Bislang war es nur ein gefühlter Babyboom: Straßen, Cafés und Spielplätze sind voller gebildeter, junger Mütter und Väter. Nun ist es Wissenschaftlern gelungen, den ersten wissenschaftlichen Beleg für die demographische Trendwende zu finden: In Deutschland bekommen junge Frauen wieder mehr Kinder.
Die Geschichte des vermeintlichen Babybooms vom Prenzlauer Berg wird gerne erzählt. In dem trendigen Stadtteil Berlins, so hört man immer wieder, gebe es besonders viele gebildete junge Mütter und Väter, die ihre schicken Kinderwagen durch die Straßen schieben, ständig unterwegs zwischen Szenecafé, Kreativjob im Altbaubüro und Fitnessstudio. Die coolen "Latte-macchiato-Mütter", so scheint es, haben das Viertel erobert. Doch bisher war es allenfalls ein gefühlter Babyboom: Kein Demograph konnte belegen, dass junge Frauen mehr Kinder bekommen als ältere - das galt für den Prenzlauer Berg genauso wie für den Rest der Republik.
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Mutterglück: Frauen, die nach 1970 geboren wurden, entscheiden sich häufiger für Kinder als die älteren. (© dpa)
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Nun ist es Wissenschaftlern gelungen, den ersten seriösen Beleg für eine Trendwende zu finden. Joshua Goldstein und Michaela Kreyenfeld vom Max-Planck-Institut für demographische Forschung stellen in einem Aufsatz für die Population and Development Review fest, dass sich in den vergangenen Jahren offenbar etwas geändert hat: "Die Geburtsjahrgänge um 1970 scheinen die Trendwende zu markieren", sagt Institutsdirektor Goldstein. Die Frauen, die nach diesem Jahr geboren wurden - also heute 41 Jahre und jünger sind -, entscheiden sich häufiger für Kinder als die älteren.
Das ist noch kein neuer Babyboom, aber es deutet sich ein Wandel der Lebenseinstellungen an. Westdeutsche Frauen, die heute fünfzig sind, mussten sich oft zwischen Kind und Karriere entscheiden, weshalb bei ihnen die Kinderlosigkeit enorm hoch ist - höher als in fast allen Ländern. Doch die 30- und 35-Jährigen von heute scheinen das anders zu sehen. Sie wollen beides, Job und Nachwuchs. Und sie geben, wie sich in den Statistiken erstmals andeutet, keinen der beiden Wünsche vorschnell auf.
Nach der Rechnung der Rostocker Demographen dürften Frauen, die heute Mitte dreißig sind, im Schnitt etwa 1,6 Kinder bekommen. Für die etwas älteren, die derzeit Anfang vierzig sind, errechnen Goldstein und Kreyenfeld nur knapp 1,5 Kinder. Das klingt wie eine Petitesse, doch verbergen sich hinter einem Wert von 0,1 Kindern pro Frau etliche zehntausend Kinder jährlich. Außerdem ist es denkbar, dass der Wert nach der beobachteten Trendwende weiter steigt.
Wichtig ist allerdings, dass dies zum Teil noch Schätzwerte sind: Eine Frau, die heute Mitte dreißig ist, hat noch etwa zehn Jahre Zeit zum Kinderkriegen. Wie viele Kinder sie wirklich bekommt, weiß man erst in einem Jahrzehnt. Dennoch haben die Rostocker Forscher nicht blauäugig auf die Möhrenbrei-Offensive spekuliert. Für die älteren der Frauen stützen sie sich auf die realen Kinderzahlen der Meldebehörden; für die jüngeren Frauen arbeiten sie mit einer Fortschreibung des beobachteten Trends.
