Die Welt wird kühler: Wenn die klassische Glühbirne verschwindet, geht ein Kapitel der Moderne zu Ende. Das ist schade. Sehr schade.
Wenn ein Stern explodiert, dann erstrahlt er für kurze Zeit so hell wie eine Galaxie. Man nennt das "Supernova". Die Leuchtkraft des Sterns nimmt dabei milliardenfach zu. Dann aber ist Schluss, der Stern ist futsch - und das All steht wieder schwarz und schweiget.
Bei der Glühbirne kann man das Innenleben noch verfolgen - bei den neuen Lampen ist es nicht einmal mehr zu erahnen. (© Foto: AP)
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Sollte die Europäische Union das Problem mit der zeitlich begrenzten Glühdauer eines sterbenden Sterns (dessen Licht dann auch noch ein paar tausend Jahre herumrast, bevor man es auf der Erde auch nur ahnen kann) in den Griff bekommen, dann dürfen wir uns auf eine interstellare Debatte gefasst machen. Dann wird die EU-Kommission, die soeben das Ende der Glühbirne zugunsten der Energiesparlampe ab 2009 verfügt hat, die Supernovae dieser Welt richtlinienfest machen wollen.
Denn für den Einsatz von Sparfunzeln gegenüber Glühbirnen spricht, dass die Energiesparlampe bei gleicher Helligkeit weniger Energie benötigt - eine Supernova nahe der Erde toppt das locker. Andererseits hat sie womöglich noch weniger Freunde als die Sparvarianten, die für ihr immer noch recht kühles Licht bekannt und deshalb bei Lichtplanern berüchtigt sind. Wobei klar ist: In Zeiten schwindender Ressourcen ist die EU gezwungen, die Glüh-Verschwender zu verbieten, wenn nicht inhaftieren zu lassen. Schon bald werden EU-Suchtrupps die Keller nach 100-Watt-Birnen ohne Aufenthaltsgenehmigung durchsuchen.
Schon deshalb darf man an die Geschichte einer Ästhetik erinnern, die nun mit der Birne zu Grabe getragen wird. Es ist schließlich die Geschichte der Moderne selbst. Sie beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals war Europa wohlhabend und, wie Wolfgang Schivelbusch in seinem Standardwerk zur Geschichte der elektrischen Beleuchtung schreibt ("Licht - Schein und Wahn", Verlag Ernst & Sohn), "satt und zufrieden wie selten zuvor". Die große Wohlstandsmaschine, der Kapitalismus, tuckerte munter vor sich hin und gebar immer weitere Wunder. In aller Unschuld, noch.
Nach der Periode der Textilien und der Eisenbahnen verhießen Chemie und Elektrizität neue Reichtümer. Gefeiert wurden die Utopien des Materialismus auf den Weltausstellungen. Die Schau aber, die im Mai 1900 in Paris eröffnet wurde, hatte keinen pompösen Kristallpalast und keinen tollkühnen Eiffelturm zu bieten. Bei Tag sah das Areal sogar blamabel unscheinbar aus. Die Sensation jener Zeit zeigte sich erst bei Nacht: Dann erstrahlte der "Elektrizitätspalast", illuminiert von tausenden Glühbirnen.
Kein offenkundiges Innenleben
Es dauerte fast ein Jahrhundert, bis sich die Glühlampe (auch Glühlicht genannt) zum industriell gefertigten, standardisierten Leucht-Produkt entwickelte. Der bekannteste Miterfinder der nur umgangssprachlich als Glühbirne bezeichneten Innovation war Thomas Alva Edison. Er erhielt 1880 ein Patent für seine Entwicklung in den USA. Sein Glühfaden, der als elektrischer Leiter durch Stromfluss so stark erhitzt wird, dass er glüht, bestand aus Bambusfasern.
Noch heute erinnert die Konstruktion der Glühlampe mit Schraubsockel und sichtbarem Glühfaden an die ersten Formen der Glühlicht-Geschichte. Darin liegt der ästhetische Reiz der Glühbirne - im Gegensatz zur Sparbirne. Die gibt es auch in Birnenform, aber außer mehrfach gebogenen, "kompakten" Leuchtstoffröhren (daher der Fachbegriff "Kompaktleuchtstofflampe") verfügt sie über kein offenkundiges Innenleben.
