Davos Justin Trudeau: Männer sollten keine Angst vor dem Wort Feminismus haben

Kanadas Premierminister erzieht seine Söhne zu Feministen. Das kommt auf dem Weltwirtschaftsforum gut an.

Von Bastian Brinkmann, Davos

Seine Frau Sophie habe ihn letztens zur Seite genommen, erzählt Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Sie habe ihm gesagt: Toll, wie du deine Tochter förderst, damit sie mit dem Gefühl aufwächst, alles machen zu können, was sie will. Aber du musst dich genauso um deine Söhne bemühen und mit ihnen darüber reden, wie sie Frauen behandeln. Damit sie Feministen werden wie Papa.

"Und übrigens", schiebt Trudeau hinterher: "Wir sollten keine Angst vor dem Wort Feminist haben. Männer und Frauen sollten sich so nennen, wann auch immer sie wollen."

Der Saal jubelt. Justin Trudeau sitzt ohne Jackett auf der Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos. Als er Kanadas Premierminister wurde, berief er genau so viele Männer wie Frauen in sein Kabinett, seine knappe Begründung dafür wurde weltberühmt: "Weil wir 2015 haben."

Mögliche Empfänger für Trudeaus Botschaft gibt es auf der Konferenz viele. Von den rund 2500 Teilnehmern sind nur 18 Prozent Frauen, ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr. Das entspricht ziemlich den Machtverhältnissen in der Wirtschaft. Die Beratungsfirma Mercer hat in Davos einen aktuellen Gender-Report vorgestellt. Demnach sind nur etwa 20 Prozent der Beschäftigten im Management weiblich.

Trudeau ist beliebt wie Kevin Spacey und Will.i.am

Wenn plötzlich in Davos alle aufspringen, um ein Handyfoto von einem vorbeilaufenden Menschen zu schießen, sind selten Politiker oder Wirtschaftsbosse das Ziel, sondern meist Stars wie Schauspieler Kevin Spacey oder Musiker Will.i.am. Trudaeu ist eine Ausnahme. Kommt der Politiker dabei, ziehen die Menschen ihre Smartphones aus der Tasche.

Das liegt nicht nur daran, das er für ein weltoffenes, attraktives Kanada steht. Er versprüht auch diese "neo-utopische" Zuversicht, die bei den Davos-Leuten besonders gut ankomme, meinte das Magazin Quartz. Fotojournalisten freuen sich über die lila Socken mit grünen Totenkopfschädeln, die der Regierungschef zum Anzug trägt.

Im Publikum des Weltwirtschaftsforum sitzen Macher mit Macht und Geld, die den Zustand der Welt verbessern wollen, so das offizielle Motto der Konferenz. Trotz Ölkrise, Terrorismus und Klimawandel, egal, alles machbar, es geht voran: "Ich kann nicht anders, als ungeheuer optimistisch zu sein", sagte Trudeau während einer anderen Podiumsdiskussion. Applaus.

Feminismus ist sexy: Justin Trudeau wirbt in Davos für Frauen in Führungsjobs

(Foto: Bloomberg)