Die Zeitschrift Brigitte will Magermodels abschaffen - an den Gesetzen der Branche wird das nichts ändern.
Nicht weniger als eine "Revolution" soll es sein, eine "neue Epoche" sogar. Ein System soll gestürzt werden: das Magermodelsystem. Die Brigitte will also keine Models mehr buchen, Frauen von der Straße sollen von Januar an Mode und Kosmetik im Heft vorführen. Frauen, die "nicht den oft perversen Gesetzen des Modelgeschäfts unterworfen" sind, wie es auf der Brigitte-Homepage heißt, die Persönlichkeit zeigen, nicht Knochen.
Schlank sein genügt nicht, wenn man im Dienst der internationalen Designer auf den großen Laufstegen Erfolg haben will: Ein Model bei der Mailänder Modewoche im September 2009. (© Foto: dpa)
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Die Initiative sorgt für Rummel, vielleicht auch wieder für mehr Käuferinnen, immerhin sinken die Auflagenzahlen von Frauenzeitschriften neuerdings rapide. "Das muss doch was mit unserem Umgang mit Mode und Beauty zu tun haben", folgert Andreas Lebert, Chefredakteur von Brigitte.
So löblich der Vorstoß, Hungerhaken nicht mehr zu beschäftigen, so skeptisch sieht ihn, naturgemäß, die attackierte Branche. "Jede Frau möchte verführt werden, will Mode ästhetisch präsentiert bekommen. Alltag hat sie schon genug", sagt Louisa von Minckwitz, Inhaberin der Agentur Louisa Models in München und Hamburg.
Dass Brigitte die Offensive durchhalten wird, glaubt sie nicht. "Wo sollen denn die ganzen Normalfrauen herkommen? Von 1000 Mädchen, die sich bei uns vorstellen, sind zehn für den Beruf geeignet." Mindestens 1,76 Meter, 14 bis 18 Jahre alt, feingliedrig - das seien die Vorgaben. Auf eine Kilogrenze will sie sich nicht festlegen. Aber klapperdürr sei in Deutschland nicht gefragt.
Die Vorgaben, sagt Louisa von Minckwitz, machen die Designer mit ihren Musterkollektionen in 36er-Größen. Keines der großen Modehäuser werde von dieser Praxis abrücken. Die Statistik zeige auch, dass ein schlankes Mädchen auf dem Titel die Auflage steigert. "Brigitte-Bookerinnen, das weiß man in Branche, sind immer gerne nach Paris gefahren, um dort nach dünnen Models zu suchen."
Einen Trend wird die Idee der Hamburger wohl nicht auslösen. Der Rundruf bei Vogue, Instyle, Madame und Cosmopolitan ergibt: Nette Idee, aber nicht für uns. Eine Modechefin sagt: "Was glauben Sie, was Anzeigenkunden sagen, wenn ihre Kollektion von Frauen präsentiert werden, die das nicht gelernt haben? Denen geht es nicht um eine bessere Welt, sondern um Umsatz." Seit etwa zehn Jahren würden Designer immer kleinere Kreationen schicken, die kaum ein Model tragen könne. Das gelte vor allem für männliche Designer, etwa Karl Lagerfeld und Giorgio Armani. Ausgerechnet der italienische Designer war es, der seine Zunft unlängst ermahnte: "Wir sollten nicht übertriebene Magerkeit zur Schau stellen."
Charta gegen Untergewicht
Damit wäre man in Paris, der Heimat der Magermodels. Bei den derzeitigen Schauen für Frühjahr/Sommer 2010 ist die Initiative einer deutschen Frauenzeitschrift: kein Thema. Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue und Dauerkartenbesitzerin für die Front Row, wiegelt ab. "Ich sehe keine Magermodels mehr, das Thema ist durch." Sie schließt aus, sich von Models jedweder Größe zu verabschieden. "Sie verkörpern den Traum, die Illusion - das haben sie gelernt. Eine Frau von der Straße kann das nicht." Annette Weber, Chefredakteurin von Instyle, sagt: "Ohne Models läuft nichts." Und ohne schlanke Models, wenn auch nicht dürre, auch nichts. "Mode sieht an ihnen einfach besser aus."
Was dürr ist, definiert in Paris jeder anders. Daran konnte noch keine Kampagne gegen Magermodels etwas ändern. Das Problem: Es sind Selbstverpflichtungen. In Rom und London wurden für die Fashion Weeks Resolutionen verabschiedet, gehalten hat sich keiner dran. 2008 stellte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt eine "Charta gegen Schlankheitswahn" vor, beeindruckt hat das keinen Designer. Die französische Regierung will verbieten, dass Modelfotos nachträglich ohne Hinweis retouchiert werden dürfen. Verabschiedet ist nichts.
