Des Deutschen liebstes Gesöff in der Krise: Der Gerstensaftkonsum sinkt. Darum lassen sich die Bierbrauer etwas einfallen - und setzen auf den Wellness-Wahn.
Die Beschreibung des Biers liest sich wie der Beipackzettel eines Medikaments. Entzündungshemmend, entgiftend, immunstimulierend, allergievorbeugend - mit diesen Attributen wirbt die Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu für ihr alkoholfreies Bier.
Die totale Wellness - keine Frage! (© Foto: istockphotos)
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Zuletzt haben die oberpfälzischen Braumeister ein glutenfreies Bier auf den Markt gebracht, speziell für Allergiker. Bier als Heilmittel - auf diese Strategie setzt nicht nur Lammsbräu. Weil die Deutschen mehr auf ihr Wohlbefinden achten und jedes Jahr weniger Bier trinken, versuchen die Brauereien, die Verbraucher mit den Gesundheitsvorteilen des Gerstensafts zu locken.
Für Lammsbräu ist diese Überzeugungsarbeit nichts Neues. 1987 brachte die Brauerei ihr erstes Bio-Bier heraus. "Zu der Zeit wusste noch niemand, was Bio ist", erzählt Inhaber Franz Ehrnsperger. Die Anfänge seien mühsam gewesen. "Bei den Kunden sind wir zu Beginn auf totales Unverständnis gestoßen", sagt er. Jahrelang habe es von allen Seiten Gegenwehr gegeben - von Mitarbeitern, Kollegen aus der Brauwirtschaft, von Verbänden. Irgendwann kamen die Kunden aber doch auf den Geschmack.
Not macht erfinderisch
Seit 1995 ist der gesamte Betrieb auf Bioproduktion umgestellt und Lammsbräu hat sich zur größten Bio-Brauerei in Deutschland entwickelt. Nach Angaben von Ehrnsperger gibt es sogar weltweit keinen vergleichbaren Mitbewerber.
Regelmäßig lässt der Brauereichef seine alkoholfreien Biere von einem wissenschaftlichen Institut untersuchen. Längst arbeiten die Braumeister bei Lammsbräu an einem neuen Bier für die nächste Allergiker-Gruppe.
Auch andere bayerische Brauereien werden kreativ. Paulaner etwa preist sein alkoholfreies Hefe-Weißbier als ideales Getränk nach dem Sport an und verspricht eine "besonders hohe isotonische Wirkung".
Weihenstephan hat ein alkoholfreies "Wellness-Bier" namens "Xan" auf den Markt gebracht, abgeleitet vom Inhaltsstoff Xanthohumol.
Not macht erfinderisch. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes geht der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier seit Jahren zurück. 112 Liter hat jeder Deutsche im Jahr 2007 durchschnittlich getrunken, in den 90er Jahren waren es noch über 140 Liter, in den besten Zeiten über 150 Liter.
Sinkende Nachfrage, Preisdruck, Werbeeinschränkungen, eine strenge Alkoholpolitik - die Brauwirtschaft habe derzeit mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, sagt Verbandssprecher Marc-Oliver Huhnholz. Das könne auch der Export nicht ausgleichen. "Wenn es in diesem Sommer noch dazu schlechtes Wetter gibt, könnte das eine Katastrophe für die Brauwirtschaft werden", sagt er.
In Bayern stehen die Brauereien besser da, der Freistaat hat treue Biertrinker. Zum Jubeln ist aber auch den Braumeistern hier nicht zumute. Noch liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 160 Litern im Jahr, allerdings sind auch das 20 Liter weniger als in den besten Jahren. "Wir sind nicht abgekoppelt von der bundesweiten Entwicklung", sagt Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, "wir bewegen uns nur auf höherem Niveau." Der demografische Wandel macht den Brauereien zu schaffen.
Die Zahl der Älteren nehme zu, "doch die trinken weniger Bier", sagt Huhnholz. Auch die Jungen hätten mittlerweile andere Trinkgewohnheiten. "Viele pflegen ihre Gesundheit heute als Ersatzreligion", sagt König. Diese Leute versuchten die Brauereien nun besser zu erreichen - mit mehr alkoholfreien Biersorten, milden Biermischgetränken oder Bio-Bier. Der Gesundheitsaspekt von Bier rücke allmählich in der gesamten Branche in den Vordergrund, meint König.
Dem Trend bereits weit voraus ist eine Brauerei aus Brandenburg.
Das Angebot der Klosterbrauerei Neuzelle reicht gleich für eine komplette medizinische Kur: Neben regenerativem "Marathon"-Bier, und "Anti-Aging-Bier" mit Algen und Pflanzenextrakten gibt es dort ein "Badebier", das auch als aromatischer Badezusatz einsetzbar ist, und "Seelsorger-Bier" - zur geistigen "Besinnung und Einkehr".
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(ddp/Christiane Jacke/mmk)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Da kann ich mich jens rudi und kolb nur anschließen.
Die Wirkung von Maßnahmen gegen die Drogenherstellung und Vermarktung sollten wir alle Begrüßen. D.h. Alkoholwerbung, auch für Bier, sollten wir generell untersagen. Äusserungen von Herrn Huhnholz sollte auch immer genügend Gegenpositionen entgegengestellt werden.
"Alkohol und deren Folgen ist eine Geisel in unserer Gesellschaft (...)"
Dürfen denn bei der Befreiung dieser Geisel auch äthanolhaltige Waffen verwendet, oder müssen die Geiselnehmer mit Hilfe einer ungespritzten Bio-Gurkenmaske überwältigt werden?
Alkohol ist Gift für Körper und Geist. Es sollte verboten sein, etwas anderes zu behaupten. Ich begrüße den gesunkenen Bierabsatz und hoffe, dass das noch weiter runter geht. Und was soll das immer zu versuchen Menschen, die auf ihre Gesundheit achten lächerlich zu machen? Warum sollen Menschen dafür zahlen zu verblöden und ihr Leben zu verkürzen?
Nüchtern betrachtet ist Alkohol Gift - auch in Form von Bier.
Die Hersteller von legalen Drogen -hier ist es der Alkohol - werden durch den Verbandssprecher der Brauwirtschaft Marc-Oliver Huhnholz vertreten. Dass ausgerechnet dieser Mann von der "Ersatzdroge Gesundheit" spricht........
da fehlen mir die Worte. Alkohol und deren Folgen ist eine Geisel in unserer Gesellschaft und gerade diese legale Grundhaltung macht die Droge "Alkohol" so gefährlich.
Sehr schön kann das jeder Leser dieser Zeilen in der Praxis betrachten, wenn er um 22 Uhr auf dem Münchner Oktoberfest nüchtern durch die Bierzelte wandelt. Alles zum Wohle der Arbeitsplätze. Das sagen Waffenproduzenten auch.