In der Region von Ravenna sind mindestens 160 Menschen am Chikungunya-Fieber erkrankt. Vermutlich wird es in Europa zu weiteren Ausbrüchen der Tropenkrankheit kommen.

Mindestens 160 Menschen sind in Norditalien am Chikungunya-Fieber erkrankt. Offenbar hat sich das Virus Anfang August wegen einer besonders starken Mückenplage verbreitet.

Chikungunya-Fieber in Italien Bild vergrößern

Der Überträger des Chikungunya-Virus ist die Asiatische Tigermücke. (© Foto: AFP)

Anzeige

Mittlerweile sei die Lage unter Kontrolle, sagte Antonio Cassone, Viruloge des Obersten Gesundheitsinstituts. Er wies zugleich darauf hin, dass steigende Temperaturen und Feuchtigkeit in Italien für ein zunehmend tropisches Klima sorgten, in dem Mücken gut gediehen.

Ausbrüche des Fiebers wie in Italien sind nach Einschätzung des Hamburger Tropenbiologen Andreas Krüger auch andernorts in Europa möglich.

"Die Überträgermücke ist bislang in zwölf europäischen Ländern nachgewiesen worden", sagte der Bundeswehr-Wissenschaftler am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Lokale Ausbrüche, die wieder verlöschen

Allerdings sei zu erwarten dass mögliche lokale Ausbrüche von selbst wieder verlöschen. "Bisher ist es ein rein tropisches Virus.

Die Erreger sind mit Sicherheit empfindlicher als der Überträger und überstehen vermutlich den Winter nicht", betonte Krüger. Das gelte auch für den aktuellen Ausbruch in Italien.

Andernfalls hätte es schon viel früher zu verbreiteten Ausbrüchen kommen müssen, erläuterte der Insektenforscher. "In Italien wurde die Mücke 1990 erstmals beobachtet, in Europa 1979 in Albanien."

Der Überträger, es handelt sich um die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus, sei außer in Italien und Albanien auch bereits in Belgien, Bosnien-Herzegowina, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Montenegro, den Niederlanden, der Schweiz, Slowenien und Spanien gesichtet worden.

"Vermutlich liegt der Ursprung der eingeschleppten Mücken in Japan", erläuterte Krüger. "Die dort verbreitete kälteresistente Form kann in Europa sicher ähnlich gut überwintern wie die hier einheimischen Arten."

Hauptsächlich würden Mückeneier in alten Autoreifen eingeschleppt, die zum Recycling verschifft werden. Die asiatische Mückenart sei noch nicht lange Überträger des Virus, das früher nur von der afrikanischen Mücke Aedes aegypti verbreitet worden sei.

"Man muss damit rechnen, dass sich der Erreger an die Mücke angepasst hat und damit auch leichter übertragbar geworden ist."

Das Chikungunya-Fieber, das zu starkem Fieber, Gelenk- und Kopfschmerzen führt, wird von einem Virus ausgelöst, das infizierte Tigermücken beim Stich übertragen. Es bricht etwa vier bis sieben Tage nach dem Mückenstich aus und kann mehrere Wochen lang dauern.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(dpa/Till Mundzeck/AFP)