Wahrscheinlich müsste man die Ernährungswissenschaften abschaffen und die Menschen endlich in Ruhe essen lassen, worauf sie Lust haben. Denn die permanenten Empfehlungen, sich gesünder zu ernähren, machen die Menschen womöglich nur noch kränker.
Dies behaupten die Epidemiologen und Gesundheitswissenschaftler Paul Marantz, Elisabeth Bird und Michael Alderman vom Albert Einstein College of Medicine in New York im aktuellen American Journal of Preventive Medicine (online). "Viele Empfehlungen zur öffentlichen Gesundheitsvorsorge und gesunden Ernährung sind nicht wissenschaftlich fundiert", bemängeln die Autoren. "So lange man keine Beweise dafür hat, dass etwas schädlich oder nützlich ist, besteht der beste Ernährungsratschlag darin, keine Ernährungsratschläge zu befolgen."
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Schokolade? Na klar! (© Foto: ddp)
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In den USA werden seit den siebziger Jahren vom Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium Ernährungsrichtlinien veröffentlicht. In Deutschland und anderen Industrienationen gibt es ebenfalls zahlreiche Empfehlungen von Ministerien, Fachgesellschaften und anderen Institutionen, wie man gesünder isst.
Nach Ansicht der New Yorker Wissenschaftler haben sich die Ernährungsempfehlungen vor allem deswegen so verbreitet, weil sie - wenn sie vielleicht auch nichts nützen - nach allgemeiner Einschätzung wenigstens nicht schaden. "Das ist ein Irrtum", sagt Paul Marantz. "Denn ironischerweise scheint sich die Botschaft dieser Empfehlungen durchaus negativ auf unsere Gesundheit auszuwirken - sie ist für das epidemische Übergewicht in unserer Gesellschaft mitverantwortlich."
"Unkluge" Empfehlungen
Ein Beweis dafür, dass ihre Vermutung richtig ist, sei der ständig wiederholte Ratschlag, dass fettarme Ernährung gesünder sei, schreiben die Forscher. Seit den 1970er-Jahren war in den nationalen Richtlinien der USA immer wieder zu lesen, dass der Fettanteil in der Nahrung reduziert werden müsse, um länger und gesünder zu leben.
Im Jahr 2000 korrigierte sich das Komitee dann selbst und gab zu, dass die Empfehlungen "wohl unklug" waren. Die Low-Fat-Doktrin habe die Menschen glauben lassen, dass sie sich schon gesund ernähren, wenn sie nur auf fettarme Produkte achten. In der Folge sei der Kohlenhydratanteil in der Nahrung immer weiter gestiegen und die US-Amerikaner wie auch die Bewohner anderer Industrieländer wären immer dicker geworden - typische Krankheiten waren die Folge.
So leiden seit den siebziger Jahren immer mehr Menschen an Diabetes und Bluthochdruck, was mittelfristig auch wieder zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen würde.
Marantz, Bird und Aldermann beklagen, dass Ernährungsempfehlungen selten wissenschaftlich ausreichend belegt gewesen seien - und dass Ernährungsforscher oftmals wenig über das wissen, was sie zu untersuchen vorgeben.
Sie zitieren etwa aus der US-Richtlinie von 1990, wonach weniger als 30 Prozent der Kalorienmenge mit Fett bestritten werden sollten. Nach der Empfehlung folgt sofort die Einschränkung: "Es gibt unterschiedliche Einschätzungen darüber, welche Empfehlungen die richtigen sind, damit Amerikaner gesund bleiben."
"Es stimmt, die besten Ernährungsstudien sind methodisch nicht so gut wie Arzneistudien", sagt Ernährungsexperte Stephen Woolf von der Universität Richmond. "Doch statt die Ernährungsforschung zum Sündenbock für Übergewicht zu machen, sollten besser die wahren Ursachen angegangen werden, etwa Armut und ein ungesundes Umfeld."
Mitleid für die Forscher
Tatsächlich sind Ernährungsempfehlungen oft widersprüchlich. Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wird etwa dazu geraten, viel Obst und Gemüse zu essen, wie es etwa die "5 am Tag"-Kampagne propagiert. "Für konkrete Zufuhrempfehlungen oder Bedarfsangaben fehlen derzeit noch die wissenschaftlichen Grundlagen", ist jedoch ein paar Zeilen weiter zu lesen.
2005 hatten Ernährungsforscher eingestehen müssen, dass der behauptete Schutz vor manchen Krebserkrankungen durch Obst und Gemüse nicht so ausgeprägt sei, wie zuvor behauptet wurde. Es zeigte sich, dass Menschen die mehr Obst und Gemüse aßen, sich auch gesundheitsbewusster verhielten, sodass der Einfluss der Ernährung kaum abgeschätzt werden konnte.
Im November 2007 wurde bekannt, dass auch das "Idealgewicht" aus medizinischer Sicht Unsinn ist. Wer geringes bis mittleres Übergewicht auf die Waage bringt, lebt am längsten und gesündesten.
"Die Ernährungswissenschaften sind in einer bemitleidenswerten Lage", sagt Gerd Antes vom Deutschen Cochrane-Zentrum in Freiburg, das die Qualität wissenschaftlicher Untersuchungen bewertet. "Studien in diesem Bereich sind von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig. Deswegen gibt es immer wieder völlig widersprüchliche Ergebnisse in der Ernährungsforschung."
