Der TV-Talkerin Barbara Walters hat Hunter in einem Telefonat gestanden, wie unglücklich sie nun über das Interview und die Fotos und die ganze Aufregung in Amerikas Medien ist. "Sie findet die Bilder abstoßend", erzählt Walters aus dem angeblich zweistündigen, tränenreichen Telefongespräch. Und auf die Frage, warum sie denn überhaupt so posiert habe, habe Hunter geantwortet, dass sie sich dem "Fluss des Geschehens überlassen" habe. So wie damals, als sie ihren Johnny traf.

Rielle Hunter; Foto: AP

Rielle Hunters Geschichte ist wie erfunden für die Klatschpresse. (© Foto: AP)

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Aufgedeckt hatte die ganze Affäre übrigens das Magazin National Enquirer. Das ist eines jener auf billigem Papier gedruckten Klatsch- und Tratschblätter, die es an den Kassen in allen Supermärkten Amerikas für wenig Geld gibt. Da kann man Sensationsberichte von Marsmännchen lesen, die jemand in der Wüste Arizonas gesehen haben will (oder war es New Mexico?). Geschichten über Brad Pitt, der heimlich doch zu Jennifer Aniston zurückgekehrt ist (oder war es umgekehrt?). Und eben Storys über das Liebesleben prominenter Männer wie Tiger Woods oder John Edwards.

In beiden letzteren Fällen erwies sich der als eher unglaubwürdig eingeschätzte National Enquirer als zuverlässige Quelle. Und er hatte die Geschichten exklusiv, wie die seriöser arbeitenden Medien stirnrunzelnd feststellten. Die Billiggazette macht kein Hehl daraus, dass sie für Informationen dieses Kalibers viel Geld zahlt.

Dennoch erwägt die Jury des Pulitzer-Preises, der angesehensten Auszeichnung für Journalisten in den USA, offenbar in diesem Jahr erstmals ernsthaft die Vergabe des Preises an den National Enquirer. Was die renommierten Medien noch mehr in Wallung bringt: "Es ist in etwa so, als würde man einen Pornostreifen für einen Oscar nominieren", schäumt der San Francisco Examiner.

Die Enthüllungen hatten weitreichende Folgen, vor allem für Edwards. Seine politische Karriere ist zweifellos zu Ende. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Ehe mit seiner krebskranken Frau Elizabeth ging in die Brüche. Wiederholt musste er vor laufender Kamera gestehen, dass er bisher die Öffentlichkeit angelogen hatte. Letzteres treibt viele Wähler in den USA um: Wie kühl kalkulierend der Kandidat Edwards die Wahrheit verbogen hat. Das wiederum macht die Enthüllungen des Enquirers politisch und journalistisch bedeutsam: Denn Edwards war immerhin Vizepräsidentschaftskandidat seiner Partei im Jahr 2004, und auch nach seiner Niederlage im Kandidatenrennen der Demokraten 2008 galt Edwards durchaus als Anwärter für hohe Ämter.

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(SZ vom 17.03.2010/leja/bre)