Garten; Liegestuhl; ddp

Die Bodenplatte

Gegen Pflaster ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Bei blutenden Wunden ist es eine große Hilfe. Aber nicht im Garten. Dort schlägt das Pflaster nicht bei der Heilung, es schlägt tiefe Wunden in die Natur. Warum nur müssen deutsche Hobbygärtner alles mit Bodenplatten pflastern? Blumenbeete, Wege, Sitzflächen, Komposthaufen werden säuberlich von Bodenplatten umrahmt. Dort, wo man nicht flächendeckend pflastern kann, etwa auf dem Rasen oder im Gemüsebeet, werden einzelne Bodenplatten eingelassen. Diese Plattenbauten sehen nicht nur hässlich aus, sie ziehen auch einige unangenehme Folgearbeiten nach sich. Jeden Samstag werden die Pflasterflächen gefegt, alle paar Wochen muss das aus den Ritzen sprießende Unkraut mühsam mit dem Messer weggekratzt werden. Und wozu der ganze Aufwand? Um zu vermeiden, dass man im Garten mit dem Garten in Berührung kommt. Gras unter den Füßen spüren! Das wäre ja absoluter Wahnsinn.

Text: Süddeutsche Zeitung vom 16. Juni 2009/ta Bild: ddp

15. Juni 2009, 19:08 2009-06-15 19:08:00  ©