Von Franz Kotteder

Das beliebteste Getränk der Deutschen ist zugleich auch das am meisten unterschätzte. Es gibt unzählige verschiedene Bohnen und Kaffee ist - unter Umständen - gesund.

Selbst jene, die stolz darauf sind, in der Küche nur den Kühlschrank einigermaßen unfallfrei zu bedienen, können wenigstens eines kochen, wenn schon sonst nichts: Kaffee nämlich. Glauben sie zumindest. Denn nichts ist leichter, als Kaffee zuzubereiten, noch dazu, wenn man eine Kaffeemaschine besitzt. Soweit die Theorie.

(© Illustration: mauritius images/Creatas)

Anzeige

Auf die Zutaten kommt es an

Aber im Ernst: Wirklich schwer ist es natürlich nicht, Kaffee zu kochen. Aber wie bei jeder anderen Tätigkeit in der Küche auch, kommt es ein bisschen darauf an, welche Zutaten man verwendet.

Es gibt Leute, die trinken Kaffee vor allem morgens, um die Augen wieder richtig aufzukriegen, und es gibt welche, die trinken Kaffee eigentlich nur, um den Zucker in der Tasse zu verdünnen.

Aber selbst jene bedauernswerten Zeitgenossen, die sich anscheinend nicht die Bohne dafür interessieren, welchen Genuss eine gute Tasse Kaffee darstellen kann, beklagen sich darüber, wenn ihnen nur eine müde Plörre vorgesetzt wird. Damit stehen sie keineswegs alleine, 90 Prozent der Deutschen konsumieren täglich Kaffee, und das bis zu vier Mal am Tag. Weltweit betrachtet, liegt Kaffee nach Trinkwasser und Tee übrigens auf Platz drei der Lieblingsgetränke.

Gerade in den letzten Jahren hat Kaffee enorm an Beliebtheit gewonnen. Mit dazu beigetragen hat sicher die wachsende Zahl von Espresso- und Coffeebars nach amerikanischem Vorbild, wo es Kaffee und Kaffeeähnliches in allen nur denkbaren (und manchmal auch lieber undenkbaren) Varianten gibt.

Nicht zuletzt das hat dem schwarzen Gold in der Tasse den etwas miefigen Ruf als "Alte-Tanten-Getränk" und damit dem traditionellen deutschen Filterkaffee der Nachkriegszeit seinen Schrecken endgültig genommen.

Gesünder, als man glaubt

Abgesehen davon hat sich herausgestellt, dass Kaffee keineswegs gesundheitsschädlich ist, sofern man ihn in Maßen genießt, sprich: nicht mehr als zwei oder drei Tassen pro Tag trinkt.

Vieles wurde dem Getränk ja schon nachgesagt. Kaffee sei etwa ein Flüssigkeitsräuber, hieß es, weil er harntreibend sei. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beispielsweise hat aber längst herausgefunden, dass das so nicht stimmt. Denn das Koffein entwässert den Körper nicht auf Dauer, sondern lediglich für einige Stunden - und das ist gut so, wenn die tägliche Menge nicht mehr als drei Tassen überschreitet. So sinkt zum Beispiel das Risiko Nierensteine zu bilden bei regelmäßigen Kaffeetrinkern um zehn Prozent.

Auch auf Herz und Kreislauf, so haben zahlreiche Studien inzwischen ergeben, hat Kaffee kaum schädliche Auswirkungen, sofern er nicht übermäßig getrunken wird - dann allerdings tritt schon gerne mal das typische Herzflattern ein. Im Normalfall jedoch stellt Kaffeetrinken bei einem durchschnittlich gesunden Menschen keinen zusätzlichen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dar.

Und was die zweifellos belebende Wirkung des Koffeins angeht: Auch die muss einem nicht unbedingt den Schlaf rauben. Kaffeetrinker schlafen nicht weniger lang als andere Menschen, sie haben nur weniger erholsame Tiefschlafphasen. Eine einzige Tasse am Abend gilt aber als problemlos.

Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann Kaffee am Abend hin - gegen sogar schlaffördernd wirken. Die wachen nämlich normalerweise nachts auf, weil der Blutdruck stark absinkt. Der Kaffee vor dem Zubettgehen lässt den Blutdruck hingegen ansteigen und kann gerade so das nächtliche Aufwachen verhindern.

Ein Getränk, unzählige Sorten

Somit steht dem gepflegten Kaffeegenuss wenig entgegen, solange man das Gebräu nicht literweise in sich hineinschüttet. Die Zubereitung ist nicht schwierig, ob man jetzt mit Filtertüten arbeitet, mit der Espressomaschine oder gar mit dem Mokkakännchen.

Wirklich entscheidend ist aber die Sorte von Kaffeebohnen, die man verwendet, ihre individuelle Mischung und natürlich auch das Röstverfahren, mit denen sie veredelt wurden. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, und Bohne ist keineswegs gleich Bohne. Vom kolumbianischen Hochlandkaffee bis zum monsungetrockneten Malabar aus Indien gibt es zahlreiche Varianten und unterschiedlichste Aromen.

Die teuerste Bohne: "Kaffee aus der Katze"

Der teuerste Kaffee der Welt ist übrigens die Sorte "Indonesia Luwak Robusta" - sie wird aber auch auf äußerst ungewöhnliche Art gewonnen: Die auf Java wild wachsenden Kaffeekirschen werden nämlich von den Fleckenmusangs, einer Schleichkatzenart, gefressen, die Kerne - also die Bohnen - anschließend sofort wieder ausgeschieden. Und die Kaffeebauern müssen sie dann nur noch einsammeln und waschen.

Den besonderen Geschmack, mild und weniger bitter als normaler Kaffee, erhalten die Bohnen durch die Enzyme im Darm der Tiere, die wie eine Nassfermentation wirken. Ein Kilo vom "Kaffee aus der Katze" kostet bis zu 1.000 Euro, und pro Jahr werden nur rund 200 Kilogramm geerntet.

Derlei ungewöhnliche Genüsse wird sich der gemeine Kaffeetrinker aber wohl doch lieber versagen. Und sich lieber auf die gängigen Sorten verlassen, die wir in unserer Kaffeekunde kurz vorstellen (bei "mehr zum Thema").

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(SZ Wohlfühlen Nr. 1/März 2007)