Einen Orden von der Queen
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Als die Mitglieder des "Britischen Vereins zur Erhaltung des Minirocks" 1966 vor der Londoner Filiale von Dior demonstrierten, war die Aufregung schon wieder halb verpufft. Wenig später trugen auch brave Hausfrauen Mini, das Kaufhaus Selfridges steckte seine Verkäuferinnen in Mini-Kleider, und der Film "Georgy Girl" mit Charlotte Rampling wurde mit dem Slogan "The wildest thing to hit the world since the mini-skirt" massentauglich beworben.
Das Establishment reagierte auf den Mini also wie auf alles Neue, das es nicht richtig in den Griff bekommt: Es verleibte ihn sich ein und machte ordentlich Kasse. Ende der Sechziger - aus Kalifornien wurden schon wieder die langen Walleröcke der Blumenkinder gemeldet - brachte es der enttäuschte John Lennon auf den Punkt: "Die ganze scheiß spießbürgerliche Szene ist immer noch dieselbe, außer dass ein paar Mittelklassekinder mit langen Haaren und trendy Klamotten durch London ziehen. Abgesehen davon, dass wir uns chic gemacht haben, ist nichts passiert."
Für Mary Quant galt das allerdings nicht. Sie bekam einen Orden von der Queen, lieferte ihre Minis an Stars wie Audrey Hepburn, Brigitte Bardot und Grace Kelly, sie behielt auch ihren charakteristischen Sixties-Bob von Vidal Sassoon, doch ihr Blick blieb stets nach vorn gerichtet.
In den Siebzigern begann sie, Accessoires, Wäsche und Kosmetik zu vermarkten - und wenn sie sich im Jahr 2000 auch aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat, so gehören ihr immer noch "Mary Quant"-Boutiquen in London, Paris, New York und Tokio. Was sie selbst am liebsten trage, wurde sie kürzlich mal gefragt. Die Antwort: "Hosen, T-Shirts und Jackett."
Die Frage nach der Rocklänge ist natürlich längst Anachronismus; bis hin zum Mikro-Mini hat die Verwertungskette alle nur denkbaren Varianten in die Regale von H&M gespült, weshalb einen die folgende Meldung fast nostalgisch werden lässt: Die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic lässt in einem TV-Spot gerade Hostessen in knallroten Uniformjacken und Miniröcken an gaffenden Passagieren vorbei stolzieren und hat sich damit 29 Sexismus-Beschwerden bei der staatlichen Werbeaufsicht eingehandelt. Die Chelsea Girls von damals hätten ihre helle Freude gehabt.
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(SZ vom 10.02.2009/mmk)
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