Expertentipps zur Erziehung Bildschirmzeit statt Fernsehdauer

Gerade die ganz Kleinen im Kindergartenalter sollten ja entweder überhaupt noch nicht Fernsehen oder nur gemeinsam mit Erwachsenen. Wie lange müssen Eltern danebensitzen?

Ein Kind sollte wirklich, wenn überhaupt, erst mit vier, fünf Jahren erste Sendungen schauen. Obwohl manche Sendungen schon für Jüngere konzipiert sind, sollten kleine Geschwisterkinder nicht mit vor dem Fernseher hocken. Wichtig zu wissen ist auch, dass manche Filme zwar ab null Jahren freigegeben sind, aber auch Vorschulkindern noch Angst machen. Da sollten sich Eltern am Anfang beim ersten Fernsehen schon dazusetzen, bis sie merken, womit ihr Kind alleine klarkommt - und dann trotzdem immer mal wieder nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist. Übrigens können sich aus dem Fernsehkonsum Gesprächsmöglichkeiten ergeben: Wenn ein Kind im Kino war oder ein Buch gelesen hat, fragen die meisten Mütter und Väter auch nach, wie es war. Beim Fernsehen aber nur selten, dabei erzählen Kinder da ebenfalls sehr gerne.

Wie lange sollten Kinder überhaupt fernsehen?

Das kann man heute nicht mehr isoliert sehen. TV-Sendungen können Sie heute auch über den PC oder das Smartphone sehen. Dazu kommen Computerspiele und Internetkonsum. Daher sollten Eltern heute eher auf die Zeit achten, die sie selbst und auch die Kinder vor Bildschirmen verbringen. Dann kann ein über Achtjähriger selbst entscheiden, wie er zum Beispiel eine Stunde Bildschirmzeit einteilt: Wenn er länger am Computer hängenbleibt, reicht das Kontingent vielleicht nicht mehr für die Lieblingssendung. Das gibt Kindern Raum, auch mal geistig zur Ruhe zu kommen - etwas, das vor dem Bildschirm nicht möglich ist. Übrigens auch nicht für Erwachsene, obwohl diese glauben, vor dem Fernseher abschalten zu können.

Erwachsene verbringen ja durchaus auch viel Zeit vor Bildschirmen.

Eltern müssen schon kritisch überprüfen, was sie ihren Kindern vorleben: Müssen sie wirklich ans Telefon gehen, wenn es während des Abendessens klingelt? Und muss jede Mail gleich beantwortet werden? Das Leben geht auch weiter, wenn man nicht ständig erreichbar ist - und man hat mehr davon. Das merkt die ganze Familie, wenn sie zum Beispiel einen bildschirmfreien Samstag einführt. Das ist zwar erst mal anstrengend, aber dann erfindet man den Samstag neu, wenn nicht um Viertel nach acht "Wetten, dass..?" geschaut werden muss. Dann werden eben Spieleabende mit Freunden und deren Kindern organisiert. Oder man hat endlich wieder die Möglichkeit, sich zu langweilen und so zur Ruhe zu kommen. Das verlernen ja die meisten.

Als Experte für Kindermedien informiert Thomas Feibel Eltern auf seiner Webseite, in Vorträgen und als Autor von Fachbüchern, darunter "Kindheit 2.0 - So können Eltern Medienkompetenz vermitteln" oder "Crashkurs Kind und Fernsehen - Medienfit in 90 Minuten". Auf feibel.de beurteilt er nicht nur PC-Spiele für Kinder, sondern auch klassische Brettspiele. Er ist Mitinitiator des Kindersoftwarepreises "Tommi".

Wenn Kinder die ersten Sendungen im Fernsehen schauen, treffen Eltern auf alte Bekannte. Allerdings stellt sich schnell heraus: Biene Maja, Wickie & Co haben sich irgendwie sehr verändert. Die Erziehungs-Kolumne zum Thema.