Wissen Sie noch, wie das war? Damals, als es noch kein Handy gab und man nicht ständig erreichbar sein musste. Jetzt wird schon eine Woche zur Qual.
Erinnern Sie sich noch? Lassen Sie sich Zeit, es ist schon lange her. Sollten Sie jünger sein als 20 Jahre, dann fangen Sie erst gar nicht an, im Gedächtnis zu suchen. Sie kennen das nicht. Es geht um eine Zeit, als sich in der Hosentasche kein vibrierendes und ständig klingelndes Ding befand.
Immer erreichbar, immer unter Strom: der moderne Mensch. (© Foto: Istock)
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Man kann sich kaum noch erinnern an diese Tage, an denen eine Verabredung in Stein gemeißelt war und nicht mit einem Anruf zehn Minuten vorher abgesagt wurde. An denen man einen Film im Kino ansehen konnte, ohne dass der Sitznachbar am Telefon diskutiert. Und an denen Familienväter während des Spaziergangs nicht Fußballergebnisse checken.
Freilich hört sich das arg kulturpessisimistisch an und auf der Früher-war-alles-besser-Welle surfend. Das soll es nicht sein. Das Handy ist eine sinnvolle Erfindung, es hat das Leben nicht nur erleichtert, sondern nicht selten sogar gerettet. Es hat den Menschen aber auch abhängig gemacht von diesem Gerät, das er stets bei sich trägt - oder die stilvoll schlimmere Variante: an sich -, als wäre es der Schatz aus "Der Herr der Ringe". Ein Funkloch provoziert Wutausbrüche, ein leerer Akku Angstzustände. Aber könnte man denn nicht eine Woche ohne den Gürtelschnallen-Beschwerer leben? Einfach so?
Der erste Tag ohne Handy kommt einem vor wie ein Urlaub am White Beach auf den Philippinen, während daheim die Fußball-Weltmeisterschaft tobt. Einerseits genießt man die Ruhe und Entspannung, andererseit hat man nicht nur das Gefühl, etwas zu verpassen - man weiß ganz sicher, dass man etwas verpasst. Am Nachmittag überlege ich, wer angerufen oder eine SMS geschrieben haben könnte. Da ich keinen Festnetzanschluss habe, muss ich zur Telefonzelle - ja, diese Dinger gibt es tatsächlich noch - am Ende der Straße, um mich mit einem Freund zu verabreden. "Aber sicher um Punkt acht", brülle ich ins Telefon. "Ich bin nicht mehr zu erreichen." Er kam 15 Minuten zu spät.
Nach drei handylosen Tagen werden die Angstzustände größer. Was, wenn jemand angerufen hat und mir das Jobangebot meines Lebens machen wollte? Vielleicht hat sich die Radiostation gemeldet und will mich am 100.000-Euro-Gewinnspiel teilnehmen lassen, ich muss allerdings sofort zurückrufen. Ich beruhige mich damit, dass die Wahrscheinlichkeit dieser Anrufe ungefähr so hoch liegen wie der Einschlag eines Blitzes in meinen Kopf. Dennoch: Es ist so beunruhigend wie ein Computerspiel, dessen Highscore sich einfach nicht knacken lässt.
Dafür wird man in der handylosen Zeit disziplinierter und freundlicher. Ich komme pünktlich zu Verabredungen. Ich rufe niemanden nach 22 Uhr an. Ich schicke keine unpersönliche Grußformel-SMS zum Geburtstag, sondern schicke eine handgeschriebene Karte oder erscheine gar persönlich mit einem Geschenk in der Hand.
Irgendwann verschwand auch dieses unangenehme Gefühl beim Joggen am Abend. Wenn jetzt etwas passiert, dachte ich mir am Anfang des Projekts, dann kann ich niemanden anrufen und werde hier elendiglich verrecken. Irgendwann wurde mir klar: Was soll schon passieren? Und wenn beim Joggen etwas geklaut wird, dann doch wohl zuerst das Handy. Ich lief und kam wohlbehalten zu Hause an.
Ein psychedelisches Konzert
Erst nach sechs Tagen stellt sich eine Ruhe ein, als hätte ich den Nanga Parbat bestiegen und würde nun hinüberschauen auf die anderen Berge des Himalaya. Wer mich erreichen will, der schafft es schon irgendwie. Und ich habe mir angewöhnt, andere Menschen per Telefon nur dann zu belästigen, wenn es wirklich sein muss.
Als ich das Handy wieder einschaltete, gab es ein psychedelisches Konzert, auf das Jean-Michel Jarre stolz gewesen wäre. 79 entgangene Anrufe, 18 Ansagen auf dem Anrufbeantworter und 85 nicht erhaltene Kurzmitteilungen. Ich ging die Liste durch: kein tolles Jobangebot, kein 100.000 Euro-Gewinnspiel. Einer brachte es sogar fertig, folgende Nachricht auf der Mailbox zu hinterlassen: "Hey, ich erreiche dich nicht. Na ja vielleicht, ach weißt du was: Ich komme schnell bei dir vorbei. Bis gleich." Noch eine Bilanz: Keiner der Anrufer oder SMS-Schreiber hat sich beschwert, dass ich nicht geantwortet habe. Ich habe nichts verpasst.
