Von Sabine Buchwald

Klo putzen, Biokochdienst, Ausdiskutieren, Fördergelder beantragen: Warum Elterninitiativen Segen und Hölle zugleich sind.

Diese Stühle. Gemacht für die Kleinen und auch wirklich niedlich anzuschauen. Folterinstrumente aber sind sie für Erwachsene. Warum müssen Elternabende auch vier Stunden dauern? Schon nach zwei pizzelt der Hintern und die Knie sind blau geschlagen an der niedrigen Tischkante. Es hilft nichts, zum zehnten Mal aufzustehen, um seinen rosa Plastikbecher noch einmal mit Leitungswasser zu füllen.

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Wie süß: In der Eltern-Kita ist jedes Kind besonders, und alle zusammen sind eine große Familie. (© Foto: Alessandra Schellnegger)

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Nur Martin, der sich den Schaukelstuhl gekrallt hat, scheint noch munter diskutieren zu wollen. Alle anderen drängt es heim. So schnell wie möglich. Aber da stehen noch zwei Punkte auf der Tagesordnung: "Wir brauchen jemanden für den St.-Martins-Umzug. Wienerwürste kaufen, Punsch kochen, Lieder kopieren", sagt der Vorstand. Na gut, Hand hoch. Dann komme ich hier schneller raus. "Außerdem will die Suse nicht mehr länger Kloputzdienst machen." Ich ducke mich weg, binde mir die Schuhe. Das nicht auch noch. Anklagende Blicke von Klaus: "Hast du überhaupt schon einmal das Klo geputzt, Sabine?"

Die Diktatur der Mehrheit

Elterninitiativen sind ein Segen. Keine städtische Bürokratie, keine Kreuze an den Wänden, kleine Gruppen. Man liefert sein Kind nicht einfach ab, sondern bestimmt mit und packt an. Im besten Fall wachsen Eltern, Kinder und Erzieher zu einer großen bunten Familie zusammen.

Elterninitiativen sind die Hölle. Dieses ewige Gequatsche, alle haben sich lieb, duzen sich, niemand haut mal auf den Tisch. Hier herrscht die Diktatur der Mehrheit. Warum werde immer ich überstimmt, gerade in Fragen, die mir besonders wichtig sind? Ich will nicht, dass mein Kind eine Milchschnitte zum Nachtisch kriegt, wenn es seinen Teller aufgegessen hat. Und ich habe kein Erbarmen mit Erzieherinnen, die bei 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit nicht vor die Tür gehen mögen. Da bleibt nur runterschlucken und von der städtischen Einrichtung nebenan träumen, wo alles schon entschieden ist, bevor man ins Grübeln gerät.

Dabei war es schwer genug, diese Elterninitiative überhaupt zu finden. Monate hatten wir gesucht. Qual der Wahl in der großen Stadt. Entweder sind die Räume muffig oder die Erzieherinnen doof oder umgekehrt oder beides und das auch noch ohne Garten. Unsere Einrichtung hat schließlich vieles, was uns gefällt, sogar offene Türen nach neun Uhr morgens. Nur eine eigene Grünfläche nicht, was nur mit kleinen Kindern tragbar ist. Große Kinder brauchen Auslauf.

Das berüchtigte Casting vor allen Eltern bleibt uns erspart. Die Erzieherinnen mögen unsere Tochter, das reicht. Den Eltern ein paar Takte von sich erzählen, artig lächeln, während der Abstimmung vor die Tür gehen, fertig. Wir passen wohl zu der mittelständischen Kundschaft. Man traut uns zu, monatlich 200 Euro plus Musikunterricht plus Ausgaben für das Essen stemmen zu können.

Dann die erste Kochwoche. Gesund soll es sein und allen schmecken. Wie steht denn die Tochter da, wenn die Mutter schlecht kocht. Ich bin unsicher wie vor dem ersten Rendezvous. Alle abendlichen Verabredungen während dieser Zeit sind gestrichen. Ich klappere die Bioläden nach Angeboten ab, mit einem Merkzettel in der Tasche: Marc hat eine Paprikaallergie, Simon verträgt kein Weizenmehl, Lisa isst nur laktosefrei, und kein Schweinefleisch für Orhan. Was das Menü kostet, ist allein Sache des Kochs. Wie viele Spätzle verdrücken 20 Kinder und drei große Menschen? Ich verarbeite zwei Dutzend Eier und sechs Pfund Dinkelmehl.

Auf der nächsten Seite: Über abendfüllende Debatten über Erziehungsstile und darüber, warum man seinen Kollegen nie von seinem Engagement für die Initiative erzählen sollte.

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  1. Sie lesen jetzt Gut, dass wir drüber geredet haben
  2. Alle mal mit anpacken!
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