sueddeutsche.de: Sie sprechen von "Spaß" - die Mütter können sich den Luxus nicht leisten, zu sagen: keine Lust auf Säuglingspflege.
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Gillies: Sie tun sich dafür auch wesentlich leichter. Es ist nunmal so, dass sich ein Mann an seine neue Rolle erst einmal gewöhnen muss. Ein Tag mit dem Kind ist für uns extrem schwierig, weil wir bei null anfangen. Die meisten Mütter beherrschen das von Natur aus. Ich habe das in einer sogenannten 2:1-Regel beschrieben. Wenn ein Mann einen Tag lang ein Kind betreut, zählt das wie zwei Tage bei einer Frau.
sueddeutsche.de: Moment - männliche Betreuung ist doppelt so viel wert wie weibliche, wie bei Fernsehköchen und Zeugwarten, die Hausarbeit plötzlich zu einer kreativen, wertvollen Tätigkeit erheben? Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder?
Gillies: Aber nein, sie wird von Männern nur als doppelt so anstrengend empfunden! Ich sage das voller Hochachtung. Untersuchungen haben ergeben, dass der männliche Körper beim Einkaufen ähnlichen physischen Belastungen ausgesetzt ist wie in einem Kampfjet. Ebenso ist es bei der Betreuung. Wenn das zuvor nicht eingeübt wird, treten den Vätern gleich die Adern hervor. Auch ich war zunächst am Limit. Es mag Männer mit natürlichem Zugang geben. Ich kenne keine.
sueddeutsche.de: Dann überlassen Sie die Erziehung in den ersten Jahren also lieber der Mutter?
Gillies: Nein, ich habe von Anfang an mitgemacht, aber ich laufe abends nicht rum und sage: "Ich gehe völlig darin auf und für mich ist es das Schönste!"
sueddeutsche.de: Und was sagen Sie stattdessen?
Gillies: Das, was jede gute Mutter abends sagt: "Ich sitze heute zum ersten Mal. Ich bin fertig. Ich will nicht reden. Ich habe Kopfschmerzen!"
sueddeutsche.de: Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle?
Gillies: Nur bedingt. Als Mann betritt man eine Welt, die für die Zielgruppe Frau gemacht ist und auf Väter nicht eingestellt ist. Kommen Sie mal in so eine Runde, die nur aus Müttern besteht - da gibt es auf allen Seiten Vorurteile! Das wird meist nicht angesprochen, aber es existiert ein Revierverhalten. Ich denke jedoch, wenn es erst einmal mehr Väter gibt, dann ändert sich das mit der Zeit.
sueddeutsche.de: Aber Sie ermutigen die Männer in Ihrem Buch ja auch nicht gerade, um jeden Preis durchzuhalten.
Gillies: Ich ermutige dazu, es einmal auszuprobieren, aber es nicht auf ein Podest zu stellen. Wenn sie merken, dass es nicht klappt, sollten sie sich eingestehen: Das Säuglingsding ist nichts für mich, da habe ich keinen Spaß dabei. Genau das schaffen die meisten nicht.
sueddeutsche.de: In Ihrem Buch ist die Rede von "Monstern", "Brut" oder "Chucky, die Mörderpuppe". Warum haben Sie sich überhaupt Kinder angeschafft?
Gillies: Diese Frage musste ja kommen. Es gibt Tage, da sind meine beiden Kinder wirklich Monster. In meinem Buch erwähne ich auch den Grönemeyer-Hit "Kinder an die Macht" - diese Forderung ist der totale Unfug! Wenn Kinder an der Macht wären, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Kinder sind skrupellos und ohne Moral.
sueddeutsche.de: Klingt ja furchtbar.
Gillies: Man muss es einfach nur realistisch sehen. Bei so vielen Dingen ist man kritisch, nur bei Kindern nicht. Wenn ich meine beiden Kleinen in einem bestimmten Alter alleine gelassen hätte, wären sie sich an die Gurgel gegangen. Das darf man ruhig auch mal sagen.
sueddeutsche.de: Wissen Ihre Kinder, was da über sie im Buch steht?