Dennoch bin ich froh, dass da nun wieder ein Gerät in meiner Jackentasche steckt, durch das ich erreichbar sein kann, im Notfall Hilfe holen kann und auch jederzeit Fußballergebnisse abrufen kann. Das Wichtigste dabei: Kann. Nicht muss.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/bilu)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Ja wo bleibt denn der schon lange erwartete Beitrag: "Eine Woche ohne SZ" ? Diese Loslösung man doch auch von oben oder unten, hinten oder vorne betrachten !
Hi Männer,
In meiner Studienzeit eine dreimonatige Tätigkeit als Datentypist für den Physiker (einen Dr. Dr. ) der für einen grossen Deutschen Mobilfunkhersteller in der Öffentlichkeitsarbeit belegt, dass elektromagnetische Strahlen und Wellen nicht gesundheitsschädlich sind. Dass er hier wissentlich Unwahrheiten proklamiert begründete er mir gegenüber mit "Wissen Sie ich habe vier Kinder und das Haus gehört der Bank"
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Einblick in die kompletten Unterlagen um diese mit Suchbegriffen in einer kleinen Datenbank zu archivieren.
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Habe kein Handy
......
Habe den neutralen Blick und viele Handynutzer tun mir oft sehr leid.
Wusstet Ihr, dass "Kommunikation" u.a. aus Körpersprache besteht?
Werbetexter von Mobilfunkanbietern werben damit "Kommunikation" zu fördern.
Ist eine nette Verhöhnung.
Handyanbieter gehen über Leichen - das ist Fakt - und wenn es ein Risiko für die Gesundheit gibt, ..... weswegen haben wir dann neun Mobilfunknetze? Eines würde doch sehr gut reichen?
Grüsst
der t.
vor einigen wochen - die bayern waren noch 10. oder 11. in der liga - bin ich in einen dermaßenen regenguß hineingeraten dass es nach wenigen sekunden eh schon wurscht war und ich einfach weitergeradelt bin. leider hatte ich meinen rucksack und seine wasserdurchlässigkeit nicht bedacht - lässig ist er (optisch) aber eben nicht wasserundurch. daheim, nach 30 minuten kampf durch die fluten, bemerkte ich die ungewohnte schwere im rücken. in meinem rucksack schwammen: meine digitalkamera, meine zigaretten und mein handy. klar, die zigaretten waren hinüber. die kamera hat noch ein paar tage gelebt. das handy war aber sowas von futsch. das kam mir grad recht. weil: diese klingedinger sind mir irgendwie unheimlich. also habe ich erstmal keinem davon erzählt. weil: wenn man mich erreichen will, kann man mir schreiben, mailen oder bei der polizei nachfragen. geht auch. und ändert nix. tatsächlich haben die engen freunde nichtmal die nase jucken lassen. die anderen, die unruhigen hiphopgeister aber, also die bekannten, die vorübergeher, die haben geheult und sind ganz zappelig geworden. weil: sowas geht doch nicht. ohne handy! 3 wochen lang war ich frei. wie ein vogel. dann hat mir meine schwester eines geschenkt - so mit tatütata und bildschirmschonerin. musik ist auch dabei. ich habs dann noch ein paar tage rauszögern können, so von wegen: weiß net wie das ding funktioniert. aber dann gings plötzlich und hat sofort losgeschrien. bin also wieder erreichbar! unter der 0.
... die Jungs die im Zug auf dem Nebensitz, die sich in ihrem Notebook im Tabellenkalkulationsblatt verdaddeln, die mit Blauzahn-Knopf im Ohr im Cabrio fahren. Einfach Klasse! Die versklavten Nichtskönner des persönlichen Ausdrucks durch unfreiwillige Zurschaustellung des Nichtbeherrschen einer Technik mit der beeindruckt und der eigene Status aufgewertet werden soll. Also fast alle Blender, die sich als wichtige Softwareentscheider und Mic... usw....
Lieder haben und brauchen und beruflich und noch Mal usw. - ich beneide respektvoll @utsimram.
Aber auf der anderen Seite muss es keinen geben, der respektlos einfach mal anruft, nur weil er meint, man muss erreichbar sein. Das dürfen und müssen auch mal andere lernen.
Bin völlig einverstanden Habe zwar eine Handy aber es ist meistens nur eingeschaltet wenn ich auf längere Reisen bin oder allein wandern. Ich gehe regelmäßig Wochenlang ohne es zu benutzen und möchte nicht ständig erreichbar sein.
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