich verwandt, nicht identisch. Das merkt man schon am Preis, der mit 400 Euro für die Standard-Version und 600 Euro für die stylische Luxusversion für manche Familien eine finanzielle Herausforderung darstellen dürfte.

Immerhin, betonen die Väter aus Helsinki ("unsere Kinder haben auch schon drin geschlafen"), müsse der Interessent in Australien nicht befürchten, dass er die gleiche warme Winterjacke in der Schachtel finde, die Okkonen, Tiittanen und Danielsen in kältere Länder liefern. Auch in Großbritannien und den USA werden "Finnish Packages" genannte Imitate neuerdings zum Versand angeboten. Nur Kondome haben wir dort leider nicht gefunden.

Und wenn wir es Baby nennen?

Sie wünscht sich einen ausgefallenen Namen, ihm fallen nur absonderliche ein. Lieber abwarten, wie das Baby aussieht? Oder gleich aufschieben, bis es erwachsen ist? Von Violetta Simon mehr ...