Die Präimplantationsdiagnostik ist ein weiterer Schritt zur Nachwuchsoptimierung. Dahinter steht der Wunsch nach einem perfekten Kind - der hat etwas Unmenschliches. Wer ein Kind erwartet, muss darum "Ja" sagen, nicht "Ja, aber".
Kinder sind ein Geschenk Gottes, sagt man. Doch schon lange wird dieses Geschenk nicht mehr vorbehaltlos angenommen, als Überraschung quasi. Die meisten Eltern wollen genau wissen, wann es kommt, und sie haben konkrete Vorstellungen, was drin sein soll.
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Immer genauere Tests und Screenings prüfen, ob das Kind der Norm entspricht: Aus dem Wunschkind ist ein Wahlkind geworden. (© obs)
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So wird der Zeitpunkt der Geschenkübergabe hinausgezögert, bis der richtige Partner gefunden und die Karriereplanung so weit vorangetrieben ist, dass sie durch den Nachwuchs keinen allzugroßen Knick erfährt. Während der Schwangerschaft hilft eine Flut von Ratgebern den Frauen bei der Ernährung, damit sich der Nachwuchs optimal entwickelt. Krankheit und Behinderung kommen in diesem Konzept nicht vor. Stattdessen prüfen immer genauere Tests und Screenings, ob das Kind der Norm entspricht. Aus dem Wunschkind ist ein Wahlkind geworden.
In dieser Logik ist die Präimplantationsdiagnostik (PID) nur ein weiterer Schritt auf dem Weg der Nachwuchsoptimierung. Sie ist ein neuer Versuch, das Risiko Kind zu kontrollieren. Schon heute entscheiden sich die allermeisten Schwangeren gegen ihr Kind, wenn sie erfahren, dass es zum Beispiel Trisomie-21 hat.
Auch wenn bei Abtreibung von behinderten Kindern rechtlich die Mutter angeführt wird, der die seelische Belastung nicht zugemutet werden könne - schon jetzt treffen Ärzte und Eltern defacto ein Urteil über den Wert des Lebens. Die PID verlegt diese Entscheidung nur nach vorne: Statt im Bauch der Mutter nach möglichen Schäden des Embryos zu fahnden, erfolgt die Untersuchung nun schon im Reagenzglas.
Es ist darum irreführend, wenn Politiker der Union nun ethische Grundwerte bedroht sehen. Die Werteverschiebung ist nur graduell. Deswegen ist sie aber nicht weniger bedeutsam. Die Einstellungen einer Gesellschaft zum Leben und zu ihren Kindern wandeln sich schleichend. Und sie werden sich durch Gesetze kaum festlegen lassen.
Darum hat auch der Vorstoß der Kanzlerin etwas Hilfloses. Angela Merkel fordert ein Verbot von PID - und hat zwar recht, wenn sie sagt, es sei unmöglich, zwischen einer schweren und einer weniger schweren genetischen Krankheit zu unterscheiden. Doch wird sie langfristig kaum verhindern können, dass diese Unterscheidung immer wieder versucht werden wird.
Ein Werturteil über das Leben
Das liegt nicht nur daran, dass es in der Medizin die Tendenz gibt, das technisch Mögliche auch zu machen - und sei es im Ausland. Auch moralisch kann man es im Einzelfall kaum durchhalten, Eltern den Gentest zu verbieten. Wer will über eine Mutter richten, die nach mehreren Fehlgeburten sich jene Embryonen aussuchen will, die eine Chance haben, es zu schaffen? Ein solcher Fall war es, der den Bundesgerichtshof im Sommer zur Freigabe der PID veranlasste. Und wer mag Menschen verurteilen, die an einer Erbkrankheit leiden und diese nicht weitergeben wollen? Wer darf sagen, ihr müsst dieses Leid ertragen?
Die Position der FDP, die die PID bei Paaren mit "schweren" Erbkrankheiten freigeben will, scheint da zunächst realitätsnäher zu sein. Doch auch die Liberalen werden Mühe haben, die Grenze zwischen "schwer" und "weniger schwer" zu ziehen; zumal sie damit auch ein Werturteil über das Leben sprechen. Auch ist die Sorge berechtigt, dass sich diese Grenze allmählich verschieben wird. Am Anfang geht es um dramatische Einzelschicksale. Doch irgendwann reicht vielleicht das Argument, dass die Wahl der besten Embryonen die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung erhöht.
Merkel will die schwierige ethische Entscheidung im Bundestag freigeben. Die Abgeordneten sollen ohne Fraktionsdisziplin entscheiden. Gebraucht wird eine Lösung, die weder Paare ideologisch bevormundet noch sich unreflektiert dem technisch Möglichen verschreibt. Ein Aspekt könnte sein, die Paare viel mehr als bislang zu beraten. Das findet ja nicht einmal bei der heutigen Früherkennung statt.
