Bluttransfusionen sind dazu gedacht, Leben zu retten - doch in manchen Fällen gefährden sie den Patienten statt ihm zu helfen.
Bluttransfusionen retten Leben. Jahr für Jahr werden in Deutschland laut Paul-Ehrlich-Institut knapp 4,1 Millionen Beutel mit roten Blutkörperchen injiziert. Doch nicht in allen Fällen verbessert sich dadurch der Gesundheitszustand der Patienten.
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Bluttransfusionen sind für den Patienten nicht immer ungefährlich (© Foto: dpa)
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Im Gegenteil, Herzkranke, die Fremdblut erhalten, haben ein dreimal so hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, wie Herzkranke, die ohne Transfusion behandelt werden. Auch das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff zu sterben, beträgt bei Patienten, die eine Transfusion bekommen haben, acht Prozent - bei Patienten ohne Transfusion hingegen nur drei Prozent.
"Es ist völlig absurd, dass Transfusionen in vielen Fällen die Situation der Patienten noch weiter verschlimmern", sagt Jonathan Stamler, Kardiologe an der Duke University in North Carolina. "Die Menschen sollten von einer Transfusion roter Blutkörperchen doch profitieren."
Erhöhtes Risiko
Bisher tappten Mediziner im Dunklen, wenn sie erklären wollten, warum Fremdblut nicht in allen Fällen hilft. Stamler hat nun eine mögliche Erklärung gefunden und sie in der Online-Ausgabe des Fachjournals Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Vielen Blutkonserven fehlt Stickoxid (NO). Das Gas weitet die Gefäße. Dadurch steigt die Durchblutung und die roten Blutkörperchen können leichter die Gefäße passieren und das Gewebe besser mit Sauerstoff versorgen.
Die Menge an dem Gas nimmt in Blutkonserven jedoch mit der Zeit ab. Das geschehe bereits binnen weniger Stunden, nachdem einem Spender Blut abgenommen wurde, schreiben die Autoren. "Wir geben Patienten Blut, das Sauerstoff nicht ordentlich transportieren kann", sagt Stamler. "Die Patienten werden dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt."
Der Mediziner maß 42 Tage lang den Gehalt an Stickoxid, das an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in Blutkonserven gebunden ist, und bestimmte dessen Wirkung auf die Blutgefäße von Hasen. Schon am zweiten Tag nach der Blutspende sank der Gehalt an Stickoxid (NO) um bis zu 70 Prozent, nach 42 Tagen lag die NO-Konzentration nur noch bei fünf bis 15 Prozent des Ausgangswertes. Die Analyse zeigte, dass Blut aus älteren Konserven die Blutgefäße nicht so gut erweitern und dadurch die Durchblutung steigern konnte wie frisches Blut.
Anreicherung mit Stickoxid
Das Stickoxid solle daher nach der Lagerung Blutkonserven beigefügt werden, schlägt Jonathan Stamler vor. Der Kardiologe konnte die Wirkung eines solchen Verfahrens bereits im Tierexperiment nachweisen. Er versetzte Blutkonserven mit einer NO-Lösung und injizierte sie Hunden. Unter Normalbedingungen erhöhte sich dadurch die Durchblutung. Verabreichte der Mediziner hingegen ältere Blutkonserven, hatte das keinen Einfluss auf die Durchblutung
Litten die Tiere unter Sauerstoffmangel, hatten zwar sowohl NO-reiche als auch NO-arme Blutkonserven einen positiven Effekt. Bei Blut, das mit NO angereichert worden war, stieg die Durchblutung jedoch stärker an. "Wir haben jetzt eine Lösung für das Stickoxid-Problem", sagt Stamler. "Wir müssen den Konserven bloß NO hinzufügen."
"Ein interessanter Ansatz", sagt Melchior Seyffarth vom Deutschen Herzzentrum in München. "Dass bei der Lagerung von Blutkonserven Stickoxid verloren geht, haben die Forscher zwar erstmals klar nachgewiesen. Konsequenzen für die klinische Anwendung hat die Studie jedoch nicht." Ob es den Patienten nütze, wenn die Blutkonserven vor der Transfusion mit NO aufgefüllt werden, müsste in klinischen Versuchen mit Menschen allerdings erst noch geklärt werden, sagt Seyffarth.
"Ich bezweifle, dass die Methode bei Menschen funktioniert", sagt Peter Kühnl, Leiter der Blutbank der Hamburger Universitätsklinik. "Bisher konnten sich keine der Versuche, Blutkonserven mit Arzneimitteln anzureichern, bevor sie injiziert werden, durchsetzen." Es sei zudem unklar, wie sich solche Präparate bei Menschen auswirkten, die andere Medikamente nehmen, sagt Kühnl.
