Kinder zu haben, ist anstrengend. Deshalb braucht Mutti hin und wieder einen Liebhaber - dann singt sie beim Bettenmachen. Dieses Buch hat uns Frauen keinen Gefallen getan.
Wann ist eine Affäre unmoralisch - immer? Oder nur, wenn man verheiratet ist? In jedem Fall dann, wenn man Mutter ist. So denkt nicht nur ein großer Teil unserer Gesellschaft - auch viele Mütter scheinen diese Meinung zu teilen. Diese Zielgruppe will Natalie Schlegel mit ihrem Buch "Mamas Lover - wovon Mütter heimlich träumen" offenbar ansprechen, wenn sie eingangs fragt: "Sind Sie Mutter? Haben Sie sich schon einmal verbotenerweise verliebt?"
Seit Mutti einen Lover hat, macht die Hausarbeit wieder Spaß. (© Foto: iStockphotos)
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Die Autorin weist darauf hin, dass mehr als die Hälfte der verheirateten Frauen ihren Mann schon einmal betrogen haben. Und dass darunter auch Mütter seien. Vielleicht sollte man sie darauf hinweisen, wieviele Männer ihre Frauen betrügen - und, ja, auch Väter sind darunter!
Man fragt sich, welches Bild hat die Autorin vom Alltag heutiger Mütter? Seitenlang beschreibt sie schreiende Kinder, volle Spülmaschinen und nervende Schwiegermütter. Das Ergebnis: emotionales Vakuum, der Verlust der sexuellen Identität und des Selbstwertgefühls. Keine Zuwendung, keine Anerkennung. Wenn man das liest, hat man den Eindruck, jede Ehefrau und Mutter kann gleich mal Abschied nehmen von der Normalität und begibt sich in einen Kosmos aus Isolationshaft, Tollhaus und Vorhof zur Hölle.
Reizwäsche, Eheberater - sie hat alles versucht
Aus dieser Perspektive heraus argumentiert Schlegel: Die einzige Möglichkeit, sich aus diesem Wahnsinn zu retten, ist die Flucht in eine heimliche Liebe - und zwar ohne schlechtes Gewissen. Die Legitimation erhalten sie durch die "jahrelangen Entbehrungen und Enttäuschungen". Sie haben alles versucht: Sein Lieblingsessen gekocht, Reizwäsche getragen, Eheberatungsbücher gelesen, die wichtigen Stellen mit Leuchtstift markiert und auf seinen Nachttisch gelegt. Er hat es so gewollt.
Ein ebenso simpler wie ausgeglichener Rechenansatz: Mutti sucht sich einen Lover, und schon geht ihr die Hausarbeit besser von der Hand: "Die Mutter singt jetzt immer beim Bettenmachen, hört Musik und tanzt dazu im Wohnzimmer." Ist das die zeitgemäße Vorstellung einer zufriedenen Frau?
Durch ihre klischeehaften Ausführungen von dem, was die Autorin unter Familienleben versteht, schlägt ihr Buch in eine Kerbe, die uns in der Emanzipation um Jahre zurückwirft: "Die Mama ist jetzt ein wenig wie Mary Poppins", schreibt sie. Und: "Eine verliebte Mutter gibt ihren Kindern keinen Anlass zur Beschwerde". Mit Verlaub, da fällt einem nichts mehr ein. Außer vielleicht, dass eine Mutter kein Dienstleister ist, und sie vor allem sich selbst gegenüber verpflichtet ist, zufrieden zu sein.
Doch nun erst wird es spannend: Die Mütter selbst kommen zu Wort. 15 Frauen beschreiben ihren ganz persönlichen Käfig und wie sie sich daraus befreit haben. Um es gleich vorweg zu sagen: Auf die Idee der Trennung kam kaum eine.
Sie träumt vom eigenen Mann
Ein bisschen fühlt man sich wie in einem Internet-Forum, weil es so intim zugeht: Da ist zunächst Marion, Mutter von drei Kindern, die aus ihrer festgefahrenen Rolle ausbrechen will. Sie beginnt eine Affäre, der triste Alltag bleibt. Doch es wird leichter, weil sie fühlt: Sie ist "nicht mehr die brave Mama". Oder Diana, die unter dem familiären Druck beinahe zusammenbricht. Geradezu rührend mutet an, dass sie sich mit fünf Männern auf eine Insel träumt, von denen einer ihr Ehemann ist. Man möchte sie zu einem Therapeuten führen, der ihr dabei hilft, ihr Leben in die Hand zu nehmen, statt sich für das Leben der anderen aufzureiben. Dann ist da noch Helga, seit 50 Jahren verheiratet, die sich beim Bügeln in romantische Hirngespinste flüchtet und sich den echten Traumprinzen inzwischen längst abgeschminkt hat.
Schon nach den ersten Kapiteln wird klar: Das eigentliche Problem ist nicht das Bild, das die Gesellschaft von Müttern hat. Es ist das Bild, das diese Frauen von sich selbst haben! Immer wieder stößt der Leser auf die Botschaft, dass manche dieser Frauen von ihren Männern bewusst kleingehalten werden. Dass sie sich werder finanziell noch seelisch in der Lage sehen, sich konkret aus der unglücklichen Beziehung zu befreien. So wie Andrea, die sich ins Internet flüchtet und virtuell flirtet, um so die verkorkste Beziehung zu ihrem Mann auszugleichen. So wie Tina, die sich unverstanden fühlt und erkennt, dass ihr Mann "einen unglücklichen Menschen aus mir gemacht hat". Und Sabine, deren Mann sie kaum beachtet und sie wegen ihrer Figur und ihrer offenen Art abwertet.
"Als würde ich Eis essen gehen"
Dann wäre da noch Helen, die mit ihrer Ehe ganz zufrieden ist und deren Liebhaber den Ehemann perfekt ergänzt. Sie ist die glaubwürdigste in diesem Kreis der geduckten, gequälten Geschöpfe, denn sie betrachtet ein Liebesverhältnis als Genuss, nicht als Fluchthilfe. "Ich gehe mit meinem Liebhaber ins Bett als würde ich Eis essen gehen", schreibt sie. Nur Sandra geht schließlich den entscheidenden Schritt und trennt sich von ihrem Mann, den sie ihn nie geliebt hat, findet einen neuen Partner, den sie heiraten möchte.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...