Essay Das große Fremdeln

Illustration: Peter M. Hoffmann

Multikulturell interessiert, maximal tolerant und minimal voreingenommen: Das ist das Bild, das viele Deutsche von sich selbst haben. Warum tun wir uns trotzdem so schwer mit Menschen, die anders aussehen?

Von Evelyn Roll

"Ein fabelhaftes Deutsch sprechen Sie aber", sagte der gute alte Freund bald nach den Vorstellungsfloskeln zu der jungen Politikstudentin, die mit Kopftuch zum Essen gekommen war und die wir neben ihn gesetzt hatten, unter anderem, weil er auch Politikwissenschaftler ist.

Die anderen am Tisch stellten die Mundwinkel nach unten und blickten sich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

"Ihr Deutsch ist aber wirklich auch sehr gut", antwortete Aaliyah, großartigerweise ohne jede erkennbare Ironie.

Uwe merkte gar nichts und plauderte sich noch etwas ...