Debatte Wofür wir dem Feminismus dankbar sein sollten

Auch mit dem Anzeigen von sexuellen Übergriffen ist es nicht ganz so leicht, wie es Sabine Rückert suggeriert: Wer nicht anzeigt, ist eben selber schuld und mache es sich in seinem "Opferstatus" bequem. Mit den Gründen beschäftigt sich die feministische Debatte über "rape culture". Opfer von sexualisierter Gewalt fragen sich zum Beispiel häufig: Wird man mir glauben? Reichen die Beweise? Bringt eine Anzeige überhaupt was, wenn mir ein Fremder zwischen die Beine greift? War das vielleicht meine Schuld? War es überhaupt so schlimm? Darüber öffentlich zu sprechen anstatt es mit sich selbst auszumachen, kann helfen, ein paar Antworten zu finden. Danke dafür, Feminismus.

Deutschland, Land der Neu-Feministen

Haben Frauen wirklich Rechte - oder nur eine Arbeitserlaubnis? Die Frage stellt sich auch nach den Übergriffen von Köln. Denn wie so oft ist Gleichberechtigung nur ein Thema, wenn sie anderen Interessen nutzt. Von Susan Vahabzadeh mehr ...

Leichter redet sich in der Debatte um das emanzipierte Frauenleben auch stets, wer weiß, heterosexuell, gesund, gewichtsmäßig im Normalbereich und auch sonst körperlich und seelisch unauffällig ist. Was aber ist mit schwarzen Frauen, mit muslimischen Frauen, mit behinderten Frauen, mit lesbischen Frauen, mit dicken Frauen? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen erschüttert zuweilen das eigene Verständnis von Gleichberechtigung. Zum Beispiel hätte ich bis vor ein paar Jahren gesagt: Kopftuch? Reine Unterdrückung, weg damit! Das ist anders, seit ich auch mal mit Feministinnen gesprochen habe, die Kopftuch tragen.

Checkt eure Privilegien - und diskutiert weiter

Manchmal, auch das gehört zur Wahrheit, trifft eine Feel-Good-Feministin wie ich in diesen Auseinandersetzungen auch auf Wut: Check mal Deine Privilegien! Und ich checke und merke: Ach, stimmt, da sind sie ja. Viel zu häufig sprechen nur solche wie ich für "die Feministinnen" - wie auch jetzt, in diesem Artikel. Eine Bewegung, die sich für Gleichberechtigung einsetzt, leidet also selber unter mangelnder Gleichberechtigung. Schon wieder so ein Widerspruch, der sich nicht von heute auf morgen auflösen lässt.

Diese Auseinandersetzungen sind schmerzhaft - aber nicht so schmerzhaft, wie die Art und Weise, in der sie kommentiert werden: Zickenkrieg, Spaltung, der Feministin schlimmster Feind ist die andere Feministin. Dabei ist das alles Teil der großen Frage vom Anfang: Was macht Gleichberechtigung aus? Bereichernd sind da übrigens nicht nur Beiträge, auf denen groß das Etikett "Feminismus" klebt. Sondern auch solche wie die von Sabine Rückert und Mariam Lau. Anstatt sich also schwarz zu ärgern, weil "der Feminismus" in beiden Texten wieder mal eins auf die Rübe kriegt: Lasst uns bitte weiter über Liebe reden! Über Erfolg! Über Einsamkeit, Zweisamkeit, Dreisamkeit! Über alles!

"Im Feminismus sollten Männer nicht die Führungsrolle einnehmen"

Warum lehnen viele den Feminismus ab? Woher kommt der Frauenhass im Netz? Fragen an die britische Autorin Laurie Penny, die in ihrem Buch "Unsagbare Dinge" erklärt, warum Sexismus Frauen noch immer zum Schweigen bringt. Von Felix Hütten mehr... Interview