Die Zahl der Drogentoten in Deutschland sinkt, denn die harten Drogen wie Heroin sind auf dem Rückzug. Polizei und Experten sehen aber in synthetischen Designerdrogen und vermeintlich harmlosen Kräutermischungen eine neue Gefahr.
Die Zahl der Drogentoten in Deutschland sinkt. Das ist der erfreuliche Teil der Jahresbilanz, welche die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), am Donnerstag in Berlin vorstellte. Dennoch bleibt die Zahl hoch: 2010 sind 1237 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben gekommen, sieben Prozent weniger als im Jahr zuvor. Problematisch ist dagegen der deutliche Anstieg beim Konsum synthetischer Drogen.
Bild vergrößern
Heroin ist seit Jahren auf dem Rückzug. Der Trend bei den Drogenkonsumenten, das sagen Drogenexperten von Polizei und Zoll, geht hin zu synthetischen Designerdrogen und zu "vermeintlich harmlosen" Kräutermischungen. (© dapd)
Anzeige
Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, warnte vor dem sich ausbreitenden Genuss vermeintlich legaler Kräutermischungen: "Es sind unkalkulierbare gesundheitliche Risiken damit verbunden." Die harmlos wirkenden Produkte enthielten meist Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe, die der Konsument gar nicht einschätzen könne.
Für Rudolf Egg, den Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, sind chemisch produzierte Designerdrogen "eine unterschätzte Gefahr. Man schluckt eine Pille - und weiß nicht, was drin ist." Die "harten" Drogen dagegen, vor allem Heroin, sind seit Jahren auf dem Rückzug. "Heroin gilt bei den Jüngeren als Teufelsdroge, weil sie zu Sucht und Abstieg führt", sagt Egg.
Die Heroinkonsumenten von einst kommen in die Jahre. Die Todesopfer waren älter als 30 Jahre - 944 Personen - und überwiegend männlich. Häufigste Todesursache bleibt eine Überdosis Heroin. Die sinkende Zahl der Todesfälle ist laut Dyckmans auch den vielen "Angeboten zur Überlebenshilfe" zu verdanken; es sei gelungen, immer mehr Abhängige gesundheitlich zu stabilisieren, ihr Überleben zu sichern und ihnen einen Ausstieg aus der Sucht zu ermöglichen.
Überraschend ist der Anstieg der Zahl der Drogentoten in zweien der reichsten Bundesländer: In Bayern stieg sie von 250 auf 262, in Baden-Württemberg von 133 auf 168. Regionale Unterschiede sagten aufgrund der geringen absoluten Zahlen allerdings wenig aus, so Dyckmans.
Torsten Wittke, Leiter des Rauschgiftdezernats des Bayerischen Landeskriminalamts, hat dagegen im Freistaat einen "beunruhigenden neuen Trend" festgestellt. Der Süddeutschen Zeitung sagte er, allein 47 der 262 bayerischen Drogentoten seien dem Missbrauch des Stoffs Fentanyl zum Opfer gefallen - einem künstlichen Opioid, das gegen starke Schmerzen eingesetzt wird. Noch im Jahr 2008 waren es nur 16 solche Todesfälle. "Hier tut sich ein ganz neues Feld auf", so Wittke. Gewonnen wird der Stoff meist aus Schmerzpflastern. Da er vielfach stärker wirke als Heroin, steige das Risiko entsprechend.
BKA-Präsident Ziercke hält den organisierten Rauschgiftschmuggel trotz der insgesamt rückläufigen Todeszahlen für eine massive Bedrohung: "Es gibt keine Entwarnung." Ziercke nannte ausdrücklich Afghanistan als das "Hauptursprungsland" von Heroin - und das trotz der Präsenz der westlichen Truppen. Kokain stammt wie stets zuvor meist aus Südamerika.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
- Thema
- Drogenbericht RSS
- Kulturgut Alkohol Der Zaubertrank 06.03.2011
- Streetwork in München "Junkie sein ist ein Vollzeit-Job" 21.07.2010
- Legalisierung von Marihuana Das Joint-Venture 07.10.2010
(SZ vom 25.03.2011/olkl)
wie wäre es eigentlich, alle Politiker, die darüber abstimmen,was verboten ist, auf "Drogen"- und Akoholmißbrauch/Abhängigkeit zu testen? Wäre bestimmt interessant, was bei Wiesheu & Co. so alles rauskommt. Auf das Ergebnis freut sich TuMas
... welche Kriterien der legalisierung bzw dem Verbot einer Droge zugrunde liegen. Gesunder Menschenverstand, gesundheitliche Bedenken oder der Volkswille spielen offensichtlich keine Rolle.
Ein "Drogenbericht", der die steigende Zahl der Opfer der harten Droge Alkohol aus ideologischen Gründen nicht berücksichtigt – wertlos.
Cannabis ist bestens erforscht, weitestgehend harmlos aber aus irgendwelchen absurden ideologischen Gründen leider illegal.
Die neuen "Kräutermischungen", die überhaupt nur existieren, weil Cannabis illegal ist, sind unerforscht, offenbar zum Teil sehr gefährlich aber legal.
Da das BtmG nur konkrete Wirkstoffe verbieten kann, wird es so lange einen Wettlauf um neue Cannabis-Ersatzstoffen bis die einzig vernünftige Konsequenz gezogen wird und die Cannabis-Prohibition aufgehoben wird. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob das jemals geschieht. Dieser Weg wird noch sehr viele, vermeidbare Opfer fordern, dank der angeblichen Sorge des Staates um die Gesundheit des Konsumenten. Komisch dass man sich nicht darum schert, dass ich bereits mit einem Liter Vodka für mein sicheres Ende sorgen kann. Erhältlich 24h täglich an jeder Tankstelle, Supermarkt oder Kiosk.
Warum greifen denn die Menschen zu diesen gefährlichen Kräuter (eigentlich Chemie-)mischungen? Weil das harmlosere Cannabis verboten ist und man für dessen Konsum schwer bestraft wird.
Eine Politik, die Konsumenten von Cannabis mit einer fast schon manisch anmutenden Härte verfolgt und kriminalisiert und welche aber gleichzeitig die Menschen mit Atomkraft vergiftet - eine solche Politik ist an Verlogenheit nicht mehr zu überbieten. Eine solch menschenverachtende Politik, beruhend auf der Ideologie ewig gestriger sog. "christlicher" Parteien muss mit aller Kraft und mit allen Mitteln bekämpft werden.
Für den Konsum von Cannabis wird man in Bayern aufs Härteste bestraft. Wenn man aber in Bayern im Vollsuff einen Menschen totfährt so wie seinerzeit Herr Wiesheu...was wird man dann? Richtig, man wird Verkehrsminister! (Amigoparteibuch natürlich vorausgesetzt).
Und dieser Abschaum will uns vorschreiben wie wir zu leben haben...
Paging