Von Claudia Fromme

Der Juwelier Cartier war immer schon Seelentröster von Prinzessinnen und Diven - jetzt wird seine Sammlung in Prag gezeigt.

Wenn eine Frau opulenter Geschmeide ansichtig wird, brennt es im Sicherungskasten. Das Belohnungszentrum im Hirn wird aktiviert, und angefeuert durch Hormone stellt sich ein Gefühl ein, wie sonst nur nach Drogen, Sex und Schokolade. Je funkelnder der Schmuck, desto stärker der Rausch im Kopf.

Juwelen-Auktion bei Christie's in Hongkong Bild vergrößern

"Diamonds are a girls best friend." Das wusste schon Marylin Monroe und sang es 1953 in einem ihrer zahlreichen Filme. (© ag.dpa)

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Welch Klischee! Welch Einfalt! So werden manche jetzt rufen. Nun ja. Die Geschichte liefert erstaunliche Anekdoten zur Wechselwirkung von Preziosen und ihren Bewunderinnen, die mit Rationalität nicht viel zu tun haben.

Barbara Hutton zum Beispiel, die vornehme Tochter der Woolworths, wählte die Lackierung ihrer Rolls-Royce-Modelle grundsätzlich nach ihrem in der Saison favorisierten Schmuck aus. Prinzessin Nina Aga Khan war ihrer Lieblingsbrosche mit einem Panther so verfallen, dass sie ihr Schlafgemach komplett mit Raubkatzenmotiven dekorieren ließ. Liz Taylor soll unkontrolliert geschrien haben, als sie erstmals den 69-Karat-Diamanten erblickte, den ihr fünfter und sechster Ehemann Richard Burton ihr schenkte.

"Dicke Mädchen brauchen dicke Diamanten" kommentierte sie das später.

Allen gemein ist, dass sie Kundinnen in der Rue de la Paix waren. In der Nummer 13, hinter einer schmiedeeisernen Tür, verbirgt sich der Stammsitz des Pariser Juweliers und Uhrmachers Cartier, der heute zum Luxuskonzern Richemont gehört. Dass alle genannten Gesellschaftsdamen seine Dienste in Anspruch nahmen, ist weniger ihrer Schrulligkeit geschuldet denn ihres exquisiten Geschmacks, für den Extravaganz eine sehr förderliche Zutat ist.

Vor dem Geldadel statteten Herrscher diverser Ränge Paris einen Besuch ab, und Eduard VII., der zu seiner Krönung 1901 nicht weniger als 27 Diademe dort in Auftrag geben ließ, adelte Cartier mit dem Etikett "Joaillier des Rois, Roi des Joailliers" - Juwelier der Könige, König der Juweliere. Bei den Royals salonfähig aber machte ihn eine Nichte Napoleons. Prinzessin Mathilde war 1855 die erste prominente Kundin des jungen Louis- François Cartier. Als sie fortan auf Königsbällen mit Pariser Preziosen tanzte, mit Tiaren voller Opale, mit Broschen voller Bienen und Skarabäen, verlangten die anderen Damen der europäischen Herrscherhäuser erst nach Riechsalz und dann nach dem Pariser Juwelier. Cartier war in seiner 163-jährigen Geschichte offizieller Lieferant von 15 Königshäusern. Ägyptische und siamesische Gebieter schätzten den Juwelier ebenso wie indische Maharadschas. Bis heute lässt sich der englische wie der spanische Hof offiziell von Cartier beliefern.

Schwer beladen sind die Schatullen in Königshäusern und beim Geldadel, und während die Queen ihre private Juwelensammlung im Wert von 350 Millionen Euro im Bunker von Buckingham Palace und Schloss Balmoral hortet, zeigten die Grimaldis schon immer gerne her. Fürst Rainier von Monaco überreichte Grace Kelly zur Verlobung 1956 einen Platinring mit 10-Karat-Diamanten, den man ausführlich in ihrem letzten Film "Die oberen Zehntausend" begutachten kann.

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