Pamela Hicks über Kate und William "Ein idealer Moment für ein Baby"

Lady Pamela Hicks hat viel Royales gesehen: Sie ist Kusine von Prinz Philip, war Brautjungfer bei der Hochzeit von Queen Elizabeth II. Als Expertin für Adelsehen sagt sie im SZ-Gespräch, wer die Queen einen Trottel nennen darf, warum Kate die Richtige für William ist - und beide bald Nachwuchs zeugen sollten.

Von Peter Littger

Kein Butler, kein livriertes Mädchen. Es ist die Hausherrin persönlich, die langsam die Tür öffnet. Sie ist stattlich frisiert und lächelt freundlich - der Reporter aus Deutschland hat es fast pünktlich zum Landsitz "The Grove" zwischen London und Oxford geschafft. Am Telefon hatte Pamela Hicks erklärt: "Ich lunche immer um Viertel nach eins - davor können wir sprechen." Deshalb jetzt keine Zeit verlieren, ab in den großen Salon, der einen prächtigen Blick über die Gartenlandschaft freigibt.

SZ: Lady Pamela, Sie sind die Kusine von Prinz Philip, haben viele Hochzeiten der englischen Royals miterlebt, waren Brautjungfer der Königin. Mit welchen Gefühlen gehen Sie am kommenden Freitag in die Westminster Abbey?

Pamela Hicks: Mit sehr, sehr guten. Ich kenne zwar die Prinzessin noch nicht persönlich, aber ich kenne William. Er hat viele Qualitäten von seinem Vater und von der Queen geerbt - und dazu das Aussehen seiner Mutter. Und ich erkenne, wie sehr die beiden verliebt sind.

SZ: Woran erkennen Sie das?

Hicks: Jeder kann es sehen; sie spielen das nicht. Sie hatten eine gründliche Einlaufphase von acht Jahren, mit einer Unterbrechung, so dass ich annehme, dass sie alle Tests durchlaufen haben. So wie ich William einschätze, wird er ihr gegenüber ganz klargestellt haben, worauf sie sich einlässt. Man kann die Sorge haben, dass in der Praxis alles anders kommt. Aber sie haben noch mindestens ein Jahr Zeit in ihrem Landhaus in Wales, sich aufeinander einzustellen, und sie werden dort fast ganz alleine sein.

SZ: Das klingt etwas gefährlich.

Hicks: Wie ich höre, ist Catherine sehr vernünftig. Beide unterstützen sich gegenseitig. Das war die Tragik an der Ehe des Prinzen von Wales, dessen Frau überhaupt keine Unterstützung war. Und sie fand, dass er sie auch überhaupt nicht unterstützte. Wenn zwei, die so sehr aufeinander angewiesen sind, ein derart einsames Dasein führen, wird das Leben zur Hölle.

SZ: Sorry, wenn Sie die Frage vielleicht nicht mehr hören können: Ist es kein Problem, dass Williams Ehe nicht standesgemäß sein wird?

Hicks: Es gab schon einmal eine glückliche Ehe, die nicht standesgemäß war, und die kennen jetzt alle aus dem Kinofilm "The King's Speech". Williams Urgroßvater heiratete unter seinem Stand, denn die spätere Königinmutter kam zwar aus dem schottischen Adel, hatte aber nirgendwo jemals regiert. Aus Sicht der Windsors war das fast so niedrig, wie bürgerlich zu sein. Doch die beiden waren ein unzertrennliches "Love Match" - das erste seit Victoria und Prinz Albert. William zeigt den Menschen im Volk, dass er ein Mädchen aus ihrem Kreis gewählt hat, und dass heutzutage alle eine Chance haben - wenn sie schön und vernünftig sind. Der Prinz durfte mit dem Herzen entscheiden. Das finden die Menschen exzellent.

SZ: Den Engländern ist also aufgefallen, dass arrangierte Ehen gegen die englische Tradition der freien Meinung und des individuellen Willens verstoßen?

