In den Niederlanden wird über das Recht Älterer auf eine Suizidpille diskutiert. Sollte auch in Deutschland die Sterbehilfe endlich legalisiert werden? Ein Pro und Contra.
Das, was einem im Leben niemand nehmen kann, ist die Würde. Garantiert von Artikel 1 des Grundgesetzes. Er muss auch für den Tod gelten. Aktive und vor allem gesetzlich legitimierte Sterbehilfe ist daher eine dringende Notwendigkeit - und zwar zur Entlastung all jener Menschen mit Todessehnsucht.
Muss ein älterer Mensch weiterleben, auch wenn er sich den Tod wünscht? Die Suizidtablette würde ihm diese Entscheidung selbst in die Hand geben - solange er noch in der Lage ist, sie zu nehmen. (© Foto: istockphotos)
Anzeige
Denn wenn das Leben nicht mehr selbstbestimmt erscheint oder wenn die Angst vor dem Leben größer ist als die Angst vor dem Tod, kann aktive Sterbehilfe ein Segen sein.
Sterbehilfe ist keine assistierte Selbsthinrichtung und erst recht keine prämortale Geschäftemacherei, wie manchmal behauptet wird. Sie ist eine vom Todeskandidaten gewünschte, in einigen Fällen aber nicht mehr selbst zu erledigende Handlung. Und weil sie im Sinne des nicht mehr zu heilenden, oft austherapierten Kranken geschieht, sollte sie auch in Deutschland endlich legalisiert werden.
In den Niederlanden wird jetzt, neun Jahre nach der dortigen Sterbehilfe-Legalisierung, der nächste Schritt vorbereitet: Die Letzte-Wille-Pille für Menschen über 70 Jahre. 70 Prozent der Bevölkerung, so das Ergebnis einer Umfrage, befürworten das Vorhaben. Ein Beispiel für Deutschland?
Auf alle Fälle. 55 Prozent und damit die Mehrheit der Bürger hierzulande wünschen sich, dass jeder frei entscheiden kann, ob er sein Leben beenden will und wessen Hilfe er dazu benötigt. Das hat eine Studie vor nicht allzu langer Zeit ergeben. Es ist ein eindeutiges Votum. Das Tabuthema Sterbehilfe sollte angepackt werden - und zwar schnell.
Bitte juristisch sauber
Juristisch einwandfrei abgesichert, würde dann auch der in der Bundesrepublik bekannte Sterbetourismus endlich ein Ende finden. Wer seinem Leid ein Ende setzen möchte, ist derzeit auf die Unterstützung einer im Ausland ansässigen Organisation angewiesen. Nach dem Überqueren der Grenze wird oft auf dem erstbesten Parkplatz der Todescocktails gereicht. Doch sterben fernab der Legalität ist unwürdig. Kein Mensch hat es verdient, sich in seinen letzten Lebensstunden mit Gewissensbissen quälen zu müssen. Wer seinem Leben freiwillig eine Ende setzen möchte, sich selbst dazu aber nicht mehr in der Lage sieht, sollte Hilfe in Anspruch nehmen dürfen - ganz legal, auch hierzulande.
Auch jene Menschen, die Angst vor dem Alter, vor dem körperlichen und geistigen Verfall haben, könnten ein Stück Lebensqualität gewinnen. Denn wer vermeiden möchte, dass das Klingeln der Hightech-Windel zwecks Alarmierung des Pflegedienstes das alleinige tägliche Highlight ist, der könnte seinen Wunsch nach einer Letzte-Wille-Pille schriftlich festhalten. Zum Beispiel in der sogenannten Patientenverfügung. Das Papier, das sich immer mehr durchsetzt, könnte um den Punkt "Sterbehilfe, ja oder nein" ergänzt werden: Wer sie wann möchte - oder eben auch nicht.
Keine Frage, das Alter gehört zum Leben ebenso wie Kindheit und Jugend. Wer aber Angst hat, den Zeitpunkt zu verpassen, an dem er nicht mehr Herr seiner Sinne ist und vor allem: wer vermeiden möchte, über Jahre, vielleicht Jahrzehnte gepflegt zu werden, sollte die juristisch saubere Chance dazu bekommen. Der Gesetzgeber könnte ein Beratungsgespräch ähnlich wie etwa vor einem Schwangerschaftsabbruch zur Pflicht machen. Möglicherweise auch mehrere Gespräche, vielleicht sogar im jährlichen Turnus.