Zweimal ist er in Deutschland dem Tod entkommen: in Bergen-Belsen und in München. Der Geher Schaul Ladany gehörte 1972 zu Israels Olympiateam. Das ist jetzt 40 Jahre her, doch die Erinnerung folgt ihm auf Schritt und Tritt. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 23.01.2008)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Also ich sehe es so. Der Mensch hat eigentlich ein hervorragendes Regulationssystem, den Apetit. Wenn der Körper etwas benötigt, z.B. Zucker, dann gibt es den berühmten Heißhunger auf Schokolade.
Damit das aber funktioniert, müssen zwei Dinge gegeben sein: 1. Eine gesunde "Essausbildung" muss von den Elterrn gekommen sein. Das bedeutet, der Körper muss die notwendigen Lebensmittel und ihre Wirkung kennen gelernt haben und 2. Lebensmittel, die weder mit Aromen noch Geschmack(sverstärkern) vollgepumpt sind noch fettreduziert, Eiweißangereichert o.ä. sind.
Das Ganze gilt natürlich nur, wenn der Körper nicht schon völlig aus dem Gleichgewicht (Über- oder untergewicht) gebracht ist.
Ich das mal einer Diätologin erklärt, die war ganz entsetzt und meinte, das wäre Quatsch. Aus ihrer Sicht kann ich das verstehen, es würde sie ja arbeitslos machen....
"Terror der Gesundesser" = Journalismus.
"Nichtraucher-Hamas" = Verstoß gegen die AGB.
Grenzenlose Doppelmoral made by SZ. :D
"...dass man mit ausgewogener Ernährung, die auf den neuesten Erkenntnissen basiert, gegenüber einer Currywurst-Pommes Versorgung, einen deutlichen Zugewinn an körperlichen Wohlsein erzielt. ..."
Ja aber das ist doch die Crux!
Was genau sind denn bitteschön die "neuesten Erkenntnisse"?
Etwa die unbewiesenen Binsenweisheiten von Ernährungsberaterinnen / Ökotrophologinnen, denen wir es zu verdanken haben, dass wir und unsere Kinder heutzutage allgemein zu dick sind und trotzdem viel zu wenig ungesättigte Fettsäuren, dafür viel zuviel Kohlenhydrate zu sich nehmen?
Gut, dass ich mich nie auf allzu leicht dahergesagte Ernährungstrends verlassen habe, trotz anderslautender Ernährungstrend-Hypes weder am Salz noch am Frühstücksei gespart habe und auch gerne mal ein durchwachsenes saftiges Kotelette genieße, aber auch 2 Äpfel am Tag verputze und zum Abendbrot gerne mal rohe Möhren und Kohlrabi sowie Salat auf dem Tisch steht.
Meine Cholesterinwerte sind sensationell niedrig und mein Gewicht ist ideal. Meine Muskeln sind dank genügend Eiweiß, gesunden fetten und Sport gut entwickelt und insgesamt bin ich froh, dass ich altkluge, Kohlehydratlastige Ernährungsratschläge, die oft genug jeder Logik entbehren, ignoriert habe.
Übergewichtige neigen genauso wie Raucher dazu, die Wirklichkeit zu verdrängen.
Da kommt es gerade recht, dass sich herausstellt, dass nicht alles, was Ernährungswissenschaftler sagen, richtig war/ist. Das muss gleich als Grund herhalten um sagen zu können: "Eh alles Quatsch, ich kann mich ernähren wie ich will, ich kann meine Gesundheit sowieso nicht beeinflussen. Wenn man Sport macht, kriegt man nur kaputte Gelenke, also ist Sport ungesund."
Tatsache bleibt aber, das ungesunde Ernährung und Bewegungsarmut für eine Vielzahl von Zivilisationskrankheiten verantwortlich sind.
Der Mensch ist auf Bewegung hin konstruiert, das haben wissenschaftliche Studien eindeutig belegt. Wer natürlich mit Bierbauch, nach Jahren der Bewegungslosigkeit gleich anfängt Marathon zu laufen, wird höchstwahrscheinlich Probleme kriegen.
Wenn man Sport in vernünftigen Maßen betreibt, erhöht es die Lebensqualität aber ganz beträchtlich. Physisch, wie psychisch.
Genauso kann mir keiner erzählen, dass eine Ernährung, die auf Fast Food basiert, gesund ist. Auch hier haben Tests gezeigt, dass man mit ausgewogener Ernährung, die auf den neuesten Erkenntnissen basiert, gegenüber einer Currywurst-Pommes Versorgung, einen deutlichen Zugewinn an körperlichen Wohlsein erzielt.
So long...
Bei den Ernährungsforschern fällt es am schnellsten auf, weil ihre Folgerungen immer sehr persönliche Auswirkungen haben. Was gestern noch ein Muss war, wird heute bereits in Frage gestellt oder gar verteufelt. Was sollen all die vielen 'Forscher' auch sonst tun, als mit spektakulären Erkenntnissen aus der trüben Glaskugel selbstgefälschter Statistiken die staunende Umwelt zu beeindrucken und abzuzocken. Die Medien freut's und die Hersteller dubioser Ernährungs-Mittelchen auch.
Keine Panik! Jeder sollte das tun und lassen, was er für seine Gesundheit für richtig hält und was ihm sein gesunder Menschenverstand nicht verbietet.
Haben wir zu viele 'Akademiker' als Folge von zu viel Studenten und diese als Folge von zu viel Abiturienten?
Paging