Fühlt sich die Frau im Kreißsaal aber ausgeliefert, erhöhe sich das Risiko für Postnatale Depressionen und Angststörungen. Besonders gefährdet sind außerdem Mütter, die sehr jung sind, schon früher unter Depressionen oder Angststörungen litten, in einer schwierigen Beziehung leben oder nur wenig Unterstützung durch den Partner bekommen, sagt Goecke. Irgendwann lassen die Probleme meist von allein nach - doch so lange sollte keine Frau warten.

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"Eine unbehandelte Depression erhöht das Risiko für weitere Depressionen", warnt Prof. Krüger von der Charité in Berlin. Und auch Angststörungen könnten chronisch werden, fügt Reck hinzu. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum sich betroffene Mütter Hilfe holen sollten: "Wenn sich eine depressive Mutter aufgrund ihrer Erkrankung weniger mit dem Kind auseinandersetzt, kann dies die emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes langfristig beeinträchtigen", erklärt Goecke.

Verschiedene Behandlungsmethoden

Zur Behandlung gibt es verschiedene Verfahren: Bei leichten Depressionen hätten sich kognitive Verhaltenstherapien und die interpersonelle Psychotherapie bewährt, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Es klingt paradox: Doch besonders Mütter, die sich schon lange ein Kind wünschen, Fehlgeburten erlitten oder eine komplizierte Schwangerschaft hatten, leiden häufiger an diesen postnatalen Störungen, erklärt Goecke. "Unsere Forschung zeigte auch, dass es bei einer normalen Geburt, bei der die Gebärende das Gefühl der Kontrolle hat, seltener zu postnatalen depressiven Symptomen kommt."

Bei ersterer geht es darum, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu ändern. Bei letzterer versucht der Therapeut mit der Frau zu erarbeiten, wie sie besser mit den Veränderungen in ihrem Leben zurecht kommen kann. Bei Angststörungen übten Betroffene, sich ihren Ängsten zu stellen, erklärt Reck.

Zur Behandlung einer mittleren oder schweren Depression brauche es Medikamente, sagt Krüger, die zum Einsatz von Psychopharmaka bei postnatalen Depressionen geforscht hat. "Es gibt eine Reihe Antidepressiva, die nur zu einem geringen Teil in die Muttermilch übergehen und mit denen das Stillen ermöglicht werden kann."

Das sieht das IQWiG anders und ist vorsichtiger. Es gebe keine ausreichenden Daten, weshalb es extrem schwierig sei, einen Schaden für das Kind auszuschließen, sagt Hilda Bastian vom IQWiG. Müttern bleibe nichts anderes übrig, als mit ihrem Arzt über Nutzen und Risiken zu sprechen.

Auch Krüger rät betroffenen Müttern, dringend einen Psychiater aufzusuchen: "Die Frauen haben nicht einfach einen schlechten Tag, sondern eine behandlungsbedürftige Krankheit."

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(sueddeutsche.de/dpa/dog/pfau)