Expertentipps zur Erziehung Motivieren für Schule und Ausbildung

Wer in der Schule nicht kontinuierlich lernt, verliert schnell den Anschluss. Doch Teenager sind oft mit der Lösung von Problemen beschäftigt, die nichts mit Mathematik zu tun haben.

(Foto: Mr. Nico / photocase.com)

Für Jugendliche gibt es etliche Dinge, die wichtiger sind als strebsames Lernen. Manche Teenager kapitulieren auch einfach vor dem Druck in der Schule. Bildungsforscherin Petra Buchwald erklärt, wie Eltern ihr Kind motivieren und einen Ausgleich zum Stress schaffen können.

Von Katja Schnitzler

Die Noten zählen schon für den Schulabschluss oder in der Berufsschule stehen wichtige Prüfungen an - doch der Nachwuchs hat alles andere im Kopf, als zu lernen. Petra Buchwald vom Bildungsinstitut der Universität Wuppertal weiß, wie Eltern Jugendlichen helfen können und wie schon Kinder lernen, am Ball zu bleiben.

SZ.de: Was ist der Grund, wenn Kinder und Jugendliche keine Lust mehr auf Schule haben?

Petra Buchwald: Das kann zum Beispiel an der Pubertät liegen. Um ihre Identität zu finden, müssen Jugendliche unabhängig von ihren Eltern werden, sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen. Das ist eine einschneidende Phase, mit der sich die jungen Menschen so intensiv auseinandersetzen müssen, dass für Pflichten oft wenig Raum bleibt. Teenager sind stark mit sich selbst beschäftigt - und mit dem anderen Geschlecht.

Und die Schule gehört für sie zur Erwachsenenwelt, von der sie sich distanzieren?

Genau, schließlich wurden sie in der Schule bislang stets von Erwachsenen dominiert, nun wollen sie selbst die Führung übernehmen. Doch der alte Spruch stimmt ja: Man lernt nicht für Schule oder Lehrer, sondern für sich selbst. Aber es ist ein weiter, beschwerlicher Weg zur Selbstverantwortung und -motivation.

Wie können Eltern ihren Kindern dabei helfen?

Es ist wirklich sehr wichtig, dass sie sich in die Lage der Jugendlichen hineinversetzen. Schließlich mussten wir diese Zeit alle schon mal durchmachen. Und trotz allen Rebellierens sind die Jugendlichen noch Kinder, die unsere Liebe, Fürsorge und Verständnis brauchen - was nicht bedeutet, keine Grenzen zu setzen. Es ist immens wichtig, mit dem Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Und da stellt sich die Frage, wie gut Eltern überhaupt kommunizieren können.

Reden sie an ihren Kindern vorbei?

Ja, es kommt häufig zu Missverständnissen. Viele wissen fast nichts über Kommunikation. Sie müssten sich mehr damit auseinandersetzen, wie sie mit ihren Kindern reden und wie das beim Kind ankommt: Wie würden sie sich selbst fühlen, wenn jemand so mit ihnen spricht?

Wie wirkt sich der Gesprächston konkret aus?

Wer zum Beispiel mit einer Wenn-dann-Drohung Gehorsam einfordert, wird noch mehr Revolte auslösen: "Wenn du nicht pünktlich da bist, dann kannst du das Ausgehen in den nächsten Wochen abschreiben!" Ganz anders wirkt es positiv formuliert: "Wenn du es hinbekommst, pünktlich da zu sein, habe ich kein Problem mit den nächsten Partys." Da sagt man inhaltlich fast dasselbe, aber mit einer ganz anderen Wirkung: Dieser Satz motiviert statt zu frustrieren. Leider wird Eltern eine gute Erziehung nicht gelehrt, so dass sie meist auf eigene Erfahrungen zurückgreifen - und das sind oft auch Gebote und Verbote. Es ist schwierig, von der eigenen Prägung Abstand zu nehmen.

Besonders wenn das Kind doch unpünktlich heimkommt und man aus Angst und Zorn falsch reagiert ...

Es ist schon positiv, wenn Eltern das hinterher merken und ihr eigenes Verhalten in Frage stellen. Dann können sie das eingestehen, sich entschuldigen und erklären, weshalb sie so aufgebracht waren. Da verlieren Mütter und Väter weder ihre Macht noch das Gesicht, sondern gewinnen an Souveränität. Und ihr Kind lernt dabei, wie man Gefühle ausdrücken kann.

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