Gillies: Was meine Kinder später mal zu dem Buch sagen werden, steht auf einem anderen Blatt. Ich fürchte, da komme ich in Erklärungsnot. Deshalb möchte ich hiermit anmerken, dass die schönen Momente überwiegen!
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(sueddeutsche.de/bgr)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Es ist einfach nicht immer richtig, von sich auf andere zu schließen.
Langweiliges Buch!
Altbekannte Macho-Sprüche ohne Selbstironie, die leider gar nichts mit echtem (schwarzen) Humor zu tun haben! Bequeme Vaterfigur ohne jede Spur von Begeisterung - dazu typisch unraffinierte Witze gegen moderne Rollenverteilung...
Nicht verwunderlich, dass die Kindererziehung diesen einfältigen Autor geistig und emotional überfordert haben muss. Umso nerviger sind die frustrierten Thesen bezüglich zufriedener Väter und Mütter.
Sohnemann zu kicken. Allerdings haben nur noch die wenigsten Frauen Lust auf langfristige Beziehungen mit Männern, die sich in familiärer Hinsicht die Rosinen aus dem Kuchen picken und den Rest den Frauen überlassen. Aber es ist das Recht eines jeden Auslaufmodells, noch schnell ein bisschen Geld machen zu wollen.
Nur: Warum bietet die SZ dafür ein Forum?
Inzwischen werden nicht nur völlig abwegige "wissenschaftliche" Untersuchungen in der SZ-Wissensredaktion vorgestellt ("Tests an 35 Probanden haben nach britischen Wissenschaftlern ergeben ... "), sondern auch noch Bücher, die so unfassbar platt sind, dass sie weder Geld noch Zeit lohnen. Leider passt die inzwischen wirklich nur noch ermüdende Aussage, dass - entgegen aller historischen und kulturellen empirischen Variabilität in Familienformen und Kinderbetreuungsregelungen - "die Natur" ja doch zufällig genau die konkreten Rollen für Männer und Frauen vorsieht, die sich in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts herausbildeten, nahtlos in die Stereotypen, die ansonsten in der Luft & Liebe-Kolumne verbreitet werden.
Was qualifiziert diesen Autor, mehr als ein persönliches "So-habe-ich-die-frühe-Vaterschaft-erlebt"-Buch zu schreiben - was ja völlig legitim wäre? Um seine persönliche Gefühlslage bzw. Leidensgeschichte als irgendwie repräsentativ darzustellen, bedient sich der Autor vermeintlich sozial- oder kulturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Bestes Beispiel: der Stress beim Einkaufen und im Kampfjet. Oder die 2:1-These, in der väterliche und mütterliche Kinderbetreuungstage in eine "wissenschaftliche" Relation gesetzt werden. Wo sind diese Forschungsergebnisse, die seinen subjektiven Gefühlen allgemeine Rechtfertigung verleihen sollen, denn valide veröffentlicht worden? Kann ich, weil ich ein Girokonto, einen Bausparvertrag und ein Tagegeldkonto habe, ein Buch über die Wirtschaftskrise mit allgemeinem Anspruch schreiben? Darf ich mir heute alle möglichen wissenschaftlichen Ergebnisse ausdenken, damit ich von der SZ rezensiert und interviewt werde? Zum Beispiel, dass "die Natur" es so vorgesehen hat, dass Banker Boni bekommen? Oder dass der tägliche Stress eines Börsenhändlers der einer durchschnittlichen Geburt entspricht? Oder dass Männer von Natur aus mit Geld einfach nicht umgehen können was man ja jetzt sieht? Dass in einer Bank ein Arbeitstag einer Frau zwei Arbeitstagen eines Mannes entspricht?
Ohne das Brimborium von "Kampfjets", "2:1 Relationen" und "der Natur" würden seine Thesen aber leider als genau das dastehen, was sie sind: das Jammern eines durch Kindererziehung überforderten Mannes, der sich nach der alten Rollenverteilung sehnt, in der die Frauen die oft ermüdende Kleinkinderbetreuung übernehmen, während er im Büro die Weltwirtschaftskrise analysiert, um nach dem Abendbrot noch ein Viertelstündchen mit S
Politisch korrekt wär's scho, wenn Pappi auch schwanger werden wollen täte. Dafür müsste sich aber Mammi andernteils ergänzen lassen !
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