Downhill-Skatern ist der Alltag zu langweilig. Deshalb rasen sie steile Straßen hinab - schneller als die Polizei erlaubt.
Eugen Forschners Augen suchen unablässig die Fahrbahn ab. Am besten findet er es, wenn die Straße tiefschwarz und frisch asphaltiert vor ihm liegt. Was er überhaupt nicht mag, ist "verdammter Kies", denn nichts lässt die kleinen Rollen eines Skateboards abrupter blockieren und führt oft zu den gemeinsten Stürzen.
Wer ohne Schutzkleidung stürzt, riskiert tiefe Schürfwunden - "Pizza" im Fachjargon genannt. (© Foto: dpa)
Anzeige
Seit mehr als zehn Jahren ist das Down711 Skateboardteam auf Stuttgarter Straßen unterwegs. Ständig auf der Suche nach der perfekten und noch schnelleren Strecke, rasen die Downhiller nachts über vierspurige Schnellstraßen oder tagsüber durch ruhige Vororte der Großstadt.
"Ich brauche den Kick, an die eigenen Grenzen zu gehen", erklärt Forschner, den seine Freunde nur Huge nennen, "ansonsten ist mir das Alltagsleben einfach zu langweilig". Der 41-Jährige ist einer der Gründer des Teams, dessen Name sich von der Telefonvorwahl Stuttgarts herleitet.
Circa zehn Skater zählen zum harten Kern von Down711; darunter Softwareentwickler, Gärtner und Büroangestellte. Forschner gehört zu den Erfahrensten, jede freie Minute verbringt er auf seinem Board und hat inzwischen einen siebten Sinn für brenzlige Situationen entwickelt: "Ich spüre einfach, ob mir ein Auto in die Quere kommen kann oder nicht". Zumindest meistens, denn manchmal kann selbst er nicht mehr bremsen. So wie an einem Junitag vor zwei Jahren.
Pizza auf der Haut
Fast vier Kilometer schlängelte sich die Straße von einem Stuttgarter Villenvorort Richtung Stadtzentrum hinab. So steil, dass selbst Radfahrer lieber absteigen. Für Forschner kein Problem - um dem Fahrtwind keine Angriffsfläche zu bieten, beugte er seinen Oberkörper weit nach vorne, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und spürte sofort, wie sein Board beschleunigte.
Fast 70 km/h schnell schoss Forschner die Straße hinab; die acht Zentimeter dicken Gummirollen surrten über den Asphalt und die Kugellager rotierten so schnell, dass ein hohes Pfeifen zu hören war. Zwei ältere Damen rissen den Kopf herum, als der Skateboarder in wild flatternden Shorts und Muskelshirt an ihnen vorüberflog. Forschner sah die Fußgänger nicht.
Hinter dem schwarzen Visier des Integralhelms war sein Blick starr auf das Heck des Autos wenige Meter vor ihm gerichtet. Plötzlich leuchteten die Bremslichter auf. Reflexartig presste Forschner einen Schuh mit aller Kraft auf die Straße und hoffte, rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Doch es war zu spät.
Forschner verlor die Kontrolle und knallte auf den Asphalt. Die Rutschpartie über den rauen Straßenbelag riss ihm handtellergroß die Haut von Schulter und Oberschenkel. Als er sich einen Augenblick später auf dem Randstein zusammenkauerte, hörte er seinen Kumpel Bassi Haller, der mit ihm in die Abfahrt gestartet war, kommen.
"Schicke Pizza", meinte Haller - so heißen solche Schürfwunden bei den Skatern. Normalerweise ist Forschner immer mit Schützern an Knie und Ellenbogen unterwegs, manchmal trägt er sogar eine Motorradkombi aus dickem Leder. Nur an diesem Tag nicht. Ein Fehler, an den ihn die Abschürfungen noch sehr lange sehr schmerzhaft erinnerten.
Auf der nächsten Seite: Weltmeister ohne Ruhm
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
- Extremsport: Downhill Auf der letzten Rille 09.06.2008
- Trendsport Base-Jumping Die Sucht zu springen 27.02.2008
- Welches Fahrrad passt zu Ihnen? Mein Haus, mein Auto - mein Fahrrad 20.05.2008
- Falträder Origami auf Rädern 25.05.2009
Brasiliens Präsidentin Roussef
@SupaFranzerl
Was ist dann mit Übergewichtigen, Magersüchtigen, Workaholics, Rauchen, Alkoholikern, Kiffern, Kriminellen ...
Mich würde eine gerechte, auf objektiven Statistiken beruhende Einstufungstabelle mal interessieren.
Abgesehen davon, sehe ich die ganze Downhill-Skateboard-Sache schon auch kritisch.
Ich bin dafür, das bei Unfällen die Krankenkassen nicht dafür aufkommen. Eigenes Risiko auf alles!
hat ein kumpel von mir das im liegen gemacht. in der schweiz saß ich mal in nem auto dahinter(ja mit ordentlich abstand) und die nadel hat über hundert angezeigt, ohne dass der abstand erkennbar geschrumpft ist.
vllt habt ihr den auch mal gesehen, der hat bei der guinnes-show nen weltrekord im affenschaukelüberschlagmachen (tolles wort) aufgestellt:-)
ich find sowas super - man kann sich ja nich alles verkneifen, ne ;-)
ich muss imer noch grinsen, wenn ich daran denke. hatte nicht den eindruck das wäre unkontrollierbar gewesen. solange es keine kreuzungen und einmündungen gibt, ist das nur unwesentlich gefährlicher als motorradfahren, würd ich sagen.
er hat gesagt, dass die steine auf der strasse ab einer gewissen geschwindigkeit zerplatzen. vllt ist das aber nur wenn man liegt und nicht so empfindlich auf lastwechsel reagiert...
Ich sag' immer, wenn's Spaß macht, warum nicht?
"... wenn sie extremsport betreiben wollen, dann sollen sie das dort tun, wo keine anderen verkehrsteilnehmer unvorbereitet auf sie treffen können." und die bundesdeutschen Autobahnen wären wie leergefegt.
@derblauebarbar: Haben Menschen, die Kleinkinder betreuen keinen Hobbys, um mal auf andere Gedanken zu kommen (oder einfach mal alle Gedanken hinter sich zu lassen)?
... was dieser Beitrag unter der Rubrik "Fitness & Gesundheit" zu suchen hat.
Paging