Viele Jugendliche können sich heute jeden Wunsch jederzeit erfüllen - meinen sie. Ein Kindheitsforscher über das Lebensgefühl einer neuen Generation.
Kindheitsforscher Carsten Rohlfs, 34, lehrt als Vertretungsprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Jeder in seiner Welt, und doch Rücken an Rücken: Die Generation Flatrate holt sich, was sie will, und wann sie es will. (© Foto: iStockphotos)
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sueddeutsche.de: Wie geht es der Jugend von heute?
Carsten Rohlfs: Den Jugendlichen geht es gut. Klar, sie haben viele Probleme und Ängste, aber auch viele Chancen.
sueddeutsche.de: Immer mehr Jugendliche trinken sich besinnungslos, die Gewalt nimmt zu, die Wahrscheinlichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, nimmt ab - wo sind denn die Chancen, von denen Sie sprechen?
Rohlfs: Man darf nicht aus der Erwachsenenperspektive auf die Jugendlichen schauen. Es ist ganz typisch, dass die Generation vorher einen pessimistischen Blick auf die nachkommende hat. Ich zum Beispiel gehöre zu der Generation, von der man dachte, aus ihr könne nichts werden. Wir waren die ersten Jugendlichen, die fast nur drinnen spielten und vor dem Fernseher saßen - eine domestizierte Kindheit. Den Generationen nach uns gab man gar keine Zukunftsperspektiven mehr. Und nun haben wir die Generation Flatrate.
sueddeutsche.de: Warum dieser Begriff?
Rohlfs: Die Jugendlichen leben in einer Zeit, in der sie sich jeden Wunsch ständig und überall erfüllen können, per Mausklick oder mit dem Handy. Alles ist immer verfügbar, es gibt ein unbegrenztes Angebot von Waren und Inhalten. Wie beim Telefonieren zum Pauschaltarif - man kann unbegrenzt konsumieren, bezahlen muss man erst danach.
sueddeutsche.de: Aber es geht den Jugendlichen doch nicht nur ums Telefonieren.
Rohlfs: Nein, dieser Flatrate-Gedanke ist inzwischen in sämtlichen Lebensbereichen zu finden. Denken Sie nur an Musik: Wir saßen früher stundenlang vorm Kasettenrekorder, die Finger an den Aufnahmetasten, und warteten, bis im Radio endlich ein bestimmtes Lied kam. Wenn wir Pech hatten, quatschte der Moderator rein, wir drückten die falschen Tasten oder hatten Bandsalat. Wenn man heute ein Lied unbedingt haben will, geht man ins Internet und lädt es runter. Von Anfang bis Ende, ohne Gequatsche. Mit Filmen ist es das gleiche. Man geht nicht mehr in die Videothek, sondern lädt sich den Film im Netz herunter oder schaut ihn sich sich auf Youtube an.
sueddeutsche.de: Und wer eine Information will...
Rohlfs: ... greift heute nicht mehr zum Lexikon, sondern gibt das Wort bei Google ein. Und ein Jugendlicher, der mehr über seine Flamme herausfinden will, geht einfach auf deren Facebook-Seite im Internet. Er schreibt dann keinen Liebesbrief mehr, sondern schickt einfach direkt eine SMS. Und weil sich die Kommuniktaion beschleunigt hat, wird er auch schnell eine Antwort erhalten. Großartig verabreden muss er sich nicht, man meldet sich einfach von unterwegs. Verabredungen verändern sich, die Sprache verändert sich, die Jugendkultur verändert sich.
sueddeutsche.de: Was halten Sie von dieser Veränderung?
Rohlfs: Die Jugendlichen haben es heute in vielen Dingen einfacher - daran ist erstmal nichts auszusetzen. Nur, dass es früher komplizierter war, seine Freizeit zu gestalten und Freundschaften zu führen, heißt nicht, dass es unbedingt besser war. Nehmen Sie das Beispiel Telefon: In meiner Kindheit, als man nur ein Telefon für die ganze Familie hatte, musste man warten, bis der Bruder fertig telefoniert hat und stand stundenlang auf dem Abstellgleis. Da haben es die Jugendlichen mit ihren Handys einfacher.
sueddeutsche.de: Also ist die Generation Flatrate zu beneiden?
