Bertelsmann-Studie Jedes fünfte Kind lebt in Deutschland längere Zeit in Armut

Mehr als 20 Prozent der Kinder in Deutschland sind finanziell benachteiligt.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat sich mit der Lebenslage von Kindern im Zeitraum von fünf Jahren befasst.
  • Demnach leben 10 Prozent der Kinder kurzzeitig und 21 Prozent der Kinder dauerhaft oder immer wieder in einer benachteiligten Situation.
  • Existenzbedrohend ist der Mangel zwar nicht - doch er schränkt die soziale Teilhabe und die Zukunftschancen der Kinder ein.

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt längere Zeit in Armut. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesarbeitsagentur haben dafür die Lebenssituation von 3180 Kindern im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 ausgewertet. Abgefragt wurde, inwieweit ein Korb von 23 Gütern und Aktivitäten den Kindern zur Verfügung steht - etwa, ob Kinobesuche, ein Computer mit Internetzugang oder das Einladen von Freunden finanziell möglich sind.

Für jedes zehnte Kind ist Armut demnach ein kurzzeitiges Phänomen, 21 Prozent der Kinder leben während der erhobenen fünf Jahre jedoch "dauerhaft oder wiederkehrend" in einer Armutslage. Diesen Kindern fehlten im Schnitt 7,3 der 23 Güter, die in der Studie soziale Teilhabe repräsentieren. Zum Vergleich: Kinder aus gesicherten Verhältnissen standen im Schnitt 22 der Güter zur Verfügung.

Existenzielle Grundversorgung gesichert, aber weniger Chancen

Arm ist ein Kind nach der Definition der Studie, wenn seine Familie mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen muss oder staatliche Leistungen zur Grundsicherung bezieht. Besonders häufig davon betroffen sind demnach Kinder Alleinerziehender, gering qualifizierter Eltern oder kinderreicher Familien.

Die Herausgeber der Stiftung betonten, Armut bedeute in der Bundesrepublik nicht, dass es den Kindern an existenzieller Grundversorgung fehle - sie müssten jedoch auf viele soziale und kulturelle Aktivitäten verzichten. Das wirkt sich der Studie zufolge auch auf die Zukunftsperspektiven der Kinder aus: Wer nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben könne, habe auch in der Schule schlechtere Chancen. Dies wiederum verringere die Aussichten, einem Leben in Armut zu entkommen.

"Wer einmal arm ist, bleibt lange arm", fasste Jörg Dräger, der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, die Ergebnisse zusammen. Er forderte ein Umdenken in der Familien- und Sozialpolitik, um die "Vererbung von Armut" in Deutschland zu durchbrechen: Der Bedarf von Kindern und Jugendlichen müsse systematisch erfasst werden, um auf dieser Grundlage gezielt finanzielle Zuwendungen zu schaffen.

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