Wie selbstverständlich schicken Frauenärzte viele Schwangere zu Untersuchungen zum "Ausschluss von Fehlbildungen", ohne sie je gefragt zu haben, wie sie zu einem Leben mit einem behinderten Kind stünden. Eine solche Beratung wäre gerade angesichts der Werbekampagnen wichtig, mit denen die Reproduktionsmedizin auftritt. Die berichtet immer stolz von Frauen, die mit 40 Jahren ihr erstes Kind erwarten. Und nährt so nur den Glauben, der Kinderwunsch könne unbegrenzt verschoben, jederzeit realisiert werden.
Die Entscheidung für ein Kind wird immer ein Wagnis bleiben. Und das nicht nur, weil sich die allermeisten Behinderungen, mit denen Kinder auf die Welt kommen, in keinem Test je feststellen lassen. Auch bei der Geburt kann es zu Komplikationen kommen. Später kann ein Kind verunglücken oder sich anders entwickeln, als die Eltern dies wollten. Der Wunsch nach einem perfekten Kind hat, zu Ende gedacht, auch etwas Unmenschliches.
Es ist ein Anspruch, dem auch das Kind selbst nicht gerecht werden kann, der es überfordern muss. Wer ein Kind erwartet, muss darum auch heute noch "Ja" sagen, und nicht "Ja, aber". Es ist eine Entscheidung für das Leben. Mit all seinen Fehlern, aber auch mit seiner Vielfältigkeit. Mit Glück und Unglück und mit Überraschungspaketen.
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(SZ vom 20.10.2010/pfau)
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Ist es nicht der Sinn des Solidaritätsprinzips, Menschen bei Problemen und Schicksalsschlägen nach ihrer Bedürftigkeit zu unterstützen?
Wenn Sie jetzt bei der PID anfangen zu überlegen, ob das nicht die Betroffenen bezahlen sollen, stelle ich Ihnen die Frage, was ist mit Rauchern, die an Krebs erkranken? Was ist mit Sportverletzungen? Müssen die immer selber gezahlt werden oder nur wenn es sich nicht um einen Profi-Fussballer handelt, der mit seinen Leistungen ja die Gesellschaft unterhält? Aber halt, die Gesellschaft (Solidargemeinschaft) ist es ja, die den Sportler bezahlt (GEZ für TV-Rechte). Und was ist, wenn sich z. B. bei einer Stoffwechselerkrankung später herausstellt, dass es an der Ernährung des Patienten lag, muss er dann die Kosten nachträglich zurückzahlen? Darf er dann versuchen die Nahrungsmittelindustrie auf Erstattung der Behandlungskosten zu verklagen? Und wenn der Patient verstorben ist, müssen die Erben ran?
Wenn es Ihnen nicht passt, dass die Solidargemeinschaft unabhängig vom Risiko des Patienten zahlt, verabschieden Sie sich doch aus der Solidargemeinschaft und schliessen Sie eine private KV ab. Aber heulen Sie dann nicht, wenn Sie bei einer Erkrankung, und daraus evtl. resultierender Erwerbslosigkeit, die Beiträge nicht mehr zahlen können.
Viele Frauen müssen nach Abtreibungen psychiatrisch behandelt werden, weil sie die (Mehrfach) Abreibung psychisch nicht verkraftet haben. Die GKV und somit Solidargemeinschaft muß also doppelt zahlen – die Abtreibungskosten und psychiatrischen Behandlungskosten
Ich selbst habe mich ganz bewußt gegen Nachwuchs entschieden. Wäre damals schon PID in Grenzen erlaubt gewesen, wie der Bundestag nun beschlossen hat, hätte ich sie NICHT gemacht, denn ich denke, daß es nicht gut ist der Natur und dem Schicksal eines Menschen ins Handwerk zu pfuschen. Denn alles was passiert hat seinen Sinn und beinhaltet auch Lernaufgaben für den Menschen.
PID ist in Grenzen nun in der BRD erlaubt. Für mich bleibt da die Frage: WER BEZAHLT PID? Die GKV und somit die Solidargemeinschaft oder das betroffene Paar SELBST? Wer also PID anwenden will, um diese und jene Erbkrankheit bei seinem Nachwuchs auszuschließen, der muß sie auch SELBST bezahlen, und NICHT die Solidargemeinschaft, also die GKV dafür in Anspruch nehmen.
Die Genetik bei der Kinderzeugung wird immer ein Roulettespiel bleiben, weil man nie weiß, welche Genkombination eintreffen wird.
Hierzu ein Beispiel: Mein Bekannter und seine Frau sind GESUND. Die älteste Tochter ist auch GESUND geboren. Die zweite und jüngste Tochter ist TAUB geboren. Bei der nachträglichen genetischen Untersuchung der Eltern stellte sich heraus, daß Vater und Mutter JE EIN Gen haben, daß bei KOMBINATION zu Taubheit führt.
Die Frau wollte gern ein drittes Kind, ihm war das Risiko auf Taubheit beim dritten Kind zu hoch. Er hat sich sterilisieren lassen.
