Krebsauslösende Papillomaviren können in seltenen Fällen Mund und Rachen befallen. Experten fordern deshalb eine Impfung für Frauen und Männer.
Bei 72 von 100 Patienten mit so genannten oropharyngealen Tumoren im Mund-Rachen-Raum haben Forscher Viren in dem erkrankten Gewebe gefunden. Diese so genannten humanen Papillomaviren (HPV) sind bereits dafür bekannt, Gebärmutterhalskrebs bei Frauen auszulösen. Die Mediziner und Statistiker vermuten nun, dass die Viren beim Oralsex in den Mundraum gelangen.
Anzeige
Wer im Laufe seines Lebens Oralverkehr hat, steigert sein Risiko, an dieser Tumor-Art im Schlund zu erkranken um bis zu 3,8-fach, schreibt das Team im New England Journal of Medicine (Bd. 356, S. 1944, 2007). Bei Menschen, die keinen Oralsex haben, ist die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung dieser insgesamt seltenen Krebsart nicht erhöht. Menschen, die mit mehr als fünf Partnern oral verkehrten, tragen ein 8,6-fach erhöhtes Risiko für einen HPV-assoziierten Tumor im Mund.
In Deutschland erkranken schätzungsweise 13.000 Menschen pro Jahr an Krebs im Kopf-Hals-Bereich. Die oropharyngealen Tumore machen davon aber nur einen kleinen Teil aus, sagt Michael Pawlita vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, der die Methode entwickelt hat, mit der die Proben im Rahmen der aktuellen Studie untersucht worden sind. Die meisten Tumoren im Mund sind auf starkes Rauchen und hohen Alkoholkonsum zurückzuführen.
Lieber auf Alkohol und Zigaretten verzichten
Trotz der furchterregenden Zahlen müsse sich der Einzelne jedoch keine Sorgen machen, erklärt Maura Gillison von der Johns Hopkins University. Generell sei HPV-assoziierter Krebs im Mund sehr selten und die meisten Menschen, die sich oral mit dem Virus infizieren, würden keinen Tumor entwickeln. Wer sich vor Tumoren im Mund-Rachen-Raum schützen wolle, sollte eher auf Alkohol und Zigaretten verzichten, als auf Sex, sagt der Mediziner Pawlita.
Da die Zahl der Erkrankungen seit Anfang der 1970er Jahre in den USA stetig steige, sollten die Gesundheitsbehörden dennoch über flächendeckende Impfprogramme nachdenken, fordern die Autoren der Studie. Der seit vergangenem Jahr auch in Deutschland zugelassene HPV-Impfstoff, der Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll, könnte auch vor virus-verursachten Krebserkrankungen im Mund schützen.
Dazu müssten aber auch Männer vor den ersten Sexualkontakten geimpft werden. Wenn die Impfung vor oralen HPV-Infektionen genauso schützt wie vor Gebärmutterhalskrebs, dann werde die Zahl Krebsfälle sinken, sagt Maura Gillison.
Bislang ist eine Impfung in Deutschland nur für Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren empfohlen. "In den USA gibt es schon Bundesstaaten, die angesichts der steigenden Zahl der Erkrankung, eine Impfung für alle fordern", sagt Pawlita.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 11. Mai 2007)
von amerikanischer, religiös motivierter Doppeloral!
Bevor man im Falle von humanen Papilloma-Viren Mädchen und Frauen wahllos impft, können sich potentielle Sexualpartner (zwingend auch Männer) beispielsweise auf HIV, Papilloma-Viren, Herpes-Infektionen und ähnlichem untersuchen lassen. Oder anders gesagt: Wer sich gegen die übertragung von HIV schützt, schützt sich in der Regel auch gegen die übertragung anderer Viren. Übrigens könnte man genauso beim Impfen den Titer vorher bestimmen und somit unnötige Belastungen durch diesen immunologischen Eingriff vermeiden.
Klar, beim One-Night-Stand oder bei spontanen Gangbang-Orgien ist ein vorheriges Checken offensichtlich nicht so einfach. Aber es muss ja schließlich auch Mädels geben, die diese Impfung dringend benötigen. :-) (Achtung Sarkasmus).
Von Beschneidung des männlichen Glieds halte ich wenig.
Erstens ist es nicht Sache eines Erziehungsberechtigten eine derartige Körperverletzung bei Minderjährigen zu legitimieren/vorzunehmen - egal aus welchen Gründen. Und zweitens halte ich die Verstümmelung der Penisvorhaut für ebenso abscheulich, wie die weibliche Genitalverstümmelung. Menschenrechte und das Recht auf körperliche Unversehrtheit sind universal. Sie gelten auch - oder besonders - für hilf- und wehrlose Kinder.
Wenn erwachsene Männer sich diesem Eingriff unterziehen, ist das eine andere Sache.
Vielen Dank für die prompte Korrektur!
Leider ist es eine vielfach verbreitete Meinung, und das betrifft nicht nur den Gebärmutterhalskrebs, dass Frauen, die sich 'solche' Krankheiten zuziehen, selber Schuld sind. Zuletzt gelesen im offiziellen Beipackzettel zur Verhütungspille Yasmin der Fa. Schering, die darauf hinwies, dass sich das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, durch die Einnahme des Präparates erhöhen könnte, aber eine tatsächliche Erkrankung doch wohl eher auf den Lebenswandel der betreffenden Personen zurückzuführen sei.
Was bleibt da zu sagen? Nichts, außer: Bitte regen Sie eine engmaschige Vorsorge an. Diese schützt zwar nicht vor der Ansteckung, hilft aber, gerade diesen Krebs im nicht-invasiven Frühstadium, welches noch ausschließlich operativ behandelt werden kann, zu erkennen.
Vielen Dank!
42000 Fälle Korpus-Ca (G-Körper) zu 21000 (G-Hals)
"vorwiegend ein Problem des horizontalen Gewerbes" nehme ich zurück, ist für die Gegenwart deutlich zu scharf formuliert. Allerdings nehmen die Anzeichen wirklich deutlich zu, dass es sich - neben der Tatsache dass jeder humane Krebs multifaktoriell ist- tatsächlich in der Hauptsache um eine sexuell übertragbare Krankheit handelt, die durch bessere Hygiene (vor allem des Mannes), Beschneidung, und eben auch Verringerung der Anzahl der Sexualkontakte sowie durch rechtzeitiges Handeln nach einem verdächtigen Befund in der Vorsorge deutlich zurückdrängen lässt.
Das belegen auch eindrucksvoll die epidemiologischen Trends: früher war der Gebärmutter-Halskrebs in Deutschland 3-5 mal häufiger als der Gebärmutter-Körperkrebs. Letzterer hat sich in der Häufigkeit nicht sehr deutlich verändert; heute sind die Zahlen 42000 Fälle von Gebärmutter-Halskrebs (3. Platz in der Krebsstatistik) zu 21000 bezogen auf 100.000 Einwohner, also die Hälfte.
Nochmal - kein persönlichen Unterstellungen impliziert, wollte Sie nicht beleidigen
Paging