Rohlfs: Einerseits ja. Aber es gibt schon auch Risiken. Eines ist die Anonymität - ein handgeschriebener Liebesbrief ist eben doch persönlicher als eine SMS mit Standardsätzen. Und wer ständig telefoniert oder vorm Laptop sitzt, kann nicht gleichzeitig seinen Freunden gegenübersitzen - das Face-to-Face-Gefühl fehlt. Ein anderes Problem ist, dass viele Jugendliche in den Irrglauben leben, es sei wirklich alles unbegrenzt. Man kann sich zwar alles herunterladen - aber am Ende kommt die Rechnung.
sueddeutsche.de: Es kann sich also nicht jeder leisten, zur Generation Flatrate zu gehören?
Rohlfs: Nein - denken Sie an die Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. Wer nicht genug Geld hat, ist außen vor, wenn es ums konsumieren geht. Viele Jugendlichen stürzen sich in Schulden, um dazuzugehören. Eltern können diesen sich ständig wandelnden Wünschen ihrer Kinder nicht immer nachkommen. Außerdem stehen die Jugendlichen durch die ständige Erreichbarkeit unter enormem Druck.
sueddeutsche.de: Das geht Erwachsenen aber nicht anders.
Rohlfs: Richtig - die Idee des Lebens zum Pauschaltarif ist nicht nur auf die Jugendlichen beschränkt. Die Grenzen verschwimmen. Schon Kinder halten sich im Internet auf, werden Mitglied in irgendwelchen Online-Clubs.
sueddeutsche.de: Das hört sich nun wieder negativ an.
Rohlfs: Soll es gar nicht. Die Entwicklung birgt ja eben auch Vorteile, viele Wünsche können erfüllt werden. Und die wichtigen Lebensthemen, wie Freundschaft, Zugehörigkeit und Autonomiebedürfnis, werden dadruch nicht verdrängt. Sie sind weiterhin da - genauso wie vor 50 Jahren.
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Wenn Sie das Thema so brennend interessiert und in die Tiefe gehen wollen, dann lesen Sie doch bitte eine wissenschaftliche Abhandlung darüber und ersparen Sie uns hier Ihr gequängel.
Das "Face-to-face-Gefühl" fehlt - ein handgeschriebener Liebesbrief ist was anderes, als eine SMS? Echt? Was für großartige Erkenntnisse!
Mich hätte mal interessiert, welcher Druck auf den Jugendlichen heute lastet, Konzentrationsschwäche, Aufmerksakeitsdefizite, falsche Ernährung (sic Vorredner!). Oder aber: welche Fähigkeiten bei ihnen besser ausgeprägt sind, z.B. Fremdsprachen, Multitasking, Erfassen von Informationen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die behaupten: früher war alles viel besser oder schlechter. Mich interessieren fundierte Analysen. Dieses Interview aber, das hätten Sie genauso gut mit meiner Oma oder meinem Briefträger führen können. Nur hohle Phrasen und Allgemeinplätze.
Richtig, dass die junge Generation keine Autoritäten respektiert, sich unmöglich kleidet usw. ist so alt wie die Menschheit. Die Aussage ist ja schon bei einem alten griechischen Philosophen so nachzulesen.
Auch meine Generation war anders als die meiner Eltern. Auch wir haben Dinge getan, die Kopfschütteln hervorgerufen haben. Auch wir haben unseren Lehrern Streiche gespielt, über die sie sich in den 1980er und Anfang der 90er aufgeregt haben. Heute wären sie froh, würden die Teenies nur solche Dinge machen.
Aber in ein paar Punkten unterscheidet sich die heutige nachwachsende Generation von allen vorhergehenden
* Der Gesundheitszustand und die Fitness ist katastrophal. Auch zu meiner Zeit gabe es Dicke, vielleicht einen oder zwei in der Klasse. Die waren damals eine Seltenheit. Ansonsten hat selbst der unsportlichste elementare Grundübungen, wie Abstützen, auf dem Barren geschafft. In dem Punkt ist es bemerkenswert, wenn man mit Anfang 30 in einem Fitnessstudio seinen Gesundheitszustand nennt und dann angeschaut wird, wie ein Marsmensch, weil man einfach nichts hat - und da wohl fast der einzigste ist.