Seinerzeit wurde - wie jetzt im Grunde wieder - beklagt, dass mit dem Kerzen- oder Fackellicht, mit Öl- und Gaslampen gar, das "natürliche", also flackernd-unstete Licht verloren gehe. Deshalb setzte man früh alles daran, die vertrauten Lichtquellen zu imitieren. Der sichtbar glühende, aufgezwirbelte Draht und die Glasblase, die sich birnenförmig nach oben weitet, waren konstruktiv bedingt, versöhnten aber auch mit dem Verlust des lebendig züngelnden Feuers.
Vielleicht stellte man sich auch deshalb in geradezu entflammter Weise noch in den 1930er-Jahren vor, die Elektrizität sei weiblichen Ursprungs. Allegorisch wurde die Stromversorgung dargestellt als Göttin in der Nachfolge der Venus. Auch die Lichtgöttin der berühmten Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft, AEG, bewehrt mit Rad und Flügeln, ließ eine Birne über ihrem Kopf erstrahlen. Palast, Feuer, Göttin, barocke Birnenform: Das waren einmal die Begriffe rund um die Glühlampe. Nun, durch die EU, wissen wir, dass das alles nur tumbe Verschwendung und Illegalität bedeutet. Schade, sehr schade.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.12.2008/jüsc)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Dass Sie mit einer CDM-T 35 Watt Lampe 57 % Strom sparen im Vergleich zu einer 80 W Quecksilberdampflampe und das bei gleicher Lichtstärke? Quelle: http://www.em-multi-shop.at/pi126/pi151/pi165/pd1030.html
dass es inzwischen auch Dimmer für Sparlampen gibt, allerdings müsste dann der gedimmte Kreis einheitlich mit diesen Teilen bestückt sein; - Mischbetrieb wird wohl nicht gehen, was nicht überraschend sein sollte.
@ Alter_Ego: In mehreren Verbrauchersendungen wurde inzwischen das ursprünglich bestehende Problem mit dem höheren Verschleiß bei häufigem Ein- und Ausschalten als behoben bezeichnet. Keine Ahnung, ob's stimmt. Soweit ich Sparlampen im Einsatz habe, halten die seit Uhrzeiten und schlagen sich besser als Glühlampen und Halo-Strahler.
Der Preis wird sicherlich bei großflächigem Einsatz noch enorm fallen. (Die allerersten Glühlampen waren schließlich auch nur etwas für Reiche bzw. Städte)
Bei der Öko-Bilanz hab' ich allerdings ebenfalls ein flaues Gefühl, zumal ja schon viele Leute bei Leuchtstoffröhren den regulären Weg zur Mülltonne wählen, statt der kostenfreien Rückgabe beim Wertstoffhof als Sondermüll; pfeif' auf die Vergiftung der Umwelt mit Phosphor u.a.m., wenn's bequemer ist.
Viel interessanter, aber wohl erst in zehn Jahren aufwärts lieferbar, wären wohl die OLED's, deren farbliches Spektrum auch viel weiter wäre.
Insgesamt wäre wohl eine vernünftige Verbraucheraufklärung sinnvoller gewesen, als eine solche Zwangsregelung. Wie man sieht, bin auch ich nicht sicher, was bestimmte Eigenschaften der Sparlampen betrifft, obwohl mich die Thematik interessiert.
Und dem zum Standby-Betrieb von gardener Gesagten, kann ich mich nur anschließen.
Verwendung von Gas wäre sinnvoll, ist aber nicht annähernd flächendeckend verfügbar und stößt bei Vielen auf große Ängste, angesichts der immer wieder auftretenden Explosionen, unabhängig davon, dass viele durch absichtliche oder dilettantische Manipulationen verursacht sind. - Da sollte man wirklich nur Profis ranlassen.
