SZ-Magazin: Vielleicht wurden Ihnen diese privaten Fragen gestellt, weil Sie für nichts anderes mehr standen, nachdem Sie Ihre Karriere beendet hatten. Vielleicht konnten sich die Menschen nicht so gut mit dieser inhaltlichen Leere identifizieren? Becker: Was hätte ich denn tun sollen? Irgendwann muss man eben aufhören, wenn die Knochen jeden Tag mehr weh tun. Es ist mir nicht leicht gefallen und ich habe jede Menge Drohbriefe bekommen damals, nach dem Motto: Der Becker raubt uns unsere Jugend. Heute gibt es den Tennisspieler Boris Becker nicht mehr. Ich bin Unternehmer, das sind viele, das ist nicht so besonders, also stürzen sich alle auf mein Privatleben und meine Affären.
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SZ-Magazin: Aber Sie hätten doch diese Interviews nicht geben müssen. Becker: Ich habe nun mal kein Elitedenken. Wenn mich jemand vernünftig anfragt, rede ich mit ihm.
SZ-Magazin: Aber fast alle Ihrer Interviews seit dem Ende Ihrer Karriere sind in der Boulevardpresse erschienen, in Bild, in Bunte, in der Gala. Für Ihre Hochzeit haben Sie einen Exklusivvertrag mit RTL abgeschlossen. Becker: Das hat mit Angebot und Nachfrage zu tun. Wenn ich auf die Fashionweek in Berlin gehe, sagt mein Sponsorpartner Mercedes: Boris, es wäre schön, wenn du den Zeitschriften A, B und C ein Interview geben würdest. Ich bin vertraglich gebunden.
SZ-Magazin: Gab es schon mal ein Interview, in dem Sie keine einzige private Frage gestellt bekommen haben? Becker: Nein. Ihnen ist das ja auch nicht gelungen! Ehrlich gesagt bin ich etwas überrascht, dass Sie den gleichen Schritt gewählt haben.
SZ-Magazin: Sind Sie enttäuscht? Becker: Gar nicht. Wir gehen ja wenigstens etwas tiefer hinein in diese Themen, das gefällt mir.
SZ-Magazin: Vor zwei Jahren haben Sie in einem Interview gesagt: Zur Marke Boris Becker passt ein Pils. Heute machen Sie Werbung für eine Poker-Internetplattform. Passt ein Glücksspiel mittlerweile besser zum Image der Marke Boris Becker? Becker: Da muss ich Sie korrigieren. Poker ist ein Geschicklichkeitsspiel und hat mit Glück sehr wenig zu tun.
SZ-Magazin: In Deutschland fällt Poker unter die Kategorie Glücksspiel. Becker: Mag sein, dennoch gibt es viele offizielle Pokerturniere in Deutschland. Die können ja nicht alle ungesetzlich sein. Ich selbst bin leidenschaftlicher Pokerspieler und kann Ihnen garantieren: Bei den Turnieren, die ich spiele, wird nicht geraucht, kein Alkohol getrunken und unterm Tisch hat auch niemand eine Waffe. Da geht es konservativ zu.
SZ-Magazin: Haben Sie schon mal gewonnen? Becker: Ja, in Pokerkreisen respektiert man mich mittlerweile, da bin ich nicht Boris Becker, sondern ein ganz ordentlicher Spieler. Vor ein paar Wochen habe ich mit den besten 350 Spielern weltweit in Las Vegas gespielt. Ich wurde Vierzigster und bekam 40.000 US-Dollar Preisgeld.
SZ-Magazin: Sie haben ein interessantes Punktesystem für Frauen entwickelt. Sie haben mal gesagt, zehn Punkte wäre die Höchstzahl, die eine Frau erreichen könnte. Sie würden nach der Elf suchen, weil Sie bisher nur Achter hatten. Ist Lilly Kerssenberg die ersehnte Elf? Becker: Absolut.
SZ-Magazin: Aber damals kannten Sie Frau Kerssenberg auch schon. Becker: Sie hat sich eben weiterentwickelt und Punkte dazugewonnen. Wenn sich eine Frau mit meiner Mutter und meinen Söhnen gut versteht, bringt das Punkte.
SZ-Magazin: Klingt trotzdem etwas machohaft, so ein Punktesystem. Becker: Das muss man doch nicht auf die Goldwaage legen. Das ist doch nur ein Spaß, nicht ganz ernst gemeint, mit Humor zu nehmen. Übrigens, Humor, ein spannendes Thema, ich frage mich, warum ich in Deutschland nicht viel mehr über meinen Humor wahrgenommen werde. In England verstehen die Leute meinen Humor.
SZ-Magazin: Worüber können Sie denn lachen? Becker: Darüber müsste ich nachdenken.
SZ-Magazin: Oliver Pocher vielleicht? Becker: Den finde ich ganz und gar nicht lustig, Harald Schmidt ist mir viel lieber. Ich mag intelligenten Humor, bei dem man nachdenken muss, und natürlich auch schwarzen Humor.
SZ-Magazin: Herr Becker, jetzt haben wir doch nicht über den Unternehmer in Ihnen gesprochen. Schlimm? Becker: Nein, ich gehe mit einem guten Gefühl aus diesem Gespräch, trotzdem muss ich noch mal nachdenken. Denn das Thema Hochzeit war ja doch wieder der rote Faden, und ich überlege gerade: Warum ist das so?
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(SZ Magazin vom 15. Mai 2009)
setzt BB Höflichkeit mit "Verstehen" gleich.
Ich muss nachdenken. Dieses ganze Medienfüllsel Boris Becker ist GÄHN! Warum ist das so? Na ja ... eigentlich auch offensichtlich, oder?
Ich glaub eher, dass die Engländer verstehen, warum wir nicht über ihn lachen können.