Hicks: Diese Philosophie hatte nie Vorrang vor der Staatsräson. Außerdem hat ja niemand behauptet, dass die Freiheit zu wählen früher vollends unterdrückt werden musste. Es musste wenigstens ein legitimer Nachkomme gezeugt werden. Danach hatte man alle Freiheiten, sich eine Geliebte zu nehmen. Sogar ganz offiziell. Hauptsache, diskret. Heute sehen wir das komplett anders: Arrangierte Ehen sind passé. Affären tabu. Ich finde es großartig, dass sich das geändert hat. William und Catherine - eine Liebesheirat. Charles Ehe - die zweite - ist es auch. Camilla ist wunderbar, sie gibt Charles Kraft. Das ist wie bei Philip und Elizabeth. Das ist immens wichtig, schließlich müssen sie dem hohen Anspruch des Jobs gerecht werden.

SZ: Welche Erwartungen werden an Prinzessin Catherine gestellt?

Hicks: Wenn einem eine Lebensaufgabe bevorsteht wie William, erfordert das extrem viel Unterstützung jenseits des Privatlebens - nicht nur als Liebhaberin. Catherine soll alle Qualitäten haben, die wir und das Volk uns wünschen, vor allem soll sie sehr gut mit Menschen zurechtkommen. Ich glaube deshalb, dass sie es gut macht, jedenfalls am Anfang.

SZ: Am Anfang?

Hicks: So viele Menschen sind jetzt begeistert. In Amerika herrscht geradezu eine Hysterie. Überall dort hört man, dass William am besten direkt gekrönt werden sollte, wenn die Königin stirbt - als könne er seinen Vater überspringen. Doch die Menschen vergessen, dass alles rosig ist, wenn die Jugend in den Königskindern blüht. Vielen fehlt die Erinnerung daran, dass unsere betagte Königin selbst einmal eine schöne Braut war. Die Hysterie war damals genauso groß. Auch als Königin Victoria mit 18 Jahren auf den Thron kam, war die ganze Nation verliebt. Doch die mittleren Jahre ihrer Regentschaft waren ziemlich schwierig.

SZ: Bis sie alt wurde und wieder zur allseits geliebten Großmutter Europas . . .

Hicks: . . . und zu einem lebenden Nationaldenkmal! Das ist es, was ich sagen will: Am Anfang werden sie idealisiert, in ihrem mittleren Alter machen sie immer noch dasselbe, aber nicht mehr mit dem Glanz der Jugend. Ihr Haar wird grau, sie tragen Brillen. Und am Ende ihres Lebens, wenn sie die Würde des Alters erreicht, werden sie wieder bewundert. Gucken Sie sich doch die Queen und Prinz Philip an, die mit 85 und fast 90 durch die halbe Weltgeschichte jetten und gesund und munter dabei sind.

SZ: Durch diese schwierige mittlere Phase musste Lady Diana nie gehen.

Hicks: Ja, die heilige Diana!

SZ: Charles und Diana sollen von ihren Großmüttern verkuppelt worden sein.

Eine Hochzeit, viele Märchen

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Hicks: Oh ja, die hatten ihre Finger im Spiel. Lady Fermoy, Dianas Großmutter, hat es damals nur versäumt, vor der Instabilität ihrer Enkelin zu warnen. Schon in der Schule soll das Mädchen den Wunsch gehabt haben, Prinzessin von Wales zu werden - unabhängig von Charles. Es war ihr Ziel im Leben, und sie hat es erreicht.

SZ: Glauben Sie im Nachhinein nicht, dass das Paar verliebt war?

Hicks: Man kann sich mit Anfang zwanzig leicht einbilden, dass man verliebt ist. Man ist ja noch durch keine Krise gegangen. Schon das ist bei Catherine und William ganz anders.

SZ: Was ging schief bei Charles und Diana?