Die Chefin der britischen Vogue, Alexandra Shulman hat sich im Juni in einem Brief an führende Designer beklagt, dass nur Models mit "hervorstehenden Knochen" deren Kreationen tragen könnten. Der Erfolg: gleich null. Allein das Schauwiegen 2006 bei der Pasarela Cibeles in Madrid zeigte Wirkung. Die Modewoche verbannte fast 30 Prozent der Models. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Hungerhaken um Madrid besser einen Bogen machen. Aber was ist Madrid gegen Paris? Der japanische Designer Issey Miyake sagt: "Nur wer in Paris beklatscht wird, hat Erfolg."
Louisa von Minckwitz, Agenturbesitzerin und Ex-Model, sagt, dass sich die Branche gegenseitig den schwarzen Peter zuschiebe. Dass immer noch magere Models laufen, dafür macht sie die Designer sowie Anna Wintour verantwortlich, die Chefin der US-Vogue, die über Wohl und Wehe der Designer richtet. Die habe size zero erst salonfähig gemacht. Solange sie weiter nach Mode für Magermodels verlange, werde sich in der Branche nichts bewegen. Daran werde auch eine kleine Revolution aus Hamburg nichts ändern.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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(SZ vom 07.10.2009/aro)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Ich denke mir, dass die Brigitte so falsch nicht liegt!
Aufgezwungene Schönheitsideale sind nämlich nichts so dolles. Als Frau makellose Haut, gertenschlanke Beine und eine umwerfende Wuschelmähne haben müssen, um zu gefallen - dies suggerieren uns Mode und Kosmetikunternehmen in einem fort. "Du bist nicht schön" ist die Botschaft.
Ich denke, dass viele Frauen dies gründlich satt haben und sich einfach wünschen, dass dieser Druck aufhört.
Nur mal als Beispiel: Warum ist die Marke "Dove" mit ihren Pro Age Produkten so erfolgreich? Ebene. Nicht "Anti Age", sondern Pro Age. Huch! Ja. Womöglich sind die neuen Brigitte-Models nicht nur dicke Größe-40-Trägerinnen, sondern womöglich auch älter als 18.
Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.
Wie in vielen Bereichen läuft es auch hier ab (Gammelfleisch, Atomkraft und Entsorgung von Plutonium und Co. etc. etc.):
Es gibt ein massives Problem.
Aufschrei der Öffentlichkeit.
Die Politik meint, es würde besser mit einer Selbstverpflichtung.
Die läßt erstmal auf sich warten.
Wenn die Selbstverpflichtung dann irgendwann erstellt ist (natürlich mit minimalen Anforderungen), hält sich keiner dran.
Inzwischen ist die Öffentlichkeit wieder bei einem neuen Aufregerthema und keiner kriegt es mit.
Das Problem bleibt.
BEI GEFAHREN FÜR LEBEN UND GESUNDHEIT kann und muß die Politik mit klaren Regeln (Gesetz), Strafen (Ordnungswidrigkeiten) und konsequenter Kontrolle und Bestrafung reagieren.
Also: Verbot für Modenschauen in Deutschland, bei der ein bestimmter BMI unterschritten wird.
Verbot, Zeitschriften mit solchen Fotos zu verkaufen in Deutschland.
Verbot, Werbung zu machen mit magersüchtigen Models.
Öffentliche Anprangern aller Modedesigner, die im Ausland Magersucht propagieren.
Hier werden nicht nur die Models selbst zum Verhungern gebraucht durch mehr oder minder großen Druck (!)
Auch Millionen Kinder und Frauen wird ein Körperbild durch manipulierte Fotos und das Hochjubeln magersüchtiger Models und Filmstars vorgelebt, daß ihre Gesundheit gefährdet - körperlich wie geistig.
Das darf natürlich keine Zensur werden. Aber es läßt sich sicher eine Untergrenze mit Sicherheitsmarge festlegen, bei der kein vernünftiger Mensch etwas dagegen sagen kann.
Statt Kommissionen einsetzen und nichts tun oder den Lobbyisten zuhören - HANDELN!
In Madrid hat es ja offensichtlich funktioniert - das Schauwiegen und der Ausschluß von 30 % der Models war ein Erfolg.
"Die Vorgaben, sagt Louisa von Minckwitz, machen die Designer mit ihren Musterkollektionen in 36er-Größen."
Die Models, die auf den Laufstegen der berühmten Modestädte rumlaufen, haben doch niemals Größe 36.
Oder diese Vorgabe:
"Von 1000 Mädchen, die sich bei uns vorstellen, sind zehn für den Beruf geeignet." Mindestens 1,76 Meter, 14 bis 18 Jahre alt, feingliedrig - das seien die Vorgaben."