Wie üblich kommt viel Unsinn aus der EU-Kommission. Schon gestern gab es dazu interessante und zutreffende Anmerkungen:
- Die Sparlampen können Glühbirnen nicht überall ersetzen (angefangen von Küchengeräten bis zu Weihnachtsbäumen)
- Sparlampen verschleißen bei häufigem Schalten deutlich schneller als Glühbirnen
- Das Licht ist z. T. unangenehm kalt und nicht besonders hell
- Die tatsächliche Energieersprnis wird angezweifelt
- Die angeblich lange Lebensdauer wird von den Erfahrungswerten der Praxis nicht bestätigt
- Der hohe Preis rechtfertigt die angeblichen Einsparungen offenbar nicht
- Und last but not least: Die Gesamt-Ökobilanz erscheint angesichts der Inhalte / verarbeiteten Materialien in Sparlampen doch eher zweifelhaft
Für mich heißt das wie für meinen Vor-Kommentator: Eindecken mit Glühbirnen bis zum Lebensende. Ich lass' mich doch von der EU nicht schon wieder ver.a.r.sch.e.n!
Und was ist mit Dimmschaltern? Die funktionieren ja bekanntermaßen nicht mit Energiesparlamper, oder täusche ich mich da?
Man stelle sich vor, zu Hause ist das Abwasserrohr im Keller verstopft, die Dusche ist defekt und im Gäste-WC läuft die Klospülung permanent. Und was tut die eilig herbei gerufene Klempnerkolonne? Sie kümmert sich um den tropfenden Wasserhahn in der Küche. " Irgendwo mit müssen wir ja anfangen". So und ähnlich reagiert die EU-Kommission mit Vorliebe.
Natürlich, dort wo über Stunden oder gar permanent Licht benötigt wird, ist der Einsatz von Energiesparlampen sinnvoll. Aber was bringt es, die 40 W-Birne im Vorratskeller (mit max. 5-minütigem Leuchteinsatz pro Tag) durch eine "Energiesparlampe" zu ersetzen? Nix. Gar nichts! Denn die Herstellung, umweltgerechte Entsorgung und benötigte Startenergie stehen in keinem Verhältnis zu den 30 oder 40 Watt, die ich im Monat einsparen kann. Aber auch wer seine, sagen wir 20 Stunden pro Woche benötigte Fernsehleuchte mit einer Energiesparlampe umrüstet, führt den Effekt ad absurdum, wenn sich Fernseher nebst angeschlossener Zusatzgeräte die restlichen 148 Wochenstunden im "Stand-by-Modus" befinden. Und genau hier hätte man ansetzen können. Mit einem Verbot von Sat-Receivern, Micro-Anlagen und zahllosen anderen Geräten der Unterhaltungs- und Haushaltselektronik, die keinen richtigen "Aus-Schalter" mehr besitzen, d.h. die auch dann Energie verbrauchen, wenn sie gar nicht gebraucht werden. Und davon gibt es unglaublich viele!
Warum dürfen Haushalte mit Gasanschluß dennoch elektrisch kochen und backen? Das EVU muss drei KW Primärenergie einsetzen, damit bei mir - bedingt durch Erzeugungs- und Transportverluste - ein KW an der Steckdose ankommt. Und bei der Leistungsaufnahme von Herdplatten und Backöfen kommt da viel mehr zusammen, als durch meine Schreibtischlampe!
Noch immer sind nahezu menschenleere Gewerbeimmobilien nachts hell erleuchtet. Da ist billiger als zusätzliches Wachpersonal zu beschäftigen.
Und in wie vielen Kinder- und Jugendzimmern stehen "High-End-Gamer"-PCs, deren Leistungsaufnahme ein mehrfaches von dem beträgt, als zur Erledigung der Schularbeiten nötig? Zumal sich viele dieser Geräte im Dauerbetrieb befinden...
Ich werde mich heute erst noch mal mit Glühbirnen "bevorraten". Unsere "Postenbörse" verramscht selbige für 19 Ct pro Stück. Auch die gemütlichen in der "Klar -bzw. Softtone"-Ausführung. Lassen wir die mal in Brüssel beschließen, ich habe dann jedenfalls für Jahre vorgesorgt...