In den Niederlanden ist die aktive Sterbehilfe seit April 2001 weitgehend entkriminalisiert. Voraussetzung für die Unterstützung beim Sterben: Der Patient leidet aussichtslos, er äußert den Willen zur Sterbehilfe ausdrücklich und frei. Willkür und Missbrauch, wie von etlichen Kritikern befürchtet, haben sich nicht bestätigt. Im vergangenen Jahr sind so 2700 Niederländer freiwillig aus dem Leben geschieden. Von einem gesellschaftlichen Druck auf Alte und Kranke, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, kann daher keine Rede sein. Der Run auf die Sterbehilfe - es gab ihn nicht.
Die Würde des Menschen ist unantastbar - auch wenn es um den Tod geht.
Lesen Sie auf der nächsten Seite die Gegenmeinung: Warum der selbstbestimmte Tod eine Abkürzung zum Tod darstellt, die den Menschen eine grundlegende Sicherheit raubt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
- Diskussion um aktive Sterbehilfe Das Recht auf Tod 26.03.2010
- Italien Todesurteil oder Erlösung? 14.11.2008
- Vorbereitung auf den Tod "Ich könnte selbst oft heulen" 15.09.2009
- Sterbehilfe Hilflos angesichts der Hilflosigkeit 17.06.2009
- Diskussion um Sterbehilfe Am Scheideweg 15.07.2009
- Stilduell: Grillen Fleischeslust? Würstelfrust! 08.06.2010
- Stilduell: Kaffee im Pappbecher Coffee to go home! 25.09.2009
Wettmanipulation im Fußball
Die Würde ist unantastbar ... von jedem Menschen, für mich beinhaltet es das Leben und den Tod.
Geht die Würde des Lebens verloren, weil man austherapiert ist oder halt es nichts mehr gibt, warum den Menschen nicht in Würde gehen lassen?
Der Unterschied zu einem Tierhalter ... sieht er sein Tier elendig leiden, kann er jederzeit sein Tier in Würde erlösen. Das Tier muss nicht vor sich hinsiechen ....
Die Inanspruchnahme einer Sterbehilfe oder die Letzte-Wille-Pille für Menschen über 70 Jahre (MA) sind auch eine Frage der Freiheit, die als Abwesenheit äußerer, innerer oder durch Menschen oder Institutionen (Staat, Gesellschaft, Kirchen) bedingter Zwänge verstanden werden kann.
Gerade bei diesem Problem darf die Entscheidungs- und Willensfreiheit des einzelnen Menschen nicht durch irgendwelche äußeren Einflüsse gelenkt werden. Der Mensch hat ein Recht auf Emanzipation, auf Freilassung. Keiner darf ihn diesbezüglich durch noch so ausgefeilte, meist sophistisch-religiöse Philosophien beeinflussen, denn ihre Weisen wissen meistens selber nichts, sie meinen, glauben und wiederholen Lehren und Gruppengebote. - - -
Écrasez linfáme" (zerschmettert die Niederträchtige): Dieser antiklerikale Schlachtruf Voltaires gegen die religiöse Bevormundung hat auch heute noch Gültigkeit, denn das Machtstreben einiger solcher Gruppen, über Leben und Tod und darüber hinaus, ist gut verpackt und schwer durchschaubar. Es handelt sich oft mehr um unreine inspirierte Äußerungen zwecks Machterhalt und so binden sie aber schwer zu tragenden Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen ..., hier der dem Tode nahen. (Matthäus 23:4) - - -
Es stellt sich aber auch die Frage nach Liebe und Barmherzigkeit, falls einige Zeitgenossen der Meinung sind, dass der kranke und dahinsiechende Mensch noch nicht genug gelitten hat, aus welchen Gründen auch immer. - - -
Eine solche Entscheidung, diese große Selbstbestimmung in Freiheit und Würde, ist ein Teil des Übermenschen und der braucht nicht durch die Verantwortung der Gesellschaft * (lies religiöse Gruppen) geschützt werden, auch [nicht] vor sich selbst. *, denn Ihr seid Götter (Jesus, Joh. 10:34). - - -
Aber, unausweichlich immer enger, leise, leise - ziehen sich die Lebenskreise, - schwindet hin, was prahlt und prunkt, - schwindet Hoffen, Hassen, Lieben, - und ist nichts in Sicht geblieben - als der letzte dunkle Punkt. (Ausgang, Theodor Fontane, 1819-1898) - - -
Doch Mutter Natur ist eine die zum Leben ruft. Und nicht zum Tod. * Es hat ihr daher gefallen, nach dem letzten dunklen Punkt, das Leben sofort wieder einzuschalten, umsonst so war es immer schon. - - - * Sarina Pfauth
ich kann gut verstehen warum man für aber auch gegen aktive sterbehilfe argumentieren möchte.