14 bis 18 Jahre alt: Können über 18-jährige nicht mehr schön genug sein?
Warum mindestens 1,76 m? Auch 1,65 m große Frauen können sehr gut aussehen. Dann gäbe es ein paar Model-Anwärterinnen mehr.
Genau diese Kriterien sind es aber, die unsere Teenies verführen und auch dazu verführen, mit aller Gewalt möglichst dünn zu bleiben. Mit den bekannten Auswirkungen.
Ansonsten kann ich die Altersgrenze nur so deuten: In diesem Alter, mitten in der Pubertät sind Mädchen am ehesten dumm genug, um auf eine Modelkarriere samt allen negativen Seiten herein zu fallen.
Hier in SZ-Online gibt es massenhaft beispiele, die genau das Gegenteil von dem belegen, was Sie schreiben.
1. Models müssen nicht dünn sein, allenfalls schlank. Dann gefällt Frau auch Mann und das wollen doch die sogenannten Modemacher.
2. Kameras machen 5 kg dicker? Auch hier kann ich mir bei den vielen Beispielen nicht vorstellen, dass die in echt nochmal 5 kg dünner aussehen. Und überdies: Wenn Kameras 5 kg dicker machen, sind Kameras zu verbessern und nicht Models zu verdünnern. Da setzt man an der falschen Stelle an.
3. Wo Klamotten besser aussehen? Abgesehen davon, dass ich mich schon frage, wo die meistens vorgestellten Klamotten überhaupt getragen werden können und wer sich sowas überhaupt leisten kann: Wenn sie wirklich nur an solchen Frauen "gut" aussehen und an normal schlanken Frauen nicht, dann doch nur deswegen, weil nur für solche ausgemergelten, halb verhungerten Gestalten geschneidert wird. Können die Herren (und Damen) Modeschöpfer keine Klamotten machen, die an normal schlanken Frauen gut aussehen? Das ist vermutlich das Problem und nicht umgekehrt.
ich möchte hier einen Bezug zu einem zurückliegenden Artikel über die Antibabypille (noch aufrufbar unter panorama) herstellen. Ich habe den nachfolgenden Kommentar schon bei demdortigen Artikel eingestellt. Der punkt 1 bezieht sich also auf den Artikel der Antibabypille. Aber weil ich finde, dass er zu diesem thema gehört, stelle ich in meinen Kommentar diesem zusammenhang hier nocheinmal ein, in diesem fall besonders das Fazit unter 2.
1. Hier eine Ergänzung zum artikel aus einer anderen Zeitung (wortwörtlich)entnommen:
Für die Forderung nach einem Vermarktungsstopp gibt es gute Gründe, denn um Einzelfälle handelt es sich beileibe nicht. Allein im Zeitraum von 2004 bis 2008 verzeichnete beispielsweise die US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) 50 Tote durch Yasmin und Yaz.
Brisanz der aktuellen fälle ergibt sich .. aus der erhöhten Gefahr neuer Antibabypillen der sogenannten »dritten Generation« gegenüber älteren Präparaten.
Der Konzern erlöste mit Yasmin im vergangenen Jahr rund 1,2 Milliarden Euro so viel wie mit keinem anderen Präparat. Bayer-Schering ist nach eigenen Angaben damit zum Weltmarktführer bei hormonellen Verhütungsmitteln aufgestiegen. Rund um den Globus verhüten etwa 100 Millionen Frauen mit der Antibabypille.
Was Yasmin und Yaz so gefährlich macht, ist dabei genau der von Bayer-Schering immer wieder beworbene »Figurbonus«. Denn indem das in Yasmin enthaltene Hormon Drospirenon Wassereinlagerungen entgegenwirkt, macht es zugleich das Blut zähflüssiger und steigert so die Gefahr gefährlicher Blutgerinnsel.
Eine im August von Dr. Frits Roosendaal, Professor an der niederländischen Universität Leiden, im British Medical Journal veröffentlichte Studie erhärtet den Verdacht: Drospirenonhhaltige Antibabypillen verdoppeln demnach gegenüber älteren Präparaten das Risiko schwerster Nebenwirkungen.
2. Fazit, der Kreis schließt sich :
Es wird also ein Antibabypille beworben und verschrieben, die auf einen FIGURBONUS! abzielt, und dabei wissentlich eine unnötige! Erhöhung des Gesundheitsrisikos in Kauf nimmt.
Dazu passt der aktuelle Artikel um die Debatte der Magermodells und die dort anzutreffende Ignoranz/Arroganz der Modellagenturen/Designer.
Die Scheinwelt verkauft sich besser, kostet in der Realität aber die Gesundheit und manchmal sogar das Leben von jungen Frauen /Mädchen.
Paging