Ulla Schmidt und Horst Seehofer wollen Dicken beim Abnehmen helfen. Sie legen einen Diätplan auf den Tisch, von dem Kritiker aber sagen, er sei nicht streng genug.

Abnehmen soll leichter werden: Das ist das Ziel von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU). Weil die meisten Bürger zu viele Pfunde auf die Waage bringen, wollen beide Minister eine Art Diätplan auf den Tisch legen. Sie haben noch viel zu tun: Der Kampf gegen Übergewicht ist nicht neu, die Ergebnisse von Studien aber sind alarmierend. Junge Erwachsene werden immer dicker. Und je geringer der Schulabschluss, desto größer das Übergewicht.

Vegetarisches Essen; dpa

Bewusst essen ist ein einfaches Rezept gegen Übergewicht. Aber auch das muss gelernt sein. (© Foto: dpa)

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In Deutschland nehmen Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu, die durch schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung mitverursacht werden. Viele Bundesbürger sind offensichtlich auch bequem. "Das bedeutet, dass nicht alle Menschen in der Lage oder willens sind", sich gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen, heißt es im Entwurf für den Aktionsplan Ernährung, über den das Bundeskabinett voraussichtlich noch vor der Sommerpause berät.

Vom Übergewicht in die Magersucht

Immer mehr Menschen haben ein gestörtes Verhältnis zum Essen, steht in dem Papier. Als Rezept gegen Übergewicht nehmen sich manche vor, nie mehr Süßigkeiten zu essen, Fett drastisch zu reduzieren und Radikaldiäten zu machen. Daraus entwickeln sich häufig Störungen wie Ess-Brechsucht oder Magersucht, warnt die Bundesregierung. Die Bilder extrem schlanker Models können diese Gefahr bei jungen Mädchen verstärken.

Auch im Alter nehmen die Risiken zu. Wer geistig oder körperlich beeinträchtigt ist, ist immer öfter untergewichtig und mangelernährt. Oft wird dies nach Einschätzung der Regierung erst auffällig, wenn Senioren in Heime kommen.

Viele Bürger sind Bewegungsmuffel. Rund ein Fünftel der Deutschen bewegt sich nicht im Alltag, bei Senioren sind es zwischen 28 und 41 Prozent, ergaben der "Gesundheits-Survey" 2003 und die "Deutsche Nichtbeweger-Studie" 2008. Das erhöht die Risiken. Schmidt und Seehofer empfehlen: Öfter zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren, Sport treiben. Weil Kinder immer öfter vor Computer oder Spielekonsole sitzen, soll es mehr Spiele geben, bei denen sie sich immerhin bewegen.

Rot, gelb oder grün?

Der Aktionsplan ist nicht das erste Projekt von Schmidt und Seehofer. Beide haben schon bei der Gesundheitsreform 2003 gemeinsame Sache gemacht. Der CSU-Politiker sprach damals von einer der schöneren Nächte, als er mit Ulla Schmidt den Knoten der Reform durchschlug. Diesmal ziehen beide an einem Strang, weil es um die Gesundheit der Verbraucher geht. Die Folgekosten von Volkskrankheiten werden auf rund 70 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Der Aktionsplan ist keine Radikaldiät, sondern ein Appell. Verbote sind nicht geplant. Mit der Wirtschaft soll allerdings über einen Verzicht von Werbung gesprochen werden, die sich an unter Zwölfjährige richtet.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast gingen die Pläne der Regierung schon im vergangenen Jahr nicht weit genug. Die frühere Verbraucherministerin fordert ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen und eine Ampel-Kennzeichnung auf Verpackungen wie in Großbritannien. Dabei zeigen Rot, Gelb und Grün an, ob viel, mittel oder wenig an Fett oder Zucker enthalten ist. Seehofer lehnt die Ampel als zu einfach ab, plant aber eine Kennzeichnung mit Zahlen und Farben.

Wenn die Deutschen einkaufen, achten sie bisher nicht sonderlich darauf, ob es sich um Dickmacher handelt - vor allem Männer nicht. 47 Prozent schauen beim Einkauf nicht auf den Zuckergehalt, 45 Prozent nicht auf Kalorien. Bei den Frauen sind es 29 Prozent, die sich nicht über den Zuckeranteil informieren, und 27 Prozent bei Kalorienangaben, ergab eine Infratest-dimap-Studie im Auftrag des Verbraucherministeriums.

Wie sehr die Bürger beim gemütlichen Fernsehabend auf den Inhalt von Chips und Süßigkeiten achten, ist unklar. Eine Studie des Instituts HumanLink zeigte aber, dass das TV-Programm entscheidend sein kann für die Auswahl potenzieller Dickmacher. Bei Horrorstreifen greifen die Deutschen gern in die Chips-Tüte, bei Liebesfilmen zur Tafel Schokolade.

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(dpa/mmk)