Die demographische Wende ist auch ein Politikum. Denn sie legt die Vermutung nahe, dass das Elterngeld und der Ausbau der Kitas langfristig doch Einfluss auf die Geburtenraten haben. "Die jungen Frauen sind die Ersten, die vom Ausbau der Kinderbetreuung profitieren", stellen Goldstein und Kreyenfeld fest. Auch das Elterngeld, das seit 2007 gezahlt wird, könnte zu der Trendwende beigetragen haben. Das wäre ein später Triumph für die frühere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Die CDU-Politikerin hatte ihre Familienpolitik stets auch mit der Hoffnung begründet, dass diese Politik zu mehr Kindern in Deutschland führen würde. In den vergangenen Jahren aber hatte kaum noch jemand an eine Umkehr des Trends zu weniger Kindern geglaubt.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 05.09.2011/bön)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
ich hatte gehofft, Deutschland schaffe sich ab. :-D
Nun, z.B. die, dass die Wohlhabenden sich nicht becircen lassen von der großzügigen Prämierung, die ihnen bei erfolgreicher Fortplanzung winkt, denn die Anzahl ihrer Nachkommen hat sich so gut wie nicht vermehrt.
Man könnte die zum Fenster herausgeworfene Geldzuwendung an sie somit getrost streichen und stattdessen dafür verwenden, z.B. alleinstehende Mütter zu unterstützen, die i.M. gezwungen sind, wenige Wochen nach der Geburt schon wieder arbeiten zu gehen, um nicht in HartzIV zu fallen und zusätzlich die Kinderbetreuung nach Beendigung der Elternzeit für sie sichern.
Wie schrieben Sie doch selbst so treffend: "..., denn die haben es nicht nötig)" (Anmerkung: "die Reichen"). Andere aber sehr wohl.
Zitat: "Nun, ich hab da andere Informationen ...."
Welche denn ?
"Nein, der gewünschte Effekt ist doch da.
Nur, weil Sie persönlich glauben, dass man "die Reichen pampern" wolle (was ohnehin lächerlich ist, denn die haben es nicht nötig), muss es ja nicht so sein."
Ach so, Sie behaupten, der Geburtsbereitschaftseffekt nach für sie großzügiger Elterngeldregelung hätte bei den sehr gut Verdienenden voll gegriffen?
Nun, ich hab da andere Informationen und die Oppositionsparteien fordern deshalb ja auch eine Überarbeitung der ganzen Geschichte, was von Schröder aber kategorisch abgelehnt wird. Sie hat da offensichtlich so ihr Trotzköpfchen und will nicht eingestehen, dass das doch so „geniale“ und seinerzeit sogar mithilfe einer durch den Steuerzahler!!! ohne dessen Einwilligung mit einer Million € finanzierte Vermehrskonzept –Kampagne - hierzu wurde extra eine Werbeagentur eingesetzt, die via Hochglanzbroschüre und ganzseitigen Anzeigen Public relations für vdL betrieb - voll in die Hose gegangen ist.
Ihr letzter Satz aber ist geradezu köstlich. Sehr richtig bemerken Sie nämlich, dass die Reichen das Pampern gar nicht nötig haben. Ja Mensch, genau das mein ich doch und da gehen wir beide doch glatt konform!
Ich fasse noch mal zusammen: Das Pamperprogramm für die Reichen hat keinen nennenswerten Effekt gehabt und außerdem brauchen die ja das Geld auch gar nicht zur Realisierung eines Vermehrungswunsches.
Frage: Wie kommen Schröder und ihre Vorgängerin dann trotzdem auf das Brett, diese Hilfe für die Nichtbedürftigen weiter aufrecht erhalten zu wollen? Ist zu viel Geld in der Staatskasse oder was ist los mit denen?
Zitat: "Da das Elterngeld aber bei den protegierten Adressaten nicht den gewünschten Effekt bringt und es hier zudem um die jungen Mütter geht, können nur die gemeint sein, nicht wahr?"
Nein, der gewünschte Effekt ist doch da.
Nur, weil Sie persönlich glauben, dass man "die Reichen pampern" wolle (was ohnehin lächerlich ist, denn die haben es nicht nötig), muss es ja nicht so sein.
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