Von Charlotte Frank

Nach der Biografie gibt es nun die Übergrößen eines Berliner Rappers: Ein Kurzbesuch in Bushidos neuem Klamottenladen am Alexanderplatz.

Berlin - Man muss Weihnachtsmärkte nicht romantisch finden, um von diesem Bruch befremdet zu sein: Draußen, am Alexanderplatz, hatte es nach Zuckerwatte gerochen, Eltern waren mit ihren Kindern Riesenrad gefahren, zu den Klängen von "Kling Glöckchen" hatte man den Laden in den S-Bahn-Arkaden betreten. "Isch finde alle diese mickrigen Spasten schwul" dröhnt einem nun entgegen; der weiß geflieste Raum strahlt die Gemütlichkeit einer Großschlachterei aus, von den Wänden starrt Bushido auf die Kunden herab.

Bushido

Rapper Bushido ist unter die Designer gegangen - mit einer ziemlich eigenwilligen Kollektion im eigenen Laden. (© Foto: dpa)

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Der Berliner Rapper ist unter die Designer gegangen und hat noch schnell vor Weihnachten einen eigenen Laden in Berlin-Mitte eröffnet. Durch und durch kreativer Texter, der er nun einmal ist, hat Bushido den Shop "Bushido" getauft. Auf 350 Quadratmetern Geschäftsfläche können Fans und andere Freunde der dicken Hose dort die vom Rapper entworfene Kleidung kaufen, aber auch CDs, DVDs und dessen Biographie.

Am Abend nach der Eröffnung ist kaum Kundschaft im "Bushido" unterwegs, nur ein großer Junge mit Bomberjacke und einer bunten Spongebob-Tüte in der Hand schlurft zwischen den mächtigen goldenen Klötzen herum, auf denen die Klamotten so sauber gefaltet liegen wie Kleider in einem Bundeswehr-Spind.

Von den Wänden funkeln Musikpreise, Trophäen, Goldene und andere glitzernde Schallplatten. Untermalt wird der Einkaufsspaß von Bushidos Krawall-Rap, von dem man Zeile um Zeile hofft, er habe das nur geschrieben, damit sich alles besser zusammenreimt.

Wobei: Zu "dänn sie wissen nisch, was sie tun" lässt es sich gleich viel leichter Bushido-Söckchen und Bushido-Unterhosen kaufen. Über den Po der Designerstücke zieht sich der Schriftzug "Ferchichi", so heißt die Hausmarke und so heißt der gebürtige Bonner mit bürgerlichem Namen. Außerdem im Angebot: T-Shirts, Pullover, Caps, Hosen, einfach nur Dinge, mit denen sich Geld machen lässt. Denkt man zunächst.

Doch schon bei der ersten Anprobe - Bushido röhrt "Isch scheiß auf eure deutschen Regeln" - wird klar, dass er es auch bei Konfektionsgrößen mit deutschen Regeln nicht so genau nimmt: Der graue Ferchichi-Jogginganzug etwa sitzt selbst noch in "Small" so schlabberig, dass sogar Menschen, die normalerweise nur von dieser Kleidergröße träumen können, sich darin fühlen wie der Charming Bär. Und in dem sperrigen Ding soll man nun Sport treiben? Nö, sagt der Verkäufer über den Jogginganzug, "das ist so für Freizeit, so für tagsüber zum Anziehen halt".

In der Bravo hat Bushido erzählt, bei seiner Kollektion hätten ihn Ralph Lauren und Lacoste inspiriert. Nicht nur beim Anblick des Trainingsanzugs kann man sich das schlecht vorstellen. Einzig die kleine, gestickte Figur auf der Brust der Ferchichi-Hemden erinnert verdächtig an einen gestreckten Polospieler beim Aufwärmen. Hat Ralph Lauren über so viel Ähnlichkeit mit seinem eigenen Erkennungssymbol gar nicht geschimpft? "Och, das is' doch bloß so 'n kleenes Männekieken", sagt der Verkäufer. Aha.

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(SZ vom 15.12.2008/age)