Ein Bildband erzählt die Geschichte der Männermagazine: Die Texte sind spärlich, teilweise schlecht recherchiert, dafür sieht man Brüste. Überall. Große, kleine, hängende, pralle.
Auf den ersten Blick haben der Ex-Mann der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl, und der Berufsplayboy Hugh Hefner nur wenig Gemeinsamkeiten. Der eine gründete in den fünfziger Jahren die linke Zeitschrift Konkret, der andere das wohl berühmteste Männermagazin, den Playboy. Was sie eint: Beide verkauften ihre Magazine mit nackten Frauen auf den Titeln. Verschämt das weiße T-Shirt mit dem Aufdruck "Student Power" lupfend (Playboy 1969) oder kniend auf einer USA-Flagge (Konkret, 1968). Grund genug für die Autorin Dian Hanson, beide in ihre Geschichte der Männermagazine, "The History of Girly Magazines", aufzunehmen.
Anzeige
Was um 1870 mit französischen Heften über leicht bekleidete Cancan-Tänzerinnen begann, endet im deutschen Kioskregal mit Titeln wie GQ, FHM, Matador, dem deutschen Playboy oder dem Magazin Player, dem jüngsten Neuzugang in diesem Segment des deutschen Zeitschriftenmarkts. Laut Chefredakteur Thomas Friemel ist es eine neue Art Herrenheft: "Wir sind anders als die klassischen Männermagazine, die von Silikon und Testosteron beherrscht werden: Bei uns ist auch die Seelenlage des Mannes wichtig." Auf dem Cover: ein moderner, angezogener Mann statt barer Brüste.
Würde Hansons Branchengeschichtsbuch über die sechziger Jahre hinausgehen, hätte sie Player wahrscheinlich nicht aufgenommen. Denn das Buch machen im Wesentlichen Magazincover mit nackter Frauenhaut aus. Es ist eine Reise durch die Schönheitsideale des vergangenen Jahrhunderts: Junge Frauen mit Haarknoten in weißen Unterkleidern (1903), mittelalte Damen ohne Kleidung, dafür aber mit deutlichem Bauchansatz und dickem Lidstrich (1950), solche mit blondem Zopf in eindeutigen Posen mit Schwert (1965) und schlanke zur Seite blickende Blondinen im Blumenfeld (1969). Das könnte kulturhistorisch interessant sein, aber Hansons Ziel ist nicht die reflektierte Auseinandersetzung mit dem Wandel dessen, was vornehmlich Männer als schön erachtet haben.
Historische Zusammenhänge nennt sie nur dann, wenn sie konkret mit den Magazinen verbunden werden können. Wenn sie zum Beispiel über die amerikanischen Soldaten schreibt, die französische Schmuddelhefte von der Front in die Heimat brachten. Dafür zählt Hanson Titel um Titel auf: Intim, Gondel, Mr. Cool . . . bis in des Lesers Hirn ein Tohuwabohu herrscht wie nach einer fünfstündigen Guido-Knopp-Dokumentation.
So kann der Leser - oder besser: Betrachter also den Kauf des Buches nicht, wie beim Playboy üblich, mit den spannenden Geschichten rechtfertigen, denn das Interessante sind die Bilder. Die Texte sind spärlich, teilweise schlecht recherchiert (zum ersten afro-amerikanischen Männermagazin: "Ich wüsste zu gerne, was aus dem Chefredakteur geworden ist, wer ihn finanziert hat.") und fragwürdig anzüglich ("kräftige südamerikanische Hinterbacken"). Die kleinen Buchstaben verschwinden zwischen üppigen Bildern.
Hanson, selbst Herausgeberin diverser Fetischmagazine, hat von vereinzelten, aber interessanten historischen Zeugnissen bis zu absurden Details alles versammelt.
Ein eigenes Kapitel widmet sie den Bein-und-Fuß-Magazinen, wie den Black Silk Stockings. Seitenweise Seidenstrümpfe. Die ändern jedoch nichts daran, dass man nach der Lektüre überall Brüste sieht. Große, kleine, hängende, pralle. Um die so gemarterte Männerseele muss sich dann wohl ein Magazin wie der Player kümmern, auch wenn der im Innenteil ebenfalls nicht ganz ohne nackte Frauenhaut auskommt.
Dian Hanson, The History of Girly Magazines, Taschen Verlag, 19,99 Euro
(
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ Primetime 13.3.2007)
Umweltstiftung WWF in der Kritik