* Alle vorhergehenden Generationen sind unter Menschen und ihresgleichen aufgewachsen. Da gab es zwischenmenschliche Konflikte, die wurden gelöst. Aber so hat man auch gelernt, mit anderen Menschen auszukommen. Die Aggresivität war weitaus geringer. Man hat sich noch gekampelt, aber Messer waren nicht im Spiel. Das lag auch daran, dass man eben nur die Freunde hatte und sie nicht einfach mal in der Weite des Internets austauschen konnte. Dafür hatte man seine Freunde, die man auch besucht hat oder die zu einem kamen. Und das ist etwas anderes, als eine Mail oder SMS.
Ist aber nicht meine Meinung! Sicher, jede ältere Generation hat immer schon über die Nachfolger gemeckert, weil mit der ach so verkommenen Jugend die Welt untergehen würde. Ich würde nicht soweit gehen, allerdings sehe ich zwei große Probleme:
a) Die körperliche Fitness der Nachfolger ist so mies, dass zum ersten Mal mit einer geringeren Lebenserwartung der Folgegeneration (also der heutigen Kinder und Jugendlichen) gerechnet wird.
b) Der Ersatz von physischer Aktivität und Kommunikation durch elektronische führt zu einer weiteren Verarmung der Gefühlswelt der Nachfolger. Wer hier nun behauptet, das sei nicht der Fall, der schaue sich die Statistiken zur Gewalt durch Jugendliche an. Das lässt sich nur durch eine absolute Desensibilisierung gegenüber den Mitmenschen erklären.
... ist auch das gemeckere der 'Alten' über die neue Generation: "Mit diesen Kindern sieht unsere Zukunft aber düster aus!" Das wir aus der Geschichte nichts gelernt haben - und anscheinend auch nicht lernen wollen - zeigt sich auch in so simplen Sachen.
Aber he - welch Wunder! -, irgendwie haben die jeweils 'Jugendlichen Versager' es doch geschaft mehr zu erreichen als ihre Eltern! - man nennt das übrigens Fortschritt. Und das einzige Problem mit den Leuten die immer meckern müssen ist, dass sie zu den Verlierern oder Nicht-Verstehern dieses Fortschritts gehören. Die Zeiten ändern sich, und in den letzten 20 Jahren schneller als jemals zuvor. Das verlangt von der neuen Generation neue Fähigkeiten mit diesem explodierenden Fortschritt zurechtzukommen. Und das verlangt von den älteren eben genau dasselbe.
Das Eltern dabei auf Holzspielzeug und Fernsehverbot setzen ist für mich nur ein Symptom der Kapitulation und der Flucht vor dem Zeitgeist ... zum Schaden der Kinder, die nun einmal - ob deren Eltern das nun wollen oder nicht - in einer hochtechnisierten Kommunikationsgesellschaft aufwachsen werden. Ich gehöre zur ersten Generation bei der die Ninentendos und Co ganz normal neben dem Lego und Holzspielzeug im Kinderzimmer standen. Neben dem zocken hat dies aber auch dazu geführt, dass ich heute in der Lage bin Computer zu verstehen und mit ihnen umzugehen.
Ein weiteres Problem sehe ich auch darin, dass unsere Gesellschaft es nicht fertig bringt, mit dem Zeitgeist Schritt zu halten. Wenn ich sehe wie heute noch immer versteinert alte Lehrer versuchen mit klassischem Unterricht die Aufmerksamkeit der MTV-Generation zu erheischen, dann wird mir schlecht. Klar wird immer gemeckert, dass die Kinder nicht mehr dem Unterricht folgen können - aber verglichen mit der Welt außerhalb der Schule, ist dieser teils weltfremde Unterricht für diese Generation an Kindern einfach mal sterbenslangweilig. Da hat das Bildungssystem versagt, weil es der Zeit um Jahrzehnte hinterherhinkt. Ich finde es ungerecht die Schuld da immer auf die Kinder zu schieben, denn deren Eltern haben MTV erfunden und sind als die Vorgänger-Konsumenten Mitschuld an der Gesellschaft in der wir Leben und die unsere Kinder ja 'versaut' hat. Kinder haben keine PS3 oder Nintendo Wii gebaut, sondern deren Eltern(-Generation).
Wir müssen lernen mit dem Fortschritt umzugehen und aufhören ständig daran rumzumeckern und davon zu schwafeln das Früher ja alles Besser war (was übrigens eine Lüge is
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