Sollen nun alle Menschen ab der Pubertät genetisch gescreent werden, um solche Fälle oder andere Fälle ausschließen zu können? Woran will man fest machen, WAS eine SCHWERE Erbkrankheit ist? Will man auch Embryonen aussortieren, deren Großeltern im Leben an Depressionen erkrankt waren und somit eine genetische Disposition für Depressionen haben könnten und das Risiko besteht, daß sie trotz psychiatrischer Behandlung Suizid begehen könnten?
Ich habe jetzt ganz bewußt übertrieben, um aufzuzeigen, wie SCHWER es ist die Grenze zu ziehen für die Bezeichnung schwere Erbkrankheit.
Es geht doch bei all dem, was in der High Tech Medizin möglich ist, sowieso NUR UM DAS GELD. Ich bin dafür, daß auch Abtreibungen, künstliche Befruchtungen und PID von den Betroffenen VOLL SELBST BEZAHLT WERDEN MÜSSEN. Dann würden sich einige Frauen eine Abtreibung oder künstliche Befruchtung überlegen. So weit ich weiß, werden künstliche Befruchtungen zu 50 % von der GKV mitgetragen.
Viele Frauen müssen nach Abtreibungen psychiatrisch behandelt werden, weil sie die (Mehrfach) Abreibung psychisch nicht verkraftet haben. Die GKV und
Sehr geehrte Frau von Hardenberg,
ich frage mich, wie ein derartiger Artikel zustande kommt? Haben Sie je mit Fortpflanzungsmedizinern, mit in der Beratung tätigen Humangenetikern oder gar mit Betroffenen geredet? Oder doch nur mit Ihrem Seelsorger? Sie haben offensichtlich keine Vorstellung, was ein Paar alles durchgemacht hat, bevor es sich zur In-vitro-Fertilisation und im Rahmen dieser zu einer PID entscheidet? Sie haben offensichtlich nicht die leiseste Ahnung davon, was allein die IVF an körperlicher Belastung für eine Frau bedeutet und keinen Schimmer, was es heißt, nach einer IVF wiederholt "vergeblich" schwanger gewesen zu sein. Sie schreiben hier in einer unverantwortlichen Leichtfertigkeit über Dinge, die Sie nicht im entferntesten kennen, und unterstellen den Befürwortern der PID, Kinder "nicht annehmen" zu wollen, wenn sie nicht wunschgemäß seien. Hier geht es aber nicht um "perfekte" Kinder oder um "Designer-Babies". Hier geht es um verzweifelte Menschen, die einen Kinderwunsch haben. Und die werden ihn nicht deswegen unerfüllt lassen, weil keiner der Embryonen künftig blaue Augen haben sollte. In welch realitätsferner Welt leben Sie eigentlich, dass Sie derart unmenschliche Artikel schreiben? Traurig, dass die Sueddeutsche etwas derartiges druckt.
darauf gibt es eine einfach Antwort: Krankheiten bei denen klar ist, daß das Kind auf JEDEN FALL stirbt- und nur durch unsere Medizin qualvoll am Leben erhalten wird-und ansonsten auf natürliche Weise früher oder bei Geburt sterben würde.
Manchmal sollte man eben auf die Natur hören. Man meint wahrscheinlich, daß ich Verfechter des Modernen bin- Nein-im Gegenteil. Ich bin nur gegen das Verbot- da es ja schon JETZT gegen die Natur geht.
Ich würde niemals zustimmen Behinderungen "auszusortieren".
Es gibt einen Unterschied zwischen Behinderung und einer tödlichen Krankheit.
Und es geht ja nicht darum, daß man Menschen dies "befiehlt"- sondern sie sollten die Möglichkeit haben dies zu entscheiden.
Es wird sicher genügend Eltern geben, welche trotz Ergebnis ihr Kind bekommen werden. Denn das Ergebnis wissen bedeutet niemals sicher, daß die Eltern daraufhin entscheiden es nicht zu bekommen.
Es machen ja alle so, als würden Behinderungen aussortiert werden sollen. Das stimmt so nicht.
Ich z.B. würde niemals ein Kind mit Down-Syndrom abtreiben-wieso auch?
Aber schmerzhafte, tödliche Erkrankungen-welche sich durch die heutige Medizin verlängern: ja, solch eine Erkrankung würde mich überlegen lassen. Was man letztendlich entscheidet ist eh eine andere Sache.
Und was fürn Quark mir zu unterstellen, daß ich die Büchse der Pandora öffnen wolle und Behinderten das Lebensrecht nehmen würde.
Ich denke, daß es auch Behinderte und ihre Angehörigen sind, welche bei sowas ebenso sicher gehen möchten.
Man macht ja grad so, als ob Behinderte nie schwanger würden- und sie diese Frage nicht genauso beträfe. Auch Behinderte haben keine Einheitsmeinung-und ich wette, daß einige ebenso für diese Untersuchung sind.
Es ist eher diskriminierend, wenn man einer Menschengruppe eine Meinung überstülpt.
Soviel dazu-ich beende meine Kommentare hierzu. Schönen Tag allerseits.
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