Von Christoph Rieth

Das Mädchen brütet, und unser Autor steht vor großen Fragen: Wer kümmert sich in Zukunft eigentlich um ihn? Das Tagebuch eines werdenden Vaters, Teil eins.

"Das ist ein Strich!" - "Nein, das ist kein Strich!" - "Doch, das ist ein dicker, knallroter Strich!" - "Na ja, vielleicht ein zartes, rosafarbenes Strichlein!" So oder so ähnlich hat vor wenigen Tagen mein neues Leben begonnen. Wir sind nämlich schwanger. Also nicht ich, aber meine Freundin.

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Meine Freundin ist schwanger! Bin ich nicht doch viel zu jung für so was? Müssen wir jetzt heiraten? Brauche ich eine Kapital- oder Risikolebensversicherung? (© AP)

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Ich haderte erst mit der Messgenauigkeit des Schwangerschaftstests aus der Apotheke. Für mich war der Strich maximal zartrosa und Google kann zahlreiche "Fehlmessungen" bestätigen. Aber die zukünftige Mutter war sich sofort sicher. Und der Frauenarzt schloss sich ihrer Sicht der Dinge an. So sind wir laut medizinischer Analyse jetzt in der fünften Woche.

Interessant, denn die Schwangerschaft wird ab dem ersten Tag der letzten Periode berechnet. Damit ist eine Frau keine neun Monate schwanger, sondern zehn. Genauer gesagt: im Schnitt 40 Wochen. Der Tag der Niederkunft ist im Prinzip ganz einfach zu berechnen: Erster Tag der letzten Periode + 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr = Geburtstermin. Anfang Mai 2011 ist es so weit, sagt auch meine direkt heruntergeladene iPhone-App.

Man muss zu unseren Lebensumständen wissen: Das Mädchen und ich sind Anfang 30, seit fast zehn Jahren ein Paar und beide berufstätig. Sie als freie Lektorin in einem Fachbuchverlag, ich als Redakteur bei einem TV-Sender.

Zudem erfüllen wir alle Berlin-Klischees. Wir wohnen in Mitte im Altbau, besitzen kein Auto, dafür zwei 30 Jahre alte Vespas. Und wir hängen gerne in Cafés rum. Ich besonders gerne mit den Kumpels. Kinder grundsätzlich ja, aber vielleicht nicht sofort. Eher übermorgen.

Während ich diese Zeilen notiere, frage ich mich ernsthaft: Verdammt, was heißt das denn jetzt? Ich bin doch erst 34. Die Natur hat mich gar nicht auf diese Aufgabe vorbereitet. Ich habe keine Hormone, die mich glücklich machen.

Bin ich nicht doch viel zu jung für so was? Müssen wir jetzt heiraten? Brauche ich eine Kapital- oder Risikolebensversicherung? Gibt es für Motorroller Kindersitze? Und vor allem: Wer kümmert sich zukünftig um mich?

Jetzt muss ich wohl Verantwortung übernehmen. Nicht nur für mich, sondern auch für das brütende Mädchen und den zukünftigen Stammhalter. Oh!? Was ist, wenn es kein Junge wird?

Egal.

Christoph Rieth, Journalist und Autor aus Berlin, schreibt im Blog "Wir sind schwanger" auf sueddeutsche.de über die Schwangerschaft seiner Freundin - und die Auswirkungen dieser ganzen Sache auf ihn: http://blogs.sueddeutsche.de/wirsindschwanger/

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(sueddeutsche.de/pfau/jja)