Hicks: Das Paar war einfach ungeeignet. Er war ein routinierter Junggeselle, der sein Polo liebte, und wenn er eine Gelegenheit hatte, spielte er. Sie fand, er müsse bei ihr sein. Auch hat sie nie akzeptiert, dass er offizielle Verpflichtungen hatte. Am Ende war sie der Aufgabe nicht gewachsen und sich selbst ihr ärgster Feind. Charles wurde gewarnt, dass er das Mädchen nicht weiter treffen solle, wenn er es nicht ernst meine, weil es sehr unfair von ihm wäre, wenn er sie schließlich nicht heiraten würde. Am Schluss fühlte er sich wohl gefangen und kam um einen Heiratsantrag nicht mehr herum. Ich glaube, er konnte nicht gut mit dem Erwartungsdruck aus der gesamten Familie umgehen. Und da war ja auch der große Wunsch der Nation, endlich wieder eine Märchenhochzeit zu erleben und königliche Nachkommen zu sehen.

SZ: Wie viel Zeit dürfen sich William und Catherine mit ihrem Nachwuchs lassen?

Hicks: Bitte nicht so lange! Sie sind nicht mehr sehr jung. Es böte sich in Wales in ihrer kleinen Hütte ein idealer Moment, ein Baby zu bekommen. Sie werden dort ihre Ruhe haben. Es klappt immer viel besser ohne Druck - und der würde in den Jahren danach zunehmen.

SZ: Sie sprechen viel von gegenseitiger Unterstützung - können Sie das bitte etwas konkretisieren?

Hicks: Nehmen wir die Königin und Prinz Philip. Wenn Sie sich das einmal bitte vorstellen: Ein Mann zu sein und in einem Auto sitzen zu müssen, das drei Meilen pro Stunde fährt und das mit stacheligen Rosen und kleinen Flaggen beworfen wird, während man die ganze Zeit winken muss - das ist kaum auszuhalten, schon gar nicht für einen Marineoffizier. Einmal erklärte er mir beim Frühstück, er habe einen eisig kalten Arm gehabt, als er wach wurde; der Arm habe die ganze Nacht aus dem Bett gehangen, und er habe im Traum ständig gewunken. Philip zeigte unheimlich viel Ausdauer und Geduld, und wenn er erschöpft war, hat ihm die Königin Mut gemacht. Dafür hat er sie brav bei allen öffentlichen Auftritten unterstützt, egal, wie langweilig die Gesprächspartner und all das waren.

SZ: Wie offen darf der Partner dem Monarchen gegenüber Kritik üben?

Hicks: Sie meinen, wie offen Prinz Philip mit der Queen spricht? Er ist so wertvoll für sie, weil er das Gegenteil eines Jasagers ist. Sein Ruf ist ja bekannt: Er sei ungezogen und rüpelhaft. Aber er ist nun einmal nicht auf den Kopf gefallen. Deshalb sagt er ihr, wenn sie etwas Falsches sagt oder etwas Dummes macht. Und er ist der Einzige, der es sich leisten kann, der Königin zu sagen, sie sei ein Trottel.

SZ: Macht Prinz Philip auch Komplimente?

Hicks: Weniger. Aber das muss er ja auch gar nicht, die ganze Welt macht seiner Frau Komplimente. Die Königin weiß, dass die Liebe in ihrer Ehe fest ist und fortbesteht. Zwischen ihnen ist keine Kälte aufgezogen.

SZ: Ist es ein guter Moment für die Hochzeit von Prince William und Kate Middleton?

Hicks: Oh ja, besonders in schwierigen Zeiten freuen sich die Leute über einen Ferientag und über allgemeine Freudenstimmung. Wir lassen uns alle gerne aufheitern. In jeder Gemeinde, jeder Schule, landauf, landab, werden Partys gefeiert. Die Leute freuen sich wahnsinnig auf das Spektakel und die goldene Märchenkutsche. Die Hochzeit wird wieder einmal zeigen, wie total irrational wir sind.