Von Eckhart Nickel

Für die Krawatten der Brooks Brothers gilt, wie Lincoln die geschlagenen Konföderierten behandelt haben wollte: Let 'em up easy.

Auf den wirklich sensationellen Prelaunch- Seiten der brandneuen Ästheten-Enklave mit Namen ilikemystyle.net, wo entgegen den immergleichen, fast schon zu perfekten und somit auch langweiligen Bildern von thesartorialist.com in anarchistischer Abfolge spontane Momentaufnahmen aus dem Leben der modeinteressierten Teilnehmer präsentiert und kommentiert werden, hat vor allem ein Objekt verdächtig viele Auftritte: die Brooks Brothers-Krawatte von Thom Browne.

Die Krawatte

Die Krawatte (© )

Anzeige

Seine Anzüge, die überall hoch- und runtergejubelt werden, halten zwar nicht ganz, was sie versprechen, aber ihm ist es zu verdanken, dass der traditionelle Binder seine lange überfällige Rückkehr in die Welt des Casual Chic feiert. Den Halsschmuck trägt man selbst zum aus der Jeans hängenden Hemd mit oder ohne armlosen Woll-Pullunder, um auch außerhalb der offiziellen Bürozeiten ein Zeichen gegen den stilistischen Verfall unserer Alltagswelt zu setzen.

Brooks Brothers selbst müssen wir hier nicht mehr groß vorstellen. Der älteste noch existierende Herrenschneider Amerikas aus dem numerologisch wertvollen Jahr 1818 (Quersumme: ebenfalls 18!) trägt nicht von ungefähr als Symbol das Goldene Vlies, nach dem bereits Jason und die Argonauten jagten. Das in einer Schleife hängende Schaf (manche sagen, es sei ein sprechender und fliegender Widder, wie in der Sage) war ursprünglich das Signum flämischer Wollhändler im 15. Jahrhundert, und bedeutet bis heute bei den New Yorkern sagenhafte Verarbeitung, die von Abraham Lincoln über Andy Warhol bis Wes Anderson alle Generationen des Stils in Amerikas schätzen.

Die Krawatten von Browne tragen zwar die typischen Streifen im selben Winkel, allein etwas breiter und bisweilen ohne dünne Substreifen. Für sie gilt, wie Lincoln die geschlagenen Konföderierten behandelt haben wollte: Let 'em up easy.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(SZ vom 24.11.2007)