Alternde Blutkörperchen
Es gibt jedoch Anzeichen, dass die Anreicherung mit NO funktionieren könnte. Schon heute wird in Amerika der Luft in Brutkästen Stickoxid zugesetzt, wenn Frühchen an Lungen- und Atembeschwerden leiden. So soll die Durchblutung gesteigert werden, damit die Babys genug Sauerstoff zum Wachsen erhalten.
Dass in Konserven gelagertes Blut schlechter Sauerstoff transportieren kann, ist zwar schon lange bekannt. Bisher sei das Problem aber zu wenig beachtet worden, sagt Gert Matthes, Leiter der Blutbank des Universitätsklinikums Leipzig. "Auch die roten Blutkörperchen selbst büßen mit der Lagerung an Funktion ein. Wie man konservierte Blutzellen beim Menschen aber regenerieren kann, ist kaum erforscht. Es gibt höchstens acht Untersuchungen dazu."
Die Bundesärztekammer empfiehlt, Konserven zu verwenden, die höchstens 35 bis 42 Tage alt sind. Eine gesetzliche Regelung, wie lange Blutkonserven verabreicht werden dürfen, gibt es jedoch nicht. Mediziner versuchen daher, bei massiven Transfusionen zumindest bei jedem dritten Blutbeutel pro Patient eine frische Spende zu verwenden.
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(SZ vom 12.10.07)
Brasiliens Präsidentin Roussef
"Und meines Erachtens ist es völlig absurd, unerwähnt zu lassen, warum denn die Transfusionen notwendig waren. Beim Eingriff (wohl eine Bypassoperation oder ??)
wird ja nicht einfach so transfundiert. Entweder bestetht erhöhter Blutverlust, besonders schwere koronare Herzkrankheit, evtll. Herzschwäche, Komplikationen, Nachbeatmung oder vorherige Blutarmut aus anderen Gründen wie z.B. Blutung vor dem Eingriff, Begleiterkrankungen. Das ist doch die entscheidende Informationm, die fehlt. "
Die Notwendigkeit, in bestimmten Situationen zu transfundieren, wird doch an keiner Stelle des Artikels bestritten. Warum soll man nicht aber auch eine etablierte und sicher auch richtige Methode nicht kritisch hinterfragen, ob sie nicht auch Risiken mit sich bringt, und dann versuchen, diese Risiken zu minimieren ? Der am Infarkt verstorbene Patient ist genauso tot wie der verblutete.
"Im Gegenteil, Herzkranke, die Fremdblut erhalten, haben ein dreimal so hohes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, wie Herzkranke, die ohne Transfusion behandelt werden. Auch das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff zu sterben, beträgt bei Patienten, die eine Transfusion bekommen haben, acht Prozent - bei Patienten ohne Transfusion hingegen nur drei Prozent."
Und meines Erachtens ist es völlig absurd, unerwähnt zu lassen, warum denn die Transfusionen notwendig waren. Beim Eingriff (wohl eine Bypassoperation oder ??)
wird ja nicht einfach so transfundiert. Entweder bestetht erhöhter Blutverlust, besonders schwere koronare Herzkrankheit, evtll. Herzschwäche, Komplikationen, Nachbeatmung oder vorherige Blutarmut aus anderen Gründen wie z.B. Blutung vor dem Eingriff, Begleiterkrankungen. Das ist doch die entscheidende Informationm, die fehlt.
-genauso kann man behaupten, dass Patienten mit einer antibiotischen Therapie eher sterben als Patienten ohne, man muss natürlich die Lungenentzündung in der Therapiegruppe einfach unter den Tisch fallen lassen, ganz einfach.
Viel einfacher, als der Konserve NO (als gelöstes Gas) zuzuführen, ist es, das Gas über die Lunge zuzuführen. Die Patienten, die die Infusionen bekommen, werden i.A. sowieso entweder beatmet, oder sie bekommen Sauerstoffanreicherung bei Spontanatmung. Wenn dem Sauerstoff gleich in der Flasche ein paar (? - das hängt von der zu erzielenden Blutkonzentration ab) Prozent NO beigemischt werden, sollte sich derselbe Effekt erzielen lassen, ohne mit der Konserve rumpanschen zu müssen.
ND
PS: So. Idee veröffenlticht. Patentierung gestorben.