Wie bei Beckham überstrahlt Ronaldos mediale Bedeutung allmählich das bloße Schaffen auf dem Rasen. Beide sind globale Werbestars, aufs Image erpicht, Pop-, Girlie- und Schwulenikonen, eitel, pfauenhaft, im ständigen Flirt mit der Kamera. Nur eine Victoria, die ihm alberne Kostüme aufdrängt, hat Ronaldo noch nicht. Er belässt es bei sportlicher Kleidung, auffälligem Schmuck, großen Brillen.

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Seine Sitzungen vor dem Kabinenspiegel sind legendär. Bei der WM 2006 nahmen Beobachter verwundert zur Kenntnis, dass er sich auf der Videoleinwand gern die Wiederholungen seiner Dribblings anschaute - während das Spiel noch lief. In den Urlaub nahm er den Physiotherapeuten von Portugals Nationalelf mit, auf dass er ihn am Pool walke - seht her, ich pflege mich, war das Signal an seine Fans nach dem Hilton-Desaster. Auf eine Auslandsreise von Manchester United nahm er einen Koffer mit, der so überdimensional war, dass er es nicht durch die Abfertigung schaffte. "Sonst passen nicht alle Kosmetika rein", höhnte Mitspieler Edwin van der Sar. Vor allem ist Cristiano Ronaldo wohl der erste Fußballer, der sich offen über seine stets gepflegte Bräune und die prospektreife Bauchmuskulatur definiert. "Meine Lieblingsbeschäftigung? Sit-ups", hat er mal gesagt.

Die Pose des Latino-Sexsymbols gefällt ihm, er kostet sie aus. Und dass er nicht jungfräulich in die Ehe gehen wird, wenn er "vielleicht in zehn Jahren mal" heiraten sollte, darf als gesichert gelten. Etwa 30 Frauen aus zahlreichen Ländern geben vor, Ronaldo durch mehr oder weniger kurze Lebensabschnitte begleitet zu haben, darunter Bollywood-Star Bipasha Basu und zuletzt die redselige Mallorquinerin Nereida Gallardo. Sie will acht Monate lang mit ihm zusammen gewesen sein. Eine Pendelbeziehung zwischen Palma und Manchester. Seit Ronaldo bei Real Madrid angeheuert hat, erfährt man in Spanien wieder mehr von ihr. Zum Beispiel, dass eine Tätowierung zu ihrem ausrasierten Intimbereich führt, weil sie sich für die Zeitschrift Interviú auszog. Und dass Ronaldos Leben kein großer Thriller zu sein scheint: "Essen, schlafen, Siesta, Pool, dann spielten wir Playstation."

Ronaldo? Es ist genug für alle da!

Für die per SMS vollzogene Trennung macht seine Exfreundin die von Ronaldo vergötterte und reich beschenkte Mama verantwortlich. Nachts sei man nie ausgegangen. Dass das so bleiben wird, darf bezweifelt werden. Manchesters exzellente Musikszene war eben nicht so seine Sache, Ronaldo sagt, er hört lieber, "was so im Radio läuft". In Madrid könnte sich sein Ausgehverhalten ändern: Die Top-Discos bringen gerade ihre Vip-Bereiche auf Vordermann. Mit den Hufen scharrenden Groupies riet Gallardo in einer TV-Sendung zweideutig zu Geduld: "Keine Angst. Es ist genug für alle da."

Auch angesichts solcher Geschichten fürchtet Real sich "vor dem ganzen Drumherum", das der Spieler mitbringt. Die spanischen Paparazzi hingegen frohlocken - zumal das jüngste Gerücht besagt, dass Ronaldo mitten in der Stadt nach einem 500-Quadratmeter-Penthouse mit Pool sucht. Und sich nicht wie die Kollegen in einem Nobelvorort abschotten will.

Bei Real ist man schon länger alarmiert. Zumal er sich gerade erst mit angeblichen Paparazzi anlegte. In Portugal trat er eine Autoscheibe ein, weil er sich verfolgt fühlte. "Der Klub wird Ronaldo genügend Schutz gewähren, damit er in Ruhe arbeiten kann. Wenn er sich belästigt fühlt, werden wir ihm zusätzliche Leibwächter zur Seite stellen", warnte Reals Generaldirektor Jorge Valdano. Der portugiesische Ex-Profi Paulo Futre, früher bei Atlético Madrid unter Vertrag, riet: "Er sollte sich in Madrid eine feste Freundin zulegen", das verleihe Stabilität. Er muss sie ja nicht gleich heiraten.

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(SZ vom 03.07.2009/vs)