Von S. Pfauth

Dreck ist doch kein Grund, zu duschen! Die Deutschen haben fürs Waschen ganz andere Motive. Unter anderem rettet es Paarbeziehungen.

Es ist nur ein Klischee. Die Sauberkeit, stellte sich bei einer Umfrage unter 1000 Männern und Frauen heraus, ist den Deutschen doch nicht so wichtig wie bislang angenommen. Zumindest steht für weniger als 15 Prozent der Befragten beim Duschen die Hygiene im Vordergrund. Stattdessen sehnen sich die Menschen nach Entspannung und Erfrischung, sie wollen "richtig warm" werden - und noch viel mehr.

Duschen zu zweit; obs/Grohe

Für Krisenpaare und Umweltfreunde: Duschen zu zweit - spart Wasser und stärkt die Beziehung. Das behaupten zumindest Sanitärausstatter. (© Foto: obs/GROHE)

Anzeige

Die genannte Umfrage hilft nun, den gesellschaftlich relevanten Themenkomplex "Badezimmeraufenthalt" tiefer zu ergründen. Sie wurde im Auftrag des Sanitärausstatters Hansgrohe durchgeführt - und baut auf bisherigen Erkenntnissen der Duschwissenschaft auf.

Das Gebiet ist nämlich schon gut erforscht. So deckte die Studie Baden, Duschen, Whirlen zu zweit den Einfluss des Brausebads auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt auf. Die Ergebnisse der tiefenpsychologischen Untersuchung, die das rheingold-Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen im Auftrag des Badewannen-Herstellers Kaldewei durchführte, sind aufsehenerregend: "Mehr als zwei Drittel der Trennungen sind heute auf eine generelle Unzufriedenheit der Partner mit der Beziehung zurückzuführen", schreiben die Autoren.

Dabei gäbe es ein einfaches Mittel, um all diese zerbrochenen Lieben zu retten: "Die Studie Baden, Duschen, Whirlen zu zweit zeigt den Stellenwert, den das heimische Bad in seiner heutigen Funktion insbesondere für die Partnerschaft hat", ist im Abstract zu lesen. "Bei geeigneter Ausstattung wird das Bad zu einer 'Beziehungs-Oase', in der man sich als Paar wieder neu begegnen und die Beziehung auffrischen kann".

Dem gemeinsamen Wannenbad komme in punkto Beziehungspflege dabei die größte Bedeutung zu. Es werde von Paaren häufig prophylaktisch eingesetzt, um die Vertrautheit zu stärken und die Liebe jung zu halten. Der Annährungsprozess, den das Bad auslöse, werde oft auch nach Beendigung des gemeinsamen Bades fortgesetzt. Scheidungsrate? Könnte damit sicherlich um ein Vielfaches gesenkt werden. Paartherapeuten? Überflüssig.

Leider hat sich diese Form der Beziehungspflege noch nicht so richtig durchgesetzt: Nur ein Viertel der deutschen Paare steigt gerne zu zweit in die Badewanne. Noch weniger Fans hat der neuen Studie Wintersport und Duschen zufolge das zweisame Brausebad: Nur 16 Prozent der Frauen und nur elf Prozent der Männer möchten gern mit dem Partner unter der Dusche stehen.

Mischbatterie auf blau

Neben wichtigen Hinweisen für die Liebe bestätigen die Umfragen auch ein gängiges Vorurteil: Die deutschen Männer sind nämlich - nun erwiesenermaßen - Warmduscher. Nur jeder Fünfte duscht abwechselnd kalt und heiß. Frauen sind hingegen härter im Nehmen, zumindest, was Wasser angeht. Immerhin knapp jede Dritte stellt die Mischbatterie beim Duschen auch mal auf blau.

Außerdem zeigte sich, dass die Ostdeutschen kerniger und gesundheitsbewusster sind als die Westdeutschen: 30 Prozent der Befragten aus den Neuen Bundesländern wechseln kalte und warme Güsse unter der Brause ab, im Westen ist es nicht einmal ein Viertel.

Ob es nun einen Zusammenhang zwischen Warmduschern und Glück in der Liebe gibt, konnte allerdings keine der Studien zeigen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/bre/jja)