auch ich finde, dass leben nicht leichtfertig weggeworfen werden sollte und ja, leiden gehört zum leben.
das einzige problem ist, dass wir inzwischen mit dem medizinischen wissen das wir heute haben, das zum leben gehörende leiden für viele menschen sinnlos ins gefühlt unendliche ziehen können und dies wird auch praktiziert.
wo früher ein alter kranker mensch ab einem gewissen Punkt noch eine überschaubare Zeitspanne zu leiden hatte bevor es zu ende ging, kann man heute durch künstliche Ernährung, Beatmung, Reanimation etc immer noch eine Woche, noch einen Monat aus diesem Menschen herausholen, die...verzeihen Sie mir wenn ich jetzt sehr zynisch werde... vom Krankenhaus bzw. Pflegeheim abgerechnet werden können.
Aus solchen Umständen heraus erst kann der Wunsch nach einer aktiven Sterbehilfe heraus erst entstehen.
Der momentanen Diskussion um die aktive Sterbehilfe fehlt eindeutig der Aspekt der Frage, ob wirklich immer medizinisch alles gemacht werden muss was geht. Daran hängt wieder die Frage ob wir das Leben wirklich ehren, indem wir glauben noch einen weiteren Tag Lebenszeit aus einem Menschen herauszupressen, einfach weil wir technisch dazu in der Lage sind.
Gerade gläubige Menschen bringen oft das Argument an, dass jeder Lebenstag zählt. Ich persönlich frage mich aber als gläubiger Mensch oft, ob es im Sinne welcher höheren Macht auch immer sein kann, dass man mit Technik und Wissenschaft der Natur immer noch ein Schnippchen schlagen möchte.
Leben ist wertvoll. Darüber brauchen wir nicht diskutieren.
Und jeder Mensch der um sein Leben kämpfen möchte, soll all unser medizinisches Wissen zur Verfügung stehen.
Doch den Menschen, die wissen dass ihre Zeit gekommen ist, und für die jeder neue Tag eine neue Qual bedeutet, ohne jeder Chance auf Heilung und nicht einmal Linderung, vorzuwerfen dass sie suizidal wären ist einfach nur furchtbar.
In unserer Gesellschaft ist eine Grundsatzdiskussion über den Sinn der Ausschöpfung aller medizinischen Mittel bis zum Schluss nötig.
Denn so wie es jetzt ist hat so gut wie niemand, der im Alter todkrank wird, eine Chance auf einen würdevollen Abgang. Der Weg der uns momentan vorgezeichnet ist, sollten wir nicht das Glück haben durch Infarkt oder Schlaganfall schnell dahingerafft zu werden und sollten wir uns nicht bald genug um die Patientenverfügung und um deren Durchsetzung gekümmert haben
Menschen sind verschieden. Dem einen gefaellt es, sich pflegen zu lassen, fuer den anderen ist das ein Horror. Wie heisst es im Grundgesetz? - also keine Verallgemeinerung, die einzelne Person sollte je nach ihrem Empfinden entscheiden koennen.
Auch bei uns in Belgien ist Sterbehilfe erlaubt und gesetzlich geregelt. Ein Missbrauch ist dadurch nicht moeglich. Auch bei uns spricht man zur Zeit ueber die Suizidpille. Ich glaube nicht, dass das in Massensuizid enden wuerde, diejenigen, die aus dem Leben scheiden wollen, werden es tun, ob durch Erhaengen, Erschiessen, Vergiften, aus dem 12. Stock springen. Mit der Suizidpille bliebe die Wuerde gewahrt, auch fuer die Angehoerigen waere es so sicher weniger traumatisierend.
In 5 Jahren gibt es von Apple dann passend zur Legalisierung den "DiePod".
Statt in den letzten 3 Jahren 90% der für eine Person angesetzten Mittel zu verbrauchen, gibt es eine günstige Pille - natürlich mit vorgeschalteter Willensklärung, an der sich nochmal die Juristen eine goldene Nase verdienen können, die das "Problem löst".
Paging