Deutsche Spitzenküchen 100 Restaurants, die man kennen sollte

Heimat ist dort, wo das Herz zu Hause ist - oder der Magen. Der Restaurant-Führer "Eat Germany" zeigt, wo es sich in Deutschland vortrefflich speisen lässt.

Von Mirja Kuckuk

An jeder Ecke lauert ein potentieller Lieblings-Italiener; ein Gasthaus versucht, das andere an Gemütlichkeit zu übertrumpfen. Dazu kommt: Den China-Restaurant-Boom der Achtziger löste die Sushi-Welle ab, und heute geht man bevorzugt zum "Thai nebenan". Wo in aller Welt soll man in Anbetracht der Restaurantdichte essen gehen?

Rach

Das "Tafelhaus" von Christian Rach zählt zu den gekürten 100 besten Restaurants - nicht nur wegen des überragenden Blicks auf den Hamburger Hafen.

(Foto: Foto: Tre Torri Verlag)

75.000 Mitglieder zählt allein der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, dem bei weitem nicht jede Crêperie oder Tapas-Bar angehört. Bei seinem Zug durch die Straßen orientiert sich der Hungrige bereits an der Tür. Sogenannte Qualitätsplaketten kleben dort auf Holz und Glas, Feinschmecker- und Stadtmagazine geben den Lokalitäten eine Note. Aufkleber vom Guide Gault Millaut und Guide Michelin scheinen "Tritt ein!" zu flüstern. Sie wirken wie Freifahrtscheine für ein Lokal, denn meist steht ein Sternekoch hinter dieser Tür in der Küche.

Über 200 Sterneköche tischen in Deutschland täglich auf. Dieser Crème de la crème hat sich der Restaurant-Führer "Eat Germany - 100 Restaurant, die man kennen muss" gewidmet. Der Hochglanz-Band aus dem Haus Tre Torri präsentiert auf 400 Seiten geadelte Küchenmeister, aber auch hochklassige Restaurants ohne Stern. "Denn", so Herausgeber Ralf Frenzel, "auch eine Currywurstbude kann ein hervorragendes Restaurant sein, wenn nicht nur Bier und Fleisch stimmen, sondern auch die Atmosphäre."

Aufklärung für den "Nicht-Gourmet"

Mit der Currywurstbude meint der gelernte Koch, Sommelier und ehemalige Restaurantbesitzer allerdings keine geringere Bude als das "Sansibar" auf Sylt. Dort in den Dünen haben bereits Johannes B. Kerner und Franz Beckenbauer Austern geschlürft - oder eben Currywurst gegessen.

Die Empfehlungen des Bandes halten sich also auf gehobenem Niveau - und sind angemessen aufbereitet. Das Softcover-Format (quadratisch und eine Zierde für den Design-Wohnzimmertisch) geizt nicht mit Food-Fotografien, die die Lust auf sofortige Restaurantbesuche wecken. Auf zwei bis vier Seiten je Restaurant wird der Küchenchef porträtiert, ein Auszug aus seinem Speiseplan gezeigt und ein Blick aufs Interieur geworfen. Schicke Szene-Restaurants wie das Hamburger "Tafelhaus" von Christian Rach stehen neben der beschaulichen Burg Schwarzenstein im Rheingau, wo Sven Messerschmidt seinen Stern verteidigt.

"44" heißt das Restaurant, in dem Tim Raue die Hoheit über die Töpfe hat. Raue, der sich seit 2007 mit einem Michelin-Stern schmücken darf, macht den Auftakt zu dem alphabetischen Führer. Seine Kochkunst wertet derzeit den Berliner Ku'damm kulinarisch auf. Bei ihm speist der Feinschmecker über Berlins Dächern auf einer schicken Terrasse.

Neben Jungstars wie Raue führt der Guide auch altbekannte Größen wie Hamburgs Star- und Fernsehköchin Cornelia Poletto oder Harald Wohlfahrt auf. Ein wenig belehrend wird dem sogenannten Nicht-Gourmet erklärt, dass es sich bei Wohlfahrts "Schwarzwaldstube" mitnichten um ein gutbürgerliches Lokal handelt. Vielmehr wüssten Feinschmecker in aller Welt, dass der 3-Sterne-Koch seit nunmehr 15 Jahren ganz oben mitkocht. Dank "Eat Germany" wissen das nun auch hartnäckige Ingnoranten.

Kritische Töne sind in dem Guide freilich nicht zu finden. Denn Partner des Verlags, der sich ausschließlich der Kulinarik widmet, ist bei diesem Projekt American Express. Auch dessen "Plakette" klebt weltweit an unzähligen Restauranttüren - die hier getroffene Auswahl von Restaurants gehört dazu. Der Untertitel des Buches - "100 Restaurants, die man kennen muss" - mutet in diesem Kontext leider eine Spur zu marketingstrategisch an.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei den besagten hundert unbestritten um deutsche Vorzeige-Lokale. Die Granden der deutschen Küchen wirken in den Metropolen Hamburg, Berlin, München und Frankfurt. Aber häufig auch ganz versteckt, in Orten, deren Namen man nie gehört hat. Wen also das Restaurantangebot vor der eigenen Tür noch nicht erschlagen hat, kann mit diesem sehr ansprechend aufgemachten Buch gezielt die Reise durch das kulinarische Deutschland antreten. Denn was das Essen betrifft, so erfahren wir, sind selbst Großhesselohe, Fischbachtal und Sonnenbühl-Erpfingen eine Reise wert. Vorausgesetzt, die Reisekasse stimmt.

"Eat Germany - 100 Restaurants, die man kennen muss", Tre Torri